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Vereinigte Staaten : Wahlsystem mit Haken

  • -Aktualisiert am

Bei der nächsten amerikanischen Präsidentschaftswahl soll ein Auszählungsdesaster wie im vergangenen Jahr vermieden werden. Verschiedene Teams haben sich die Behebung dieses Fehlers zur Aufgabe gesetzt.

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          Das amerikanische Wahldebakel im November 2000 hat das High-Tech-Land ziemlich alt aussehen lassen. Nachdem jeder Fernsehzuschauer Zeuge einer Bankrotterklärung des amerikanischen Wahlverfahrens in Florida werden konnte, weil übernächtigte Juristen Lochkarteneinschlüsse auf ihre Gültigkeit überprüfen mussten, arbeiten sowohl Wirtschaft als auch Wissenschaft jetzt am Entwurf einer verlässlichen Wahlmaschine.

          Damit deutet sich die Überarbeitung eines Systems an, das seinen Ursprung vor über hundert Jahren findet, denn die Lochkarte wurde 1890 eingeführt. Präsident Bush hat eine Reform des technischen Wahlverfahrens gefordert. Der Umsetzung wird sich eine Kommission zur Verbesserung des Wahlsystems unter der Leitung der früheren Präsidenten Jimmy Carter und Gerald Ford widmen. Derweil arbeiten verschiedene Teams an einer Lösung des Problems.

          Forsche Wissenschaft

          Das Massachussetts Institute of Technology (MIT) und das California Institute of Technology (Caltech) kündigten an, eine Wahlmaschine für die nächste amerikanische Präsidentschaft entwerfen zu wollen. An dem vierköpfigen Forschungsteam sind jeweils zwei Wissenschaftler der beiden Elite-Universitäten beteiligt, dabei unter anderem Nicholas Negroponte, Leiter des MIT Media Lab. Die erste Projekt-Phase soll in etwa sechs Monaten abgeschlossen sein. „Jeder muss sicher sein, dass seine Stimme verlässlich registriert und ausgezählt wird. Eine Nation, die einen Mensch auf den Mond geschickt hat, und in der es an jeder Ecke Geldautomaten gibt, hat da keine Entschuldigung.“, so MIT-Präsident Charles M. Vest.

          „e-@ction Election Solutions“

          Auch die drei High-Tech-Unternehmen Microsoft, Dell und Unisys arbeiten an einer optimierten Wahltechnik. Das umständliche Wortspiel „e-@ction Election Solutions“ umschreibt das von Unisys entwickelte Verfahren. Das System würde alle Aspekte der Wahl, von der Wählerregistrierung über die Abgabe und Auswertung der Stimmen bis hin zur Feststellung des Ergebnisses, umfassen. Es soll veraltete Modelle ablösen, die laut Unisys für Fehler und Ungenauigkeiten anfällig sind - und dennoch von bislang mehr als der Hälfte der amerikanischen Wähler benutzt wurden. „Die Version kann auf die örtlichen Behörden maßgeschneidert werden“, so Kevin Curry, Vize-Präsident der nordamerikanischen Unisys-Sparte. Das System sei bereits in Minnesota erprobt worden. Außerdem habe das System erste Tests in Brasilien, Costa Rica und in der Stadt Rom durchlaufen. Die Wähler könnten dann ihre Wahl anhand einer von Dell gelieferten Tastatur oder eines Touch Screens abgeben. Last but not least wäre Microsoft für die Erstellung der Software zuständig.

          Irrtum ausgeschlossen

          Papierlose Wahlverfahren mögen einen Wählerirrtum ausschließen, aber schützen sie auch vor Wahlfälschung? Selbst die angesehensten Computerexperten sind schließlich nicht vor Irrtümern gefeit. Angesichts sich häufender Defekte - sogar bei Microsoft - wird mittlerweile schon vereinzelt wieder nach den nostalgischen Maschinen gerufen. Was könnte effektive Abhilfe schaffen? Paradoxerweise wohl doch die Lochkarte, aber nicht die papierne, sondern eine lasergedruckte Karte, mit deren Hilfe man das Wahlergebnis sofort erfassen könnte. Hochpräzise sollte diese Maschine sofort die Gültigkeit die Stimmabgabe überprüfen. Aber - die Entwicklung dieses Systems hätte einen Haken - sie wäre nicht billig. Aber schließlich geht es auch um nichts Geringeres als die Wahl des amerikanischen Präsidenten.

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