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Vereinigte Staaten : Wichtige Stütze auf dem Kapitolshügel

Bild: F.A.Z.

Bei der Kongreßwahl in Amerika haben die Republikaner ihre Mehrheit ausgebaut. Sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat legte die Partei von Präsident George W. Bush zu.

          Im Bundesstaat Illinois war die Wahlnacht früh vorüber, zumindest soweit es den Senat betraf. Um 19.20 Uhr, zwanzig Minuten nach dem Schließen der Wahllokale, hatten sämtliche Fernsehsender Barack Obama zum Sieger und künftigen Senator des Staates Illinois erklärt.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für die Frankfurter Allgemeine Woche und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik (F.A.Z.).

          Als in anderen Staaten noch gewählt wurde, konnte sich der Jungstar der Demokraten im Chicagoer Hyatt-Hotel bereits von seinen Anhängern feiern lassen. Obama schlug dabei jenen überparteilichen Ton an, der schon seinen Wahlkampf gekennzeichnet hatte: Er beschwor „ein Volk, eine Nation und ein Amerika, das zusammenarbeiten kann“, und versprach, daß er in Washington keine „Politik der verbrannten Erde“ betreiben werde.

          Republikaner gewinnen hinzu

          Barack Obama ist erst der dritte Schwarze, der in den amerikanischen Senat gewählt wurde. Und er ist einer der Neuzugänge der Kammer, die weit über die Grenze ihres Bundesstaates hinaus Aufmerksamkeit erregen dürften. Bisher war er ein wenig bekannter und, was in der amerikanischen Politik besonders hinderlich ist, wenig wohlhabender Lokalpolitiker aus dem Chicagoer Stadtteil South Side. Er war Senator im Landesparlament von Illinois, ein Amt, das selten zu Schlagzeilen in den großen Tageszeitungen verhilft. Aber Obama hat Charisma und eine Biographie, wie sie amerikanische Wähler schätzen: Als Sohn einer Weißen und eines Kenianers in Hawai und Indonesien aufgewachsen, geriet er erst auf die schiefe Bahn des Drogenkonsums, schaffte dann aber ein Studium an den Elite-Universitäten Columbia und Harvard und arbeitete zunächst als Bürgerrechtsanwalt.

          Seit er im Juli auf dem Nominierungsparteitag der Demokraten in Boston eine vielbeachtete Rede hielt, gilt der 42 Jahre alte Obama vielen Demokraten nicht nur als moderater schwarzer Politiker neuen Typs, der die Rassenrhetorik seiner Vorgängergeneration abgelegt hat. Man zählt ihn auch zur stillen Kandidatenreserve der Partei für künftige Präsidentenwahlen. In Washington wird Obama in einen Senat kommen, in dem nach den Hochrechnungen vom Mittwoch morgen weiterhin die Republikaner die Mehrheit haben werden; sie konnten ihren Vorsprung in der hohen Kammer des Kongresses offenbar sogar ausbauen. Bisher hatten die Republikaner eine hauchdünne Mehrheit von 51 der 100 Sitze innegehabt. Am Dienstag konnte sie vor allem im Süden hinzugewinnen. Republikanische Kandidaten holten die Senatssitze in Georgia, South Carolina, Louisiana und North Carolina, wo die Amtsinhaber auf eine neue Kandidatur verzichtet hatten. Den Demokraten gelang dagegen - außer in Illinois - nur in Colorado ein Sieg. Dort setzte sich der Innenminister des Staates, Ken Salazar, gegen den Bierfabrikanten Pete Coors durch. Bisher hatten die Republikaner diesen Sitz gehalten.

          Republikaner sind bekannter

          Insgesamt standen 34 Senatssitze zur Wahl, ein Drittel der Kammer. Nur ein kleiner Teil davon war hart umkämpft. Das größte Aufsehen erregte das Rennen im kleinen Staat South Dakota, wo Tom Daschle, kein Geringerer als der Führer der Demokraten im Senat, nach 18 Jahren Zugehörigkeit in der Kammer gegen den früheren Abgeordneten John Thune verlor. Thune hatte Daschle im Wahlkampf unter anderem als größten Gegenspieler des Präsidenten im Parlament dargestellt, was ihm offenbar zum Erfolg bei den eher konservativ eingestellten Wählern South Dakotas verhalf. Die beiden Kandidaten gaben für den Wahlkampf die Rekordsumme von geschätzt 30 bis 35 Millionen Dollar aus, was etwa 40 Dollar je Einwohner entsprach.

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