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Libanon : Wachablösung im Morgengrauen

  • Aktualisiert am

Die Soldaten sollen eine Pufferzone einrichten Bild: AP

Der Libanon hat mit der Verlegung von zunächst 2.500 Soldaten in den Süden des Landes begonnen. Die Bewohner begrüßten die Armee mit libanesischen Nationalflaggen und Blumen. Gleichzeitig zogen israelische Soldaten ab.

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          Die libanesischen Streitkräfte haben am frühen Donnerstag morgen mit der Stationierung von Soldaten südlich des Litani-Flusses begonnen. Sie sollen gemeinsam mit UN-Truppen die Kontrolle über die Region übernehmen. Ziel ist die Einrichtung einer 30 Kilometer breiten Pufferzone, um Angriffe der Hizbullah-Miliz auf Israel zu verhindern. Die israelischen Streitkräfte begannen unterdessen mit ihrem Rückzug aus dem Südlibanon. Einige ihrer Stellungen seien der UN-Truppe übergeben worden, erklärten die Streitkräfte am Donnerstag.

          Der Schritt erfolge im Einklang mit einer Vereinbarung zwischen den israelischen Streitkräften, der UN-Truppe Unifil und der libanesischen Armee, hieß es. Mehr als 100 Lastwagen, Truppentransporter und Jeeps überquerten den Fluß Litani über eine Behelfsbrücke und rollten in die Stadt Mardschajun im Nordosten des Gebiets rund acht Kilometer vor der israelischen Grenze.

          „Gott möge Euch schützen!“

          Mitglieder der Unifil beobachteten den Vormarsch über den Fluß, der fast auf der gesamten Breite des Landes eine natürliche Abtrennung des Südlibanons bildet. Die mehrheitlich christlichen Bewohner Mardschajuns begrüßten die Armee mit libanesischen Nationalflaggen und Blumen, bewarfen die Soldaten mit Reis und jubelten ihnen zu.

          Nach fünf Wochen Schließung landet die erste Maschine auf dem Beiruter Flughafen

          Andere Einheiten überwanden den Litani bei Kasmijeh, um Militärkreisen zufolge Stellungen nahe der Hafenstadt Tyrus zu beziehen. Auch hier reagierten die Menschen positiv auf den Vormarsch, mit dem die Regierung in Beirut erstmals seit Jahrzehnten ihre Souveränität über das Gebiet geltend macht. Während die Armee vorrückte, verschwanden die Hizbullah-Kämpfer von der Bildfläche. Es waren nicht einmal mehr die unbewaffneten Mitglieder der Miliz zu sehen, die in den vergangenen Tagen per Moped unterwegs waren und Journalisten sowie Bewohnern Anweisungen gegeben hatten.

          Israel: Hizbullah verstößt gegen UN-Resolution

          Die vereinbarte Waffenruhe sieht vor, daß Israel der UN-Truppe die Kontrolle über seine Stellungen im Südlibanon überträgt. Die Unifil soll die Stellungen dann den libanesischen Streitkräften übergeben. Mehr als 50 Prozent der Gebiete unter israelischer Kontrolle seien bereits übergeben worden, erklärten die Streitkräfte. Betroffen seien die Gegend nördlich und östlich der Stadt Merdschajun sowie ein weiteres Gebiet weiter im Westen. Der Prozeß werde phasenweise vollzogen.

          Die Stationierung der libanesischen Soldaten werde einige Tage dauern, verlautete aus Militärkreisen in Beirut. Ziel sei, die Regierungsgewalt auf das gesamte Staatsgebiet auszudehnen, darunter auch die Gegend südlich des Litani. Ein libanesischer Kommandeur sagte: „Stellen Sie sich vor, das ist das erste Mal seit 1968. Wir sind sehr glücklich, das ist unser Land.“

          Israel betrachtet die Umsetzung der jüngsten UN-Resolution nach den Worten seiner Außenministerin Zipi Livni als Test für die internationale Gemeinschaft und die libanesische Regierung. Der Hizbullah-Miliz warf Livni nach einem mehr als einstündigen Gespräch mit UN-Generalsekretär Kofi Annan am Mittwoch in New York vor, gegen die Resolution verstoßen, da sie die beiden verschleppten israelischen Soldaten nicht wie gefordert umgehend freigelassen habe. Sollte sich die Stationierung einer internationalen Truppe im Südlibanon länger hinziehen, werde sich auch der Rückzug der israelischen Truppen länger hinziehen. „Das ist die Gleichung“, sagte Livni.

          Annan schickt Berater nach Beirut und Jerusalem

          In das geräumte Gebiet sollen nach den Vorgaben der UN-Resolution 15.000 libanesische Soldaten einrücken und die schiitische Hizbullah-Miliz mit Unterstützung einer ebenfalls auf 15.000 Mann verstärkten UN-Friedenstruppe in Schranken halten. „Wir müssen sicherstellen, daß die neue Truppe robust und effektiv ist“, sagte Livni. Israel erwarte, daß die libanesischen Grenzen verstärkt kontrolliert würden um zu verhindern, daß Iran und Syrien die Hizbullah wieder aufrüsteten.

          UN-Sprecher Stephane Dujarric kündigte unterdessen die Entsendung von zwei ranghohen UN-Beamten in den Nahen Osten an. In Annans Auftrag sollten dessen Sonderberater Vijay Nambiar und sein Spitzengesandter für libanesisch-syrische Fragen, Terje Roed-Larsen, in die Region reisen.

          Beiruter Flughafen öffnet wieder

          Vier EU-Staaten haben nach Informationen der Tageszeitung „Die Welt“ bereits konkrete Zahlen für die Entsendung von Soldaten zur UN-Friedenstruppe im Libanon genannt. Demnach ist Frankreich bereit, zwischen 2000 und 3000 Soldaten für die Friedenstruppe Unifil zur Verfügung zu stellen. Während einer Sitzung des Politischen Sicherheitskomitees hätten ferner Italien 1200, Spanien 1000 und Finnland bis zu 150 Soldaten zugesagt. Weitere sieben EU-Staaten seien grundsätzlich bereit, Blauhelme zu entsenden.

          Nach fünf Wochen Schließung hat der internationale Flughafen von Beirut am Donnerstag seinen Betrieb wieder aufgenommen. Als erstes Zivilflugzeug landete eine Maschine der libanesischen Gesellschaft Middle East Airlines am Mittag mit Passagieren aus der jordanischen Hauptstadt Amman. Eine Royal-Jordanian-Maschine soll folgen. Kommende Woche soll der Flugverkehr wieder planmäßig laufen. Der British-Airways-Partner BMED will am Nachmittag eine Maschine mit Hilfsgütern von London nach Beirut starten. Die britische Fluggesellschaft äußerte die Hoffnung, in der nächsten Woche ihre Flugverbindungen mit Beirut wieder aufzunehmen. Dann sollen zunächst vier Flüge nach London angeboten werden.

          Die Deutsche Lufthansa hoffe, ab Anfang September die libanesische Hauptstadt wieder planmäßig anzufliegen, sagte ein Sprecher. Im Juli hatte Lufthansa alle Flüge nach Beirut bis Ende August gestrichen. Israel hatte während des Krieges gegen die libanesische Hizbullah-Miliz mehrfach Angriffe gegen den Flughafen Beirut geflogen. Derzeit ist lediglich eine von drei Rollbahnen betriebsbereit. Während der Kämpfe hatte Israel nur Flugzeugen mit Hilfslieferungen die Landung in Beirut erlaubt.

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