https://www.faz.net/-gpf-16jms

Vatikan : Papst entlässt Mixa aus Bischofsamt

  • Aktualisiert am

Mixa hatte dem Papst am 21. April seinen Rücktritt angeboten Bild: dpa

Papst Benedikt XVI. hat das Rücktrittsgesuch des Augsburger Bischofs angenommen. Mixa war wegen Gewaltvorwürfen und einem Missbrauchsverdacht unter Druck geraten. Das Augsburger Bistum wird nun vorläufig von Weihbischof Josef Grünwald geleitet.

          2 Min.

          Papst Benedikt XVI. hat den von Augsburgs Bischof Walter Mixa angebotenen Rücktritt angenommen. Das Oberhaupt der katholischen Kirche habe das Rücktrittsgesuch Mixas „gemäß Artikel 401, Paragraph 2 des kanonischen Rechts“ angenommen, erklärte der Vatikan am Samstag. Dieser Paragraph sieht den verfrühten Ruhestand eines Geistlichen wegen Krankheit oder „anderer schwerwiegender Gründe“ vor dem 75. Lebensjahr vor. Der Papst entband Mixa auch von seinem Amt als Militärbischof. Im Jahr 2005 hatte Benedikt XVI. Mixa zum Bischof von Augsburg ernannt.

          Nach wochenlanger Kritik und Gewaltvorwürfen früherer Heimkinder hatte Mixa am 21. April dem Vatikan seinen Rücktritt angeboten. Am Freitag war außerdem bekanntgeworden, dass die Staatsanwaltschaft Ingolstadt Vorermittlungen wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch gegen Mixa eingeleitet hat. Ein Bischof kann seinen Rücktritt nur anbieten, der Papst muss dem Schritt zustimmen. Benedikt hatte am 29. April mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, im Vatikan über den Fall Mixa beraten.

          Zollitsch: „Papst schafft notwenige Klarheit“

          Für diese Privataudienz nach Rom wurde Zollitsch begleitet von dem Vorsitzenden der Freisinger Bischofskonferenz, Erzbischof Reinhard Marx, und dem Augsburger Weihbischof Anton Losinger. Diese Begegnung, die vor dem Bekanntwerden neuer Vorwürfe gegen Mixa angesetzt war, dürfte den Grundstein für die Annahme des Gesuchs gelegt haben. Damit hat Benedikt vergleichsweise rasch gehandelt - in der Vertuschungsaffäre des irischen Missbrauchsskandals dauerte es teilweise Monate, bis der Papst Rücktrittsgesuche schließlich annahm.

          Zollitsch sagte: „Die zügige Entscheidung des Papstes schafft die notwendige Klarheit.“ Sie gebe allen Beteiligten die Chance zum Neuanfang. „Die Vorgänge der letzten Zeit haben das gesamte Bistum Augsburg und auch die katholische Kirche in Deutschland sehr belastet“, sagte der Freiburger Erzbischof. Der Verlust der Glaubwürdigkeit wiege schwer. Umso wichtiger sei es, den eingeschlagenen Weg der Erneuerung fortzusetzen. Zollitsch dankte außerdem Mixa „für die Impulse, die er als Priester und Bischof gegeben hat“. Er wünsche ihm für die Zukunft „Gottes stärkende Nähe und Hilfe“.

          Diözese Augsburg vor Neuanfang

          Das Augsburger Bistum wird nun vorläufig von Weihbischof Josef Grünwald geleitet. Das Domkapitel der Diözese Augsburg wählte Grünwald am Samstagnachmittag zum sogenannten Diözesan-Administrator, wie das Ordinariat mitteilte. Grünwald wird bis zu einer Neubesetzung des Bischofsstuhls in Augsburg die Diözese leiten. Er hat den bisherigen Generalvikar der Diözese, Domkapitular Karlheinz Knebel, zum seinem Vertreter bestellt. „Wir sind an einem Neuanfang, den wir gemeinsam versuchen müssen“, sagte Generalvikar Karlheinz Knebel.

          Die Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“ reagierte mit Erleichterung auf die Annahme von Mixas Rücktrittsgesuch durch den Papst. Durch das lange Taktieren des Bischofs sei ein Ansehens- und Glaubwürdigkeitsverlust der katholischen Kirche weit über das Bistum hinaus entstanden, erklärte die Organisation am Samstag. Um dieses nicht noch zu vergrößern, müssten alle Vorwürfe umfassend und möglichst schnell aufgeklärt werden. Dabei dürfe es „keinen Bischofs-Bonus geben“, auch wenn zunächst von der Unschuldsvermutung auszugehen sei.

          Weitere Themen

          Kein Ende der Krise in Sicht

          Katalonien-Konflikt : Kein Ende der Krise in Sicht

          Die teils gewaltsamen Proteste in Barcelona und Katalonien halten an. Seit Freitag wurden nach Behördenangaben mehr als 180 Menschen verletzt, es gab 80 Festnahmen. Die Sicherheitskräfte sind überfordert.

          Topmeldungen

          Berlin regelt das Wohnen neu.

          Mietendeckel und mehr : Vermieter, hört die Signale!

          Was der rot-rot-grüne Senat in Berlin ausgeheckt hat, ist der wohl drastischste Eingriff in die deutsche Eigentumsordnung seit Jahrzehnten.

          Zukunft der Menschheit : Eine Batterie für alles!

          Mit einem Handy fing alles an, inzwischen geben Autohersteller jährlich dutzende Milliarden dafür aus: Lithium-Ionen-Akkus treiben heute zahllose Geräte an. Die größte Zeit der Batterien steht aber noch bevor.

          Bundesliga im Liveticker : Ausgleich für Hertha

          Nach dem Wiederanpfiff treffen die Bayern zuerst: Serge Gnabry schließt ab wie einst sein Lehrmeister Arjen Robben. Auch Leipzig führt. Die Hertha gleicht in Bremen aus. Verfolgen Sie die Spiele im Liveticker.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.