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Vereinigte Staaten : George W. Bush will mit „Mut und Mitgefühl“ führen

Präsident George W. Bush Bild: dpa

George W. Bush ist als der 43. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt worden. Bei der Feier auf dem Kapitolshügel in Washington kündigte der Nachfolger von Bill Clinton an, er wolle mit „Mut und Mitgefühl“ führen.

          George W. Bush ist am Samstag als 43. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt worden. Bei der Feier auf den Stufen des Kapitols in Washington legte er den Amtseid vor dem Obersten Richter William Rehnquist ab. In seiner Antrittsrede gelobte der Nachfolger von Bill Clinton, das Land mit „Anstand, Mut, Mitgefühl und Charakter“ zu führen.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          War das Wetter ein Omen, dann sind die Aussichten für Amerika unter dem neuen Präsidenten George W. Bush trübe. Stetiger Nieselregen fiel, als der Republikaner am Samstagmittag vor dem Kapitol in der Bundeshauptstadt die Hand zum Schwur erhob und versprach, dass er sein neues Amt „getreulich“ ausüben werde, „so wahr mir Gott helfe“.

          War das Wetter ein Omen?

          Mehrere zehntausend Zuschauer, zum Teil in durchsichtiges Plastik gehüllt, fröstelten derweil vor sich hin. Mit Ausnahme der besonders illustren Gäste auf der Tribüne: Mit den Bushs, so merkten Tierschützer bereits kritisch an, sind die Pelzmäntel nach Washington zurückgekehrt. Mutter Barbara Bush stand der Stolz im Gesicht geschrieben, als ihr Sohn an derselben Stelle stand wie vor zwölf Jahren sein Vater, Ex-Präsident George Bush Senior. Der kämpfte sichtlich mit den Tränen, genau, wie er schon vorher befürchtet hatte. „Ich muss ganz bestimmt weinen“, hatte er kürzlich erklärt und angekündigt, er werde sich vorsichtshalber Beruhigungspillen besorgen.

          Solche Hilfen brauchte sein Filius anscheinend nicht. Auch ihm rollte zwar eine Träne die Wange herunter, als er nach dem Schwur auf derselben Bibel wie einst sein Vater zur ersten Ansprache als Präsident ansetzte. Selbstbewusst und sicher, ab und zu ein kleines stolzes Lächeln auf den Lippen, versprach er dann dem Volke, an der Einheit der Nation zu arbeiten. Eine Anspielung auf das unglückselige Wahldrama, bei dem er sich den Sieg erst nach gerichtlichem Eingreifen hatte sichern können.

          First Lady Laura im hellblauen Mantelkleid

          Die frisch gebackene First Lady Laura Bush erschien in leuchtend blauem Mantelkleid-Ensemble zur Vereidigung, die 19-jährigen Zwillingstöchter Barbara und Jenna hatten beide ein schwarz-weißes Hahnentrittmuster für ihre Kleidung gewählt. Hillary Clinton trat ganz in Schwarz auf - aber das hatte wohl nichts mit ihrer Stimmung zu tun. Sie bleibt als Senatorin der Washingtoner Szene erhalten, während sich ihr Mann nun erst mal an ein Leben als Privatperson gewöhnen muss.

          Den Abschied zögerte Bill Clinton aber so lange hinaus wie nur möglich. Am Morgen seines Ausscheidens hatte er noch schnell 100 Amerikaner begnadigt - darunter seinen Bruder Roger, der mit Drogen erwischt worden war. Dann hatte Clinton nach der Amtseinführung seines Nachfolgers sozusagen noch das letzte Wort.

          Clinton: „Ich bin noch hier“

          Vor dem Abflug ins Privathaus in Chappaqua im Bundesstaat New York hielt er vor Luftwaffenangehörigen und mehreren seiner nun ebenfalls ausgeschiedenen Kabinettsmitglieder noch eine Rede. „Ich habe das Weiße Haus verlassen, aber ich bin immer noch hier“, ulkte der Altpräsident. Zur Stelle waren auch Zehntausende von Demonstranten. Sie haben dem als „König George“ geschmähten Bush den strittigen Wahlsieg in Florida über seinen Kontrahenten Al Gore nicht verziehen.

          „Jail to the Thief“ (Gefängnis für den Dieb) hieß es zum Beispiel auf Protestplakaten in Abwandlung der Präsidenten-Hymne „Hail to the Chief“. Andere machten auf Transparenten deutlich, wohin ihrer Ansicht nach die Wahlstimmen für Bush gehören: ins Klo. Wieder andere drückten sich noch klarer aus: Sie nannten ihren neuen Präsidenten in Sprechchören einen „Dorftrottel“. Dennoch war Washington eindeutig in Feststimmung - und fest in texanischer Hand.

          Washington in texanischer Hand

          Noch nie zuvor waren in der Bundeshauptstadt an einem einzigen Tag so viele Cowboyhüte und -stiefel zu sehen wie am Samstag. Das galt auch für die traditionelle Parade am Nachmittag. Auf der Teilnehmerliste dominierten texanische Gruppen von Marshalls bis hin zur Seitensattel-Organisation.

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