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Tunesien : Mehr als 20 Verdächtige nach Anschlag festgenommen

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Ein Mitglied tunesischer Sondereinsatzkräfte bewacht den internationalen Flughafen in Tunis Bild: AFP

Bei einer landesweiten Razzia hat die tunesische Polizei mehrere Personen festgenommen. Sie sollen mit dem tödlichen Anschlag auf das Bardo-Museum zu tun haben, bei dem am Mittwoch 21 Menschen starben. Offenbar war das Museum kaum bewacht gewesen.

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          Wenige Tage nach dem tödlichen Anschlag auf ausländische Touristen in Tunis haben die tunesischen Behörden bei einer landesweiten Razzia mehr als 20 Verdächtige festgenommen. Zehn seien vermutlich direkt in den Angriff auf das Nationalmuseum von Bardo verwickelt, sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Samstag. „Dies ist eine großangelegte Kampagne gegen die Extremisten.“ Berichten zufolge sind unter den Festgenommenen auch mehrere Familienangehörige eines der Attentäter, Jabeur Khachnaoui.

          Anschlag in Tunesien : Überwachungskameras zeigen Museums-Attentäter

          Ein Bruder des zweiten Attentäters, Yassine Laabidi,  zeigte sich im Interview mit der Nachrichtenagentur AFP schockiert über die Tat seines Bruders. „Er liebte das Leben, umgab sich gerne mit Freunden und seiner Familie“, sagte der Mann. Nach Erkenntnissen der Behörden geriet der aus einer gutbürgerlichen Familie stammende 27-Jährige unter den Einfluss von Islamisten, wurde gemeinsam mit Khachnaoui in einem Terrorcamp in Libyen ausgebildet.

          Derweil gedachten Hunderte Tunesier in einer Kathedrale von Tunis der Opfer. Bei dem Anschlag waren am Mittwoch 20 ausländische Touristen und drei Tunesier ums Leben gekommen. Die Miliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich zu der Tat, doch es finden sich auch Hinweise auf einen tunesischen Al-Qaida-Ableger.

          Unterdessen haben die Ermittler die Identität aller 21 Todesopfer festgestellt. Bei dem letzten bislang noch nicht identifizierten Opfer handele es sich um eine Russin, die seit Jahren in Italien gelebt habe. Bei dem Attentat wurden unter anderem Touristen aus Italien, Japan, Frankreich, Spanien und Polen getötet.

          Nach dem Anschlag auf das Bardo-Nationalmuseum in Tunis mit 21 Toten hat Präsident Béji Caïd Essebsi Sicherheitsmängel eingeräumt. „Es gab Defizite“, sagte Essebsi dem französischen Magazin „Paris Match“ am Samstag. Polizei und Geheimdienste seien „nicht systematisch genug“ vorgegangen, um die Sicherheit des Museums zu gewährleisten. Zugleich betonte er aber, dass die Sicherheitskräfte „sehr effektiv reagiert“ und dem Anschlag schnell ein Ende bereitet hätten. Dadurch seien dutzende weitere Todesopfer verhindert worden, da die Attentäter ihre Sprengstoffwesten nicht mehr hätten zünden können.

          Ein ranghoher tunesischer Politiker hatte am Freitag erklärt, dass die Wachmänner, die das Museum und das nahegelegene Parlament schützen sollten, zum Zeitpunkt des Anschlags nicht auf ihren Posten waren. Von vier Polizisten seien zwei in einem Café gewesen, der dritte habe sich etwas zu essen geholt und der vierte sei gar nicht zum Dienst erschienen.

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