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Vereinte Nationen : UN-Klimakonferenz endet mit Kompromiss

  • Aktualisiert am

Das Kyoto-Protokoll Bild: dpa

Mit einer „Deklaration von Delhi“ ist die UN-Klimaschutzkonferenz zu Ende gegangen. „Windelweich und ohne Visionen“, kritisierte Greenpeace.

          Der Klimaschutz kommt voran, aber nur langsam - diese Bilanz zogen Politiker und Experten nach der UN-Konferenz von Neu Delhi. „Die Wahrheit lautet: Der Fortschritt ist wie eine Schnecke“, sagte Bundesumweltminister Jürgen Trittin.

          Und bei diesem Schneckentempo trete auch noch jemand auf die Bremse, ergänzten Umweltschützer, nämlich die USA. Sie wurden damit zum Buhmann bei der Kyoto-Nachfolgetagung. Nicht nur, weil die USA der mit Abstand größte Verursacher der Treibhausgase sind, die zur gefährlichen Aufheizung der Atmosphäre führen - ein US-Bürger produziert durchschnittlich doppelt so viel Kohlendioxid wie ein Europäer und zehn Mal so viel wie ein Inder. Auch nicht nur, weil sich die USA dem Kyoto-Protokoll verweigern. Sondern vor allem, weil sie nach Ansicht regierungsunabhängiger Organisationen Fortschritte zu hintertreiben versucht hätten.

          USA als Störenfriede

          „Es ist klar, dass die USA das Inkrafttreten des Kyoto-Protokolls verhindern wollen“, sagte Hermann Ott vom Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie. Anders als früher seien die USA nicht nur passiv geblieben, sondern hätten zu stören versucht. Die Rolle der USA und der Erdöl exportierenden Länder sei Besorgnis erregend gewesen, meinte auch Christoph Bals von der Organisation Germanwatch.

          Die Schnecke wurde dadurch noch langsamer, aber sie blieb nicht stehen. Kanada kündigte, während die Konferenz lief, an, das Kyoto- Protokoll zu ratifizieren. Und alle erwarten, dass Russland folgen wird. „Ich bin überzeugt, dass die klare Zusage von Präsident Wladimir Putin wahrgemacht wird“, sagte Trittin.

          Dann könnte das Kyoto-Protokoll in Kraft treten, das den Trend bei den Treibhausgasen umkehren soll - statt immer mehr ein bisschen weniger. Vorgesehen ist eine Reduzierung um 5,2 Prozent bis zum Jahr 2012, bezogen auf 1990, durch die Industrienationen.

          Der Klimaschutz ist nicht nur langsam, er ist auch kompliziert. Ausgangspunkt ist, dass die Industriestaaten 80 Prozent der von Menschen verursachten Gase ausstoßen, die zum Treibhauseffekt beitragen. Also sollen sie auch den Anfang machen.

          Dabei kann das Kyoto-Protokoll erst in Kraft treten, wenn die Industriestaaten, die bereit sind mitzumachen, mindestens 55 Prozent des ausgestoßenen Kohlendioxids repräsentieren. Ohne die USA dauerte es, die Schwelle zu überschreiten. Mit Russland wird das passieren.
          Unbestritten ist auch, dass die Folgen der Erwärmung, die von den reichen Ländern verursacht wird, vor allem die armen Länder treffen. Daher sehen die Vereinbarungen zum Klimaschutz Hilfen vor. Auch da ist die Schnecke vorangekommen. Die Idee, dass reiche Staaten in den Klimaschutz in armen Ländern investieren und den Effekt auf ihrem eigenen Klimakonto gutschreiben dürfen, wird Wirklichkeit.

          „Was passiert danach?“

          Das alles aber wird die Klimaveränderung nicht aufhalten, warnen Experten. Der bis 2012 geplante Abbau reicht nicht. „Was passiert danach?“, fragte Trittin. Viele hatten gehofft, die Konferenz in Delhi würde eine erste Antwort geben - und wurden enttäuscht.

          Die Weltmacht USA wiederholte ihre Ansicht, Wirtschaftswachstum sei Voraussetzung für Umweltschutz, und Länder wie Indien nahmen sich daran ein Beispiel. Deutschland ist entschlossen, den Druck auf die USA zu erhöhen. Deutschland will Vorreiter bleiben, aber das Ziel, bis zum Jahr 2020 die Treibhausgase um 40 Prozent zu reduzieren, nur verfolgen, wenn andere entwickelte Länder mitmachen.

          „Vorreiter dürfen nicht Stellvertreter sein“, sagte Trittin. Auf die Frage, ob er auch die USA meine, wenn er andere entwickelte Länder in die Pflicht nehme, antwortete Trittin: „Ja. Sie werden es nicht glauben, aber die USA sind ein entwickeltes Land.“

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