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Libanon : UN ziehen Beobachter aus dem Grenzgebiet ab

  • Aktualisiert am

Französische Unifil-Soldaten Bild: AFP

Nach dem tödlichen Angriff auf einen UN-Posten wollen die Vereinten Nationen ihre Militärbeobachter aus dem unmittelbaren Grenzgebiet im Südlibanon abziehen. Die unbewaffneten Beobachter sollen in Unifil-Stützpunkten unterkommen.

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          Nach dem Tod von vier Militärbeobachtern bei einem israelischen Luftangriff wollen die Vereinten Nationen ihre Beobachterposten unmittelbar an der libanesisch-israelischen Grenze räumen. Die etwa 50 unbewaffneten Beobachter der Untso-Mission würden zu ihrem Schutz auf den Stützpunkten der Friedenstruppe Unifil untergebracht, teilte ein Sprecher der Unifil in Beirut mit. Die Basis dieser Truppe liegt im südlibanesischen Nakura und damit weiter landeinwärts.

          Im Gegensatz zu den Untso-Beobachtern sind die Unifil-Soldaten leicht bewaffnet. Die Untso wurde zur Überwachung des Waffenstillstands von 1948 an der israelisch-libanesischen Grenze stationiert. Von ihren ursprünglich vier Beobachterposten wurde einer bereits am vergangenen Sonntag nach Beschuß durch die Hizbullah-Miliz geräumt. Ein weiterer wurde Dienstag abend bei dem israelischen Luftangriff zerstört. Die beiden verbleibenden Posten würden nun vorerst aufgegeben, sagte der Unifil-Sprecher. Aus UN-Kreisen in New York verlautete zudem, daß den Beobachtern inzwischen der Treibstoff und andere wichtige Vorräte ausgingen, und ihr Einsatz durch die israelische Armee stark eingeschränkt werde.

          Bemühungen um UN-Resolution

          Angesichts der eskalierenden Gewalt im Nahen Osten gibt es internationale Bemühungen um eine Resolution der Vereinten Nationen zu dem Konflikt. Der französische Staatspräsident Jacques Chirac ließ erklären, er werde sich für eine UN-Resolution einsetzen, die eine sofortige Waffenruhe im Nahen Osten verlange.

          Unifil-Soldaten sind leicht bewaffnet

          Die Feuerpause müsse durch eine politische Vereinbarung zwischen Israel und der Hizbullah sowie „durch die Aufstellung einer internationalen Truppe unter dem Mandat der Vereinten Nationen“ gestützt werden, hieß es in der Erklärung. Frankreich wolle schon in den kommenden Tagen einen Entwurf für eine derartige Resolution in Umlauf bringen, hieß es aus dem Pariser Außenministerium. Über eine mögliche UN-Resolution wollten auch der amerikanische Präsident George W. Bush und der britische Premierminister Blair am Abend in Washington beraten.

          Wer würde sich an der Truppe beteiligen?

          Portugal erklärte sich unterdessen dazu bereit, sich an einem eventuellen europäischen Militäreinsatz im Libanon zu beteiligen. In Deutschland, Frankreich, Italien, Irland und der Türkei wird ebenfalls über eine solche Beteiligung diskutiert, während Großbritannien und die Niederlande einen Einsatz ausgeschlossen haben.

          Blairs Sprecher sagte, der britische Premier wolle in Washington die Dringlichkeit diplomatischer Bemühungen um ein Ende der Gewalt zwischen Israel und der Hizbullah bekräftigen. Dazu gehöre auch eine neue UN-Resolution. Großbritannien hat bislang stets die Haltung der Vereinigten Staaten unterstützt, daß einem Waffenstillstand eine grundlegende politische Vereinbarung vorausgehen müßte.

          Washington hatte zuvor eine Verurteilung Israels wegen des Angriffs auf UN-Militärbeobachter im Libanon verhindert. Nach zähem Ringen einigte sich der Sicherheitsrat Donnerstag abend auf eine Erklärung, in der lediglich Trauer und Bestürzung über den Zwischenfall mit vier Toten zum Ausdruck gebracht wird. (Siehe auch: Sicherheitsrat verabschiedet Erklärung zu Israel)

          Mubarak kritisiert Washington

          Der ägyptische Präsident Husni Mubarak hat indes die Haltung der Vereinigten Staaten im Nahost-Konflikt ungewöhnlich deutlich kritisiert. Washington habe zu spät und zu schwach reagiert, um eine Eskalation der Kämpfe zu verhindern, sagte Mubarak dem Magazin „Time“. Er gilt als einer der engsten Verbündeten der Vereinigten Staaten im arabischen Raum.

          Mubarak sagte, mit der Offensive im Libanon sei Israel viel zu weit gegangen. Das Blutvergießen und die Zerstörungen im Libanon und im Gazastreifen kämen einer Kollektiv-Strafe durch die israelische Armee gleich und hätten zunehmenden Zorn in aller Welt und speziell unter Arabern und Muslimen ausgelöst.

          Die eigentliche Ursache des Konflikts liegt laut Mubarak im Stillstand beim Friedensprozeß zwischen Israel und den Palästinensern, in dem die Vereinigten Staaten eine führende Vermittlerrolle übernommen haben. Die von Bush vorgeschlagene Zwei-Staaten-Lösung habe aber nichts bewegt, sagte Mubarak. „Es gibt hier kein Licht am Ende des Tunnels.“

          Organisationen beklagen: Kein Zugang zum Süden

          Internationale Hilfsorganisationen beklagen, keinen sicheren Zugang zu den von Israel bombardierten Gebieten im Süden des Libanons zu erreichen. Der sogenannte Hilfskorridor zur südlibanesischen Hafenstadt Tyrus reiche nicht aus, um Lebensmittel und Medikamente in die durch die Kämpfe isolierten Dörfer zu bringen, kritisierte der Einsatzdirektor von „Ärzte ohne Grenzen“, Christopher Stokes, am Freitag in Beirut. Die schwierige Lage werde hierdurch nur verschleiert. „In Wirklichkeit gibt es keinen Zugang humanitärer Hilfe zum Süden.“

          Auch den Helfern des Welternährungsprogramms ist es bislang nicht gelungen, Vorräte von Tyrus aus in die umliegende Region zu bringen. „Wir sind aus Sicherheitsgründen nicht in der Lage, die Gebiete südlich von Tyrus zu erreichen“, sagte ein Sprecher der UN-Organisation. Libanons Süden wird seit nunmehr 17 Tagen von Israel bombardiert, auch eine Bodenoffensive läuft.

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