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Verdacht auf sexuellen Missbrauch : Vorermittlungsverfahren gegen Bischof Mixa

  • -Aktualisiert am

Bild: reuters

Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt hat nach Angaben des bayerischen Justizministeriums Vorermittlungen wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger gegen Bischof Walter Mixa eingeleitet.

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          Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt hat Vorermittlungen gegen den Bischof von Augsburg, Mixa, wegen des Verdachts sexueller Übergriffe auf Minderjährige aufgenommen. Dieser hat die Vorwürfe am Freitag bestritten. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat das Bistum Augsburg die Staatsanwaltschaft zu Beginn dieser Woche über entsprechende Vorwürfe in Kenntnis gesetzt. Wegen der öffentlichen Stellung des Beschuldigten wurde auch die Münchner Generalstaatsanwaltschaft informiert.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Zuvor waren dem für Fälle sexuellen Missbrauchs in der Diözese Augsburg zuständigen Arbeitsstab Hinweise zugetragen worden, die diesen Schritt nach den Leitlinien der katholischen Kirche unausweichlich machten. Mixa hatte Papst Benedikt XVI. schon in der vorvergangenen Woche den Amtsverzicht angeboten. Dem 67 Jahre alte Geistlichen wurde zu diesem Zeitpunkt vorgehalten, als Stadtpfarrer von Schrobenhausen Kinder geschlagen und Geld einer Waisenhausstiftung veruntreut zu haben.

          Die Zuständigkeit der Staatsanwaltschaft Ingolstadt deutet darauf hin, dass sich die Vorwürfe gegen den Bischof auf den Zeitraum zwischen 1996 und 2005 beziehen. 1996 war der gebürtige Oberschlesier von Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Eichstätt ernannt worden. Die Versetzung aus dem Bistum Eichstätt in die größere Diözese Augsburg im Sommer 2005 war die erste Bischofsernennung in Deutschland, die Papst Benedikt XVI. vornahm.

          Der Höhepunkt einer Serie von Mutmaßungen

          Benedikt XVI. hatte sich am Freitag vergangener Woche in einem Gespräch mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Zollitsch, dem Münchner Erzbischof Marx und dem Augsburger Weihbischof Losinger ein Bild von den Umständen gemacht, die Mixa veranlasst hatten, um Amtsverzicht nachzusuchen. Dabei kam dem Vernehmen nach auch der Verdacht sexueller Übergriffe zur Sprache. Gemeinsam mit unübersehbaren Hinweisen auf übermäßigen Alkoholgebrauch bildet der Verdacht sexueller Übergriffe den Höhepunkt einer Serie von Mutmaßungen über einen eines Geistlichen unwürdigen Lebensstil, in die sich Mixa durch Leugnen und Eingeständnisse immer tiefer verstrickt hat.

          Angesichts des Schadens, den die Kirche zu nehmen drohte, brachen Zollitsch und Marx am Mittwoch vorvergangener Woche ein Tabu und forderten Mixa öffentlich auf, sein Amt ruhen zu lassen. Sie taten dies im Einvernehmen mit dem Kölner Kardinal Meisner, der 1996 zusammen mit dem damaligen Bischof von Fulda, Dyba, maßgeblich dazu beigetragen hatte, dass Mixa Eichstätter Bischof wurde. Mixas erster Versuch, Bischof zu werden, war 1993 am Widerstand des Augsburger Domkapitels und des damaligen Nuntius Lajos Kada gescheitert.

          Über die Vorhaltungen gegen den früheren Schrobenhausener Stadtpfarrer, die in den vergangenen Wochen laut wurden, war dem Domkapitel zu Beginn der neunziger Jahre nach Aussage eines Zeitzeugen nichts bekannt. Der Ernennung Mixas zum Militärbischof im Herbst 2000 wie auch der Beförderung nach Augsburg fünf Jahre später standen offenbar keine in der Lebensführung wurzelnde Gründe entgegen.

          Nach der Bitte um Amtsverzicht, an deren Formulierung Mixa selbst mitwirkte, begab sich dieser am Donnerstag vorvergangener Woche in eine Schweizer Klinik. Von dort aus hielt er Kontakt mit Vertrauten und wurde von diesen auf dem Laufenden gehalten. Die Einflussnahme auf den psychisch wie physisch labilen Mann ging so weit, dass Zollitsch und Marx vor wenigen Tagen in die Schweiz reisten, um Mixa davon abzuhalten, an die Öffentlichkeit zu gehen und womöglich seine Bitte um Amtsverzicht zurückzuziehen. Jetzt ist damit zu rechnen, dass Papst Benedikt den Amtsverzicht Mixas binnen kurzem annehmen wird.

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