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Naher Osten : UN: 2006 fast 35.000 Zivilisten im Irak getötet

  • Aktualisiert am

Bombenanschlag nahe der Universität in Bagdad Bild: REUTERS

Im Irak sind nach Angaben der Vereinten Nationen allein im vergangenen Jahr fast 35.000 Zivilpersonen getötet worden. Rache und Straffreiheit zählen die UN zu den Gründen. Am Dienstag fielen mehr als 50 Menschen Anschlägen zum Opfer.

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          Im Irak sind nach Angaben der Vereinten Nationen allein im vergangenen Jahr fast 35.000 Zivilpersonen getötet worden. Der Leiter der UN-Mission im Irak (Unami), Gianni Magazzeni, gab die Zahl der Opfer am Dienstag mit 34.452 an, weitere 36.685 Zivilisten seien 2006 verwundet worden. Anschläge in der Hauptstadt Bagdad kosteten am Dienstag nochmals 50 Menschen das Leben.

          „Ohne deutliche Fortschritte bei der Rechtsstaatlichkeit wird die religiös motivierte Gewalt endlos weitergehen und schließlich außer Kontrolle geraten“, sagte Magazzeni. Im November und Dezember seien 6367 Menschen getötet worden, fast 5000 von ihnen allein in Bagdad. Die meisten seien schweren Schusswunden erlegen.

          Rache und Straffreiheit

          Magazzeni verwies auf einen leichten Rückgang der Todesopfer im Vergleich zu den beiden vorangegangenen Monaten, als nach Angaben von Unami insgesamt 7047 Zivilisten ums Leben kamen. Die Zahlen beruhen laut Magazzeni auf Informationen des irakischen Gesundheitsministeriums sowie von Krankenhäusern und Behörden.

          Die UN-Mission gab als Grund für die Gewalt die zahlreichen Morde aus Rache und die mangelnde Strafverfolgung der Täter an. Insgesamt wachse im Land der Eindruck, dass Menschenrechtsverstöße nicht bestraft würden. Unter Berufung auf das irakische Innenministerium erklärte Unami, seit Kriegsbeginn 2003 seien im Irak 12.000 Polizisten getötet worden.

          In der Nähe einer Universität explodierten am Dienstag zwei Kleinbusse, als die Studenten gerade ihre Seminare beendet hatten. Mindestens 31 Menschen wurden getötet, 65 erlitten Verletzungen, wie die Polizei erklärte. Weitere Bomben in der Innenstadt kosteten mindestens 15 Menschen das Leben. Wie die Polizei mitteilte, detonierten die Sprengsätze im Abstand von fünf Minuten auf einem Markt. Als Schaulustige sich um den Ort der Explosion versammelten, fuhr ein Selbstmordattentäter mit seinem Wagen in die Menschenmenge und zündete eine Autobombe. Ein Sprengsatz explodierte in der Nähe einer Polizeipatrouille in Bagdad und kostete vier Menschen das Leben.

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          Mit der neuen Irak-Strategie ihrer Regierung stieß die amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice in Saudi-Arabien auf Skepsis. Der saudiarabische Außenminister Saud al Faisal sagte am Dienstag, sein Land hoffe, dass Washingtons Pläne für den Irak erfolgreich seien. Er bezweifelte aber, dass die irakische Regierung der Aufgabe gewachsen sei.

          Außenministerin Rice flog am Dienstag nach Kuweit weiter, um dort die Außenminister von acht arabischen Staaten zu treffen. Die Vereinigten Staaten verlegen unterdessen einen zweiten Flugzeugträger in den Nahen Osten. Die „USS John C. Stennis“ sollte am Dienstag ihren Heimathafen Bremerton im Bundesstaat Washington verlassen. Das Schiff wird in einem Monat mit etwa 3200 Soldaten und mehr als 80 Flugzeugen in der Region erwartet.

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