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Getötete UN-Soldaten : „Äußerst beunruhigender Vorfall“

  • Aktualisiert am

Die Leichen der UN-Soldaten werden ins Krankenhaus von Marjayoun gebracht Bild: AFP

Nach dem Tod von vier UN-Beobachtern bei einem Luftangriff im Südlibanon ist Jerusalem unter massiven Druck geraten. Angeblich hatte die israelische Armee Hilferufe der Blauhelme ignoriert. UN-Generalsekretär Annan ist „tief verstört“.

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          Nach dem Tod von vier UN-Militärbeobachtern bei einem Luftangriff im Südlibanon in der Nacht zum Mittwoch ist Israel unter massiven diplomatischen Druck geraten. UN-Generalsekretär Kofi Annan verurteilte den „offenbar absichtlichen Angriff“ scharf und forderte eine Untersuchung. Er sei „schockiert und tief verstört“.

          Israels Ministerpräsident Ehud Olmert bekundete Annan seine „tiefe Trauer“ über den Vorfall. Gleichzeitig habe Olmert sein Befremden über Annans Vorwürfe gegen Israel zum Ausdruck gebracht, teilte die israelische Regierung am Mittwoch mit. Es habe sich um einen tragischen Unfall gehandelt und nicht um einen vorsätzlichen Angriff.

          Warnungen ignoriert?

          Annan sprach von einem „äußerst beunruhigenden Vorfall“. Bei den vier Getöteten handelt es sich anscheinend um Staatsbürger Österreichs, Finnlands, Kanadas und Chinas. Sie waren Mitglieder der UN-Friedenstruppe Unifil, die seit 1978 die libanesisch-israelische Grenze überwacht. Der Posten der Unifil liegt in der Nähe der Stadt Chiam im Grenzgebiet zu Israel. Die Stadt gilt als Hochburg der Hizbullah.

          Vier Blauhelme kamen ums Leben

          Diplomaten, die Einblick in die Ergebnisse der ersten UN-Untersuchungen hatten, sagten, es seien Präzisionsbomben zum Einsatz gekommen. Den UN-Posten und seine Umgebung habe die israelische Armee schon zuvor sechs Stunden lang beischossen. Die Unterkunft der Blauhelmsoldaten sei durch den israelischen Beschuß dem Erdboden gleich gemacht worden. Nach Berichten des amerikanischen Fernsehsenders CNN hatten die UN-Soldaten mehrfach Kontakt zu einem israelischen Verbindungsoffizier, um ihn über ihre Gefährdung durch das Bombardement zu warnen.

          Der „Angriff auf einen seit langem existierenden und klar ausgewiesenen UN-Posten in Chiam geschah trotz persönlicher Zusicherungen von Ministerpräsident Olmert, UN-Positionen von israelischem Feuer zu verschonen“, kritisierte Annan. Auch China und Finnland verurteilten den Angriff.

          „Eine Tragödie“

          Ein Sprecher des Außenministeriums in Jerusalem sagte, Israel ziele bei seinen Angriffen nicht auf UN-Personal. Seit Beginn der jüngsten Kämpfe habe man „jede Anstrengung unternommen, um die Sicherheit des UN-Personals in der Region zu gewährleisten“. Er kündigte eine „grundlegende Untersuchung dieser Tragödie“ an.

          Auch der israelische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Dan Gillerman, wies den Vorwurf zurück. „Ich bin überrascht von dieser voreiligen und falschen Behauptung des Generalsekretärs“, sagte Gillerman in New York. Während Annan noch eine Untersuchung des Falls fordere, gebe er bereits deren Ergebnis vor.

          Der israelische Botschafter in Deutschland, Shimon Stein, warf Annan eine unakzeptable Verleumdung vor. Dem Fernsehsender N24 sagte Stein, Israel werde von Annan eine Entschuldigung fordern. Bei Luftangriffen gebe es immer wieder versehentlich Treffer gegen Ziele, die man nicht habe angreifen wollen, verteidigte Stein das Vorgehen des Militärs. „In Kämpfen geschehen auch tragische Unfälle, und das zählt auch dazu. Wir bedauern das zutiefst“, sagte Stein.

          Gefechte in Hizbullah-Hochburg

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