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Kofi Annan : Mahnen, klagen, fordern

Annan auf seiner letzten Pressekonferenz als Generalsekretär Bild: picture-alliance/ dpa

Er kam aus dem Inneren der Vereinten Nationen - umkrempeln konnte er sie nicht: An Silvester scheidet UN-Generalsekretär Kofi Annan aus dem Amt. Ein echter Erfolg ist dem „weltlichen Papst“ nicht gelungen. Ein Porträt.

          Kofi Annan hat die Vereinten Nationen wieder für Amerika attraktiv gemacht. Von diesem Verdienst redet freilich niemand, während der an Silvester aus dem Amt scheidende UN-Generalsekretär von Verabschiedung zu Würdigung eilt. Die Geschichte hat diese Leistung aus seinen ersten Amtsjahren hinweggefegt.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Als Annan im Dezember 2001 den Friedensnobelpreis entgegennahm, wußte er noch nicht, daß Amerika die UN ein knappes Jahr später vor die Alternative stellen würde, Saddam Hussein zu stürzen oder bedeutungslos zu werden. Auf eine Irak-Invasion ließ sich Annan, ließ sich vor allem der Sicherheitsrat nicht ein. Wenn Washington heute doch wieder auf ein gemeinsames Vorgehen setzt, auch im Atomkonflikt mit Iran, dann ist das kaum eine Errungenschaft des Generalsekretärs, sondern eine Folge der irakischen Probleme von Präsident Bush.

          „Weltlicher Papst“ Annan

          Am Ende der neunziger Jahre aber stand Annan für eine Weltorganisation, der Amerika wieder trauen mochte, nachdem es dem Ägypter Boutros Boutros-Ghali die zweite Amtszeit versagt hatte. Präsident Clinton mußte zum Internationalismus nicht erst bekehrt werden. Aber das Scheitern der Blauhelmsoldaten in Ruanda und in Srebrenica hatte viel Wasser auf die Mühlen der UN-Kritiker gespült. Daß ausgerechnet Annan es vermochte, mit Selbstkritik und Reformrhetorik diese Kritiker zu besänftigen, ist um so erstaunlicher, als er vor seiner Beförderung zum Generalsekretär die UN-Abteilung für Friedenssicherung geleitet hatte - und zwar in der Zeit, als sich der Völkermord in Ruanda und das bosnische Massaker ereigneten. Versäumnisse der UN in diesen Kriegen muß Annan sich eher persönlich anlasten als die späteren Verfehlungen von Blauhelmsoldaten aus Kongo oder Haiti, die ihm in den vergangenen Jahren mit einer Härte vorgehalten worden sind, als habe er selbst Minderjährige mißbraucht.

          Erste Glückwünsche für den Nachfolger: Ban mit Kofi Annan

          Weshalb Clintons Außenministerin Madeleine Albright 1997 Gefallen fand an jenem Untergeneralsekretär aus Ghana und beharrlich den französischen Widerstand brach, ist vor diesem Hintergrund nicht leicht zu erklären. Gewiß war ihr sein ruhiges Wesen sympathischer als Boutros-Ghalis aufbrausende Art - und wer wollte Annan Charisma absprechen? Doch einen „weltlichen Papst“, wie der Generalsekretär später oft charakterisiert wurde, hatten die Amerikaner eigentlich nicht gesucht. Nicht ein sprechendes Weltgewissen, sondern einen Manager mit Detailkenntnis des UN-Systems glaubte die amerikanische Regierung in Annan gefunden zu haben. Er blickte schon bei seiner Nominierung auf 35 Jahre in Diensten verschiedener UN-Organisationen zurück; seit zehn Jahren gehörte er zur obersten Leitungsebene im New Yorker Generalsekretariat. Nicht nur mit Friedensmissionen, auch mit dem Haushaltswesen hatte er sich intensiv beschäftigt.

          Kein echter Erfolg

          Seine erste Reformagenda überschrieb der neue Generalsekretär 1997 „Eine stille Revolution“. Es ging um Umstrukturierungen im Generalsekretariat. Der Ansatz war bescheiden, die Reaktionen heftig wie in den folgenden zehn Jahren bei nahezu jedem Reformkonzept: Vor allem westlichen Staaten, den großen Finanziers der UN, gehen die Vorschläge nicht weit genug; andere empfinden jede Neuerung als Angriff auf ihre Privilegien.

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