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Vatikan : „Schlimmer als der 11. September"

  • Aktualisiert am

Papst Johannes Paul II: Von Krankheit gezeichnet und betrübt über den Krieg im Irak Bild: dpa/dpaweb

Der Mißbrauch irakischer Gefangener durch amerikanische Soldaten hat für die Vereinigten Staaten nach Ansicht des Vatikans gravierendere Folgen als die Anschläge im Jahre 2001.

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          Der Mißbrauch irakischer Gefangener durch amerikanische Soldaten ist für die Vereinigten Staaten nach Einschätzung des Vatikans ein größerer Schlag als die Anschläge vom 11. September 2001.

          Der Skandal um die Mißhandlungen heize den Haß der Araber gegen den Westen und vor allem gegen die Christenheit an, sagte der Außenminister des Vatikans, Erzbischof Giovanni Lajolo der Tageszeitung „La Repubblica“:„ Sie sind ein größerer Schlag für Amerika als der 11. September. Der Punkt ist, daß dies nicht von Terroristen herbeigeführt wurde, sondern von Amerikanern gegen sich selbst.“ Der Folter-Skandal mache es umso wichtiger, daß die Vereinten Nationen im Irak eingriffen und die Amerikaner so schnell wie möglich die Macht an die Iraker übergäben.

          Bush trifft den Papst

          Der amerikanische Präsident George W. Bush trifft am 4. Juni bei einem Italien-Besuch auch mit Papst Johannes Paul II. zusammen. Nach Worten des italienischen Europaministers Rocco Buttiglione, einem engen Berater des Papstes, will das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche Bush bei dem Treffen darum bitten, sich entschlossener für eine Bestrafung der verantwortlichen Soldaten einzusetzen.

          Italien zählt zu den engsten Verbündeten der Amerikaner im Irak-Krieg und unterstützt den Wiederaufbau des Landes mit 2.700 Soldaten vor Ort. Buttiglione gestand in einem Interview mit der Zeitung „Il Tempo“ Zweifel an der Richtigkeit des Irak-Krieges ein. „In der Tat, ich habe keine Probleme zu sagen, daß es vielleicht ein Fehler war", sagte er.

          Trierer Bischof warnt vor Radikalisierung in islamischer Welt

          Die Folter-Bilder aus dem Irak werden auch nach Ansicht des Trierer Bischofs Reinhard Marx „verheerende Wirkungen“ in der islamischen Welt haben. Sie bedeuteten dort „eine Provokation, wie man sie sich schlimmer nicht vorstellen kann“, sagte Marx dem „Rheinischen Merkur“. Ein solche Demütigung leite „Wasser auf die Mühlen, die in Richtung Radikalisierung gehen“.

          Angesichts der Bilder sehe er die Skepsis des Papstes und der katholischen Kirche gegen den Irak-Krieg bestätigt. Krieg führe zu unkontrollierbaren Folgen, und viele Soldaten „verlieren alle Hemmungen, gerade in einem solchen Szenario wie im Irak“. Zuvor hatte der Zentralrat der Muslime in Deutschland angesichts der Folter-Bilder sogar vor einem Kampf der Kulturen gewarnt.

          Auch Zentralrat der Muslime nach Folter-Bildern

          Der Vorsitzende des Zentralrats, Nadeem Elyas, hatte dazu aufgerufen, eine Konfrontation zwischen moslemischer und westlicher Welt zu vermeiden. „Wir müssen gemeinsam dafür sorgen, daß solche Taten, wie schlimm sie auch sind, nicht dazu führen, dass sich hier zwei Fronten bilden“, sagte er der Deutschen Welle am Dienstagabend. Angesichts der Folterungen fühlten sich die Moslems als ganze Gruppe entwürdigt. „Jede dieser Taten bringt uns einer solchen Konfrontation näher“, warnte er.

          Unterdessen entschuldigte sich der Historiker Michael Wolffsohn für seine Äußerungen, wonach Folter im Kampf gegen den Terrorismus ein legitimes Mittel sein könne. Es sei ihm offenbar nicht gelungen, seine moralische Verurteilung von Racheakten und Folterungen zweifelsfrei zu verdeutlichen, sagte er am Dienstag abend mehreren Fernsehsendern. Zuvor waren aus den Reihen der SPD erste Forderungen nach Entlassung des Professors der Bundeswehr-Universität München laut geworden.

          Der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises in der SPD und Verteidigungsexperte Johannes Kahrs hatte die Äußerungen „schockierend“ genannt. Dies sei ein „grober Verstoß“ gegen die Sorgfaltspflicht und Verantwortung eines Hochschullehrers. Solle Wolffsohn nicht zurücktreten, müsse ihn Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) entlassen.

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