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Vereinigte Staaten : Evangelikaler Pastor überdenkt Absage von Koranverbrennung

  • Aktualisiert am

Pastor Terry Jones bei einer Erklärung Bild: dpa

Der evangelikale Pastor Terry Jones sorgt für Verwirrung: Zunächst sagte er nach internationalen Protesten die von ihm geplante Koranverbrennung am 11. September ab, nachdem sich auch Präsident Obama eingeschaltet hatte. Nun fühlt er sich belogen und will die Absage zurücknehmen.

          Nur wenige Stunden nach seiner Absage der Koran-Verbrennung am Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001 hat der amerikanische Pastor Terry Jones gedroht, die Entscheidung wieder rückgängig zu machen. „Wir könnten gezwungen sein, unsere Position zu überdenken“, sagte Jones am Donnerstag in Gainesville im amerikanischen Bundesstaat Florida. Grund ist die Weigerung eines Imams, einen Moschee-Bau in der Nähe von Ground Zero aufzugeben.

          Die evangelikale Gruppe Christian Dove World Outreach Center hatte angekündigt, am Samstag vor ihrem Gemeindehaus in Gainesville rund 200 Ausgaben des Korans zu verbrennen. Das Vorhaben hatte weltweit Empörung ausgelöst. Der amerikanische Präsident Barack Obama sprach von einer „destruktiven Geste“, die islamischen Fundamentalisten in die Hände spiele und Gewalt erzeugen könne. Verteidigungsminister Robert Gates warnte Jones in einem Telefongespräch am Donnerstag, die Aktion könne amerikanische Soldaten im Irak oder Afghanistan in Lebensgefahr bringen. Das amerikanische Außenministerium versetzte mehrere Botschaften aus Furcht vor Protesten von Muslimen in Alarmbereitschaft. Interpol warnte vor Terroranschlägen weltweit.

          „Keine Tauschgeschäfte“

          „Wir haben akzeptiert, auf das Ereignis zu verzichten, das wir am Samstag organisieren wollten“, sagte Jones am Donnerstag zunächst vor seiner Kirche in Gainesville. Er werde stattdessen am Samstag nach New York fliegen, um sich mit dem für das Moschee-Projekt verantwortlichen Imam zu treffen. „Wir fühlten, dass das ein Zeichen ist, das Gott von uns wollte. Das amerikanische Volk will keine Moschee dort, und natürlich wollen die Muslime nicht, dass wir den Koran verbrennen.“ Der Imam, der das New Yorker Vorhaben plant, dementierte umgehend, dass er das Vorhaben aufgeben wolle. „Ich bin froh, dass Pastor Jones entschieden hat, keine Koran-Exemplare zu verbrennen“, sagte der Geistliche Feisal Abdul Rauf dem Nachrichtensender CNN. „Wir werden aber nicht mit unserer oder irgendeiner anderen Religion Spielchen treiben, noch werden wir Tauschgeschäfte machen.“

          Terry Jones mit Imam Mohammed Musri bei einer gemeinsamen Erklärung in Gainesville

          Jones erklärte darauf, die Koran-Verbrennung sei nur „zeitweise“ ausgesetzt. „Wir sind wirklich enttäuscht und sehr geschockt.“ Wenn es stimme, dass das Moschee-Projekt nicht gestoppt werde, sei er belogen worden. Er machte dafür den in Orlando ansässigen Imam Mohammed Musri verantwortlich, der als Vermittler aufgetreten war und mit Jones bei der Absage der Koran-Verbrennung mit vor die Kameras getreten war. Musri sagte später, das einzige, was er Jones zugesagt habe, sei ein Treffen mit Rauf in New York. Es habe keine Zusage gegeben, „dass das Projekt örtlich verlegt oder abgesagt wird“. Das muslimische Gemeindezentrum soll zwei Blocks entfernt vom Standort des zerstörten World Trade Center (Ground Zero) entstehen. Die Pläne haben in den Vereinigten Staaten einen Ausbruch antimuslimischer Ressentiments geschürt, in Umfragen lehnt eine Mehrheit der Bürger zwei Monate vor den Kongresswahlen den Bau ab.

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