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Vatikan : "Vielleicht ist sogar in Polen einer . . ."

König hoffte, daß Johannes Paul II. an das Pontifikat Johannes XXIII. anknüpfen werde, an den Papst, der bei seiner Wahl kein fertiges Programm hatte und sich statt dessen seinem frommen, aber sehr menschlichen Gespür überließ. Der neue Papst enttäuschte ihn nicht. "Ich hatte ihn als einen sympathischen, lebendigen, modernen Bischof unserer Zeit kennengelernt", sagt König, "aber zugleich als einen sehr frommen, tief religiösen Mann." Beides konnte nun alle Welt erleben und bald noch viel mehr: "Seiner Art nach war er ein Sanfter, viele haben erst nachher gemerkt, was er im Sinn hatte." Denn der neue Papst hatte nicht nur Charisma, sondern auch ein Programm, das er nach und nach entfaltete: "Der Weg der Kirche ist der Weg des Menschen."

Gespräch mit den nichtchristlichen Religionen

Da stand also einer an der Spitze der katholischen Kirche, der nicht von steriler Dogmatik und spitzfindigem Kirchenrecht geprägt war, sondern ein Papst, der den überlieferten Glauben mit zeitgenössischer, personalistischer Philosophie versöhnte. "Menschenrechte, Menschenwürde, Freiheit und Gleichheit", das sind in den Worten des Wiener Kardinals die Schlüsselkategorien des Pontifikats. Und Dialog, das Gespräch mit den nichtchristlichen Religionen, die Ökumene. Zu alldem hatte der Vatikan einen Mann besonders in den Dienst genommen: Kardinal König. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg hatte König ein Buch veröffentlicht, das für damalige Verhältnisse einer Sensation gleichkam. Der Titel: "Christus und die Religionen der Erde". Während des Konzils leitete König das wohl erste Gespräch zwischen Repräsentanten des Christentums und der großen Weltreligionen. Es fand 1964 während des Eucharistischen Weltkongresses in Bombay statt. Wenige Monate später hielt König, der zahlreiche Sprachen spricht, darunter Arabisch und Persisch, als erster Repräsentant der katholischen Kirche an der islamischen Al-Azhar-Moschee in Kairo einen Vortrag. Sein Thema: "Das Christentum und der Islam. Was ist gemeinsam, und worin liegen die Unterschiede?"

Fast scheint es so, als sei das Wirken des österreichischen Kardinals eine Blaupause für das Pontifikat Johannes Pauls II. gewesen. Aber davon will König nichts wissen. "Ich war mit ihm eines Sinnes, oder vielmehr er eines Sinnes mit mir." Ein intensiver, persönlicher Kontakt während des Pontifikats ergab sich freilich nicht. Schon 1980, zwei Jahre nach dem Amtsantritt von Johannes Paul II., erreichte König die bischöfliche Altersgrenze von 75 Jahren. Es war aber mehr als eine Geste der Anerkennung, daß der Papst seinen Rücktritt vom Amt des Erzbischofs von Wien erst fünf Jahre später, 1985, annahm. König lebt noch heute in Wien, inzwischen 98 Jahre alt, gerade von einem schweren Sturz genesen, aber nach wie vor geistig frisch.

Vieles ist unvollendet

König spart nicht mit Lob für all die Texte und Dokumente, die der Papst selbst verfaßt hat: "Seine Dokumente sind in der Regel sehr gute Dokumente", sagt der Kardinal - was von den Verlautbarungen der vatikanischen Behörden nicht unbedingt zu sagen ist. Doch wo viel Licht ist, da gibt es auch Schatten. "Der Papst hat vieles in Bewegung gesetzt, hat vieles erreicht, aber vieles auch unvollendet, bruchstückhaft liegengelassen", sagt König. So hat er nicht die Macht der von Juristen dominierten Kurie eingedämmt, nicht dem immer stärker werdenden Zentralismus Einhalt geboten, keine Balance zwischen Einheit und Vielfalt in der Kirche gefunden. Ohne Antwort geblieben sind für König auch die quälenden Fragen nach der Stellung der Frau in der Kirche, dem Zusammenwirken von Papst und Bischofskollegium bei der Leitung der Kirche, vor allem aber die Kernfrage jeder Ökumene, die nach der Ausübung des Primats des Bischofs von Rom - für jeden Nachfolger eine "ungeheure Last", sagt König voraus.

Daß zur Reform der Kirche gar ein neues Konzil sinnvoll sei, glaubt er nicht. "Man könnte vieles tun, um aus der Sackgasse herauszukommen", sagt der Kardinal. Um so nachdenklicher stimmt es ihn, daß es im Kreis der Kardinäle und der Bischöfe keine Gruppen gibt, die sich dieser Themen annehmen - wäre nicht auch das eine Anerkennung für das fünfundzwanzigjährige Wirken von Papst Johannes Paul II.?

Im Kardinalskollegium

Am 3. August 1905 wurde Franz König in Niederösterreich geboren - als Bauernbub und ältestes von neun Kindern. Nach dem Abitur auf dem Stiftsgymnasium Melk wandte er sich den Naturwissenschaften, Sprachen, der Philosophie und der Theologie zu. Die Priesterweihe empfing er 1933 in Rom, als Alumne des Collegium Germanicum et Hungaricum. In den folgenden Jahren verband er seine wissenschaftlichen Interessen mit verschiedenen Tätigkeiten als Seelsorger, unter anderem für Kriegsgefangene. 1956 ernannte ihn Papst Pius XII. zum Nachfolger von Kardinal Innitzer auf dem erzbischöflichen Stuhl zu Wien. Zwei Jahre später erhob ihn der neugewählte Papst Johannes XXIII. in den Kardinalsstand. 1965 vertraute Papst Paul VI. dem Wiener Kardinal, der sich mit vielen Reisen hinter den Eisernen Vorhang und Kontakten zu Repräsentanten der Weltreligionen einen Namen gemacht hatte. die Leitung des neugeschaffenen "Sekretariats für die Nichtgläubigen" an. Dieses Amt hatte er bis zur Vollendung seines 75. Lebensjahres inne, blieb aber auf Wunsch von Papst Johannes Paul II. noch weitere fünf Jahre, bis 1985, Erzbischof von Wien. Heute lebt König, 98 Jahre alt, in einem Altersheim seiner Bischofsstadt. Er ist das zweitälteste Mitglied im Kardinalskollegium und der einzige in diesem Kreis, der in dieser Eigenschaft schon am Zweiten Vatikanischen Konzil teilgenommen hat. (D.D.)

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