https://www.faz.net/-gpf-t42o

Internationale Migration : Die große Wanderung

Bild: F.A.Z.

Etwa 191 Millionen Menschen haben nach UN-Schätzungen ihr Heimatland verlassen, um in der Fremde ein besseres Leben zu suchen, auch in Europa. Manche sehen in ihnen eine Bedrohung, andere ein wertvolles Potential.

          Elftausend Afrikaner sind in diesem Jahr nach lebensgefährlicher Fahrt auf den Kanaren an Land gegangen. Ihre Zahl ist niedrig im Vergleich zu den 191 Millionen Menschen, die nach Schätzungen der Vereinten Nationen auf der Suche nach einem besseren Leben ihr Heimatland verlassen haben.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Ihre Zahl wächst stetig, ist aber von einer „neuen Völkerwanderung“ weit entfernt. Für UN-Generalsekretär Annan verkörpern sie keine neuen Gefahren, sondern ein „ideales Mittel“, um die Entwicklung der Herkunfts- wie der Aufnahmeländer voranzutreiben.

          „Wir wissen viel zu wenig“

          Einige Namen sind weltbekannt. Knapp ein Viertel der Spieler der französischen Nationalmannschaft wurde nicht in Frankreich geboren. Die Gesichter dieser „Fußball-Migranten“ kennen Millionen, über Migranten ist dagegen wenig bekannt. „Wir wissen viel zu wenig“, klagt Hania Zlotnik, die Direktorin des UN-Bevölkerungsprogramms in New York. Zahlen, mit denen sich seriös die internationalen Wanderungsbewegungen und ihre Folgen untersuchen lassen, seien Mangelware.

          Von „Chaos“ spricht der UN-Sondergesandte für Migration, Peter Sutherland. In Kofi Annans Auftrag bereist der Brite derzeit die Welt, um für September eine UN-Konferenz vorzubereiten. „Es ist oft völlig unklar, wer zuständig ist, das Justiz-, das Innen- oder das Außenministerium. Wie soll man da effektiv international zusammenarbeiten?“

          Nicht nur Süd-Nord

          Die meisten Menschen, die ihre Heimat verlassen, um ein besseres Leben zu suchen, zieht es in die reichen Industrieländer. Aber es sind längst nicht so viele, wie bisher angenommen. Nach Einschätzung von UN-Fachleuten traf das im vergangenen Jahr nur auf ein Drittel des weltweiten „Migranten-Bestands“ zu. Während 62 Millionen von Süden nach Norden wanderten, waren es etwa 60 Millionen, die ihren Wohnsitz von einem Entwicklungsland in ein anderes verlegten.

          Die internationalen Migrantenströme können sich auch umkehren: Viele Jahrzehnte lang verließen zum Beispiel Italiener und Spanier ihre Heimat, weil es nicht genug Arbeit gab. Heute zieht es Tausende Menschen aus Osteuropa und der Dritten Welt dorthin. Aber auch Osteuropa und Rußland ist für viele Migranten interessant geworden: Zwischen 2000 und 2004 hat Moskau allein die Zahl der Arbeitsgenehmigungen auf 400.000 verdoppelt.

          Wachsender Bedarf

          Ohne Ausländer fehlen den Industrieländern schon bald Arbeitskräfte. Noch gibt es dort mehr einheimische Bewerber als freie Stellen. Schon in zehn Jahren werden aber für 100 Menschen, die in den Ruhestand gehen, nur 87 Nachwuchskräfte bereitstehen.

          Da mehr Menschen sterben als auf die Welt kommen, werden die Industrieländer insgesamt mehr als 73 Millionen Menschen „verlieren“ und damit zugleich knapp ein Viertel ihrer bisherigen Arbeitskräfte. In den Entwicklungsländern werden dagegen noch über viele Jahre hinaus mehr Menschen geboren als der Arbeitsmarkt verkraften kann.

          Konkurrenz?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          „Eine Art Ideologie, die zu Gräueln in der Historie unseres Planeten geführt hat“: So beschreibt ein ehemaliger Funktionär die Haltung der IAAF gegenüber der standhaften Caster Semenya.

          FAZ Plus Artikel: Fall Caster Semenya : Startrecht nach Kastration

          Die IAAF hat Caster Semenya nach ihrem Sieg in Berlin 2009 eine Operation nahegelegt zur Aufhebung ihrer Laufsperre. Vier Athletinnen unterzogen sich der Tortur. Ein früherer Funktionär spricht von einem Zwangssystem.

          Istanbul nach den Wahlen : Erdogans Propaganda hat nicht geholfen

          Die Niederlage bei der Wahl in Istanbul ist nicht nur für den Präsidenten ein Schlag, sondern auch für die ihm ergebene Presse. Rund um die Uhr sorgte sie für Aufruhr, jetzt fürchtet sie um ihre Pfründe.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.