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Vatikan : „Homosexuelle Beziehungen verstoßen gegen das Sittengesetz“

  • Aktualisiert am

Homosexuelle Neigung „objektiv ungeordnet” Bild: AP

Der Vatikan hat die Homo-Ehe als unmoralisch und als schwere Bedrohung für die Gesellschaft verurteilt und katholische Politiker zum Widerstand gegen entsprechende Gesetze aufgerufen.

          Der Vatikan hat am Donnerstag eine Kampagne gegen eheähnliche Partnerschaften von Homosexuellen gestartet und katholische Politiker in aller Welt aufgefordert, solche „zutiefst unmoralischen“ Beziehungen nicht zu unterstützen. Die katholische Deutsche Bischofskonferenz hat das Vatikan-Dokument ausdrücklich begrüßt. Mit scharfer Kritik reagierten Homosexuelle.

          Die Glaubenskongregation veröffentlichte dazu auf zwölf Seiten Richtlinien, die Politiker bei Entscheidungen leiten sollen. Der Vatikan versucht damit, der wachsenden Zahl an Gesetzen in europäischen und nordamerikanischen Staaten entgegenzutreten, die gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften verbindliche Rechte geben. „Es gibt keinerlei Fundament dafür, zwischen den homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinn.

          „Die Ehe ist heilig“

          Die Ehe ist heilig, während die homosexuellen Beziehungen gegen das natürliche Sittengesetz verstoßen.“ Homosexuelle Handlungen seien in keinem Fall zu billigen, heißt es in der Erklärung der Kongregation für die Glaubenslehre mit dem Titel „Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen“.

          Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, sagte am Donnerstag in Bonn, Homosexuelle dürften nicht diskriminiert werden. Homosexuellen sei mit „Achtung und Takt zu begegnen“. Die Legalisierung Ehe-ähnlicher homosexueller Partnerschaften füge dem Allgemeinwohl aber schweren Schaden zu.

          „Dokument eines engstirnigen Fanatismus“

          Als ein „Dokument eines engstirnigen Fanatismus“ bezeichnete der Grünen-Politiker Volker Beck die Vatikan-Erklärung: „Es ist ein Kardinalfehler, die Liebe zu bekämpfen.“ FDP-Chef Guido Westerwelle erklärte: „Wenn die katholische Kirche mehr auf ihre Gläubigen hören würde und auf das, was sich in der Gesellschaft entwickelt, bin ich sicher, ginge es ihr auch besser.“ Die Aufforderung der Glaubenskongregation an katholische Politiker sei ein „Beitrag aus einem völlig überholten Gesellschaftsbild“. Vergleichbar sei ein Verbot von Kondomen, sagte Westerwelle.

          Der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionschef Wolfgang Bosbach sagte, die Vatikan-Erklärung komme für ihn nicht überraschend. Die katholische Kirche habe sich ja bereits zuvor gegen die Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften mit der Ehe gewandt. Für Politiker sei der Umgang damit eine Gewissensentscheidung. „Ich gehe davon aus, daß jeder katholische Abgeordnete die Worte des Heiligen Vaters bei seiner Entscheidungsfindung berücksichtigen wird“, sagte Bosbach, der selbst katholisch getauft ist.

          Auf Amerika gezielt

          Die Aussagen des Papstes zielen auch auf die Vereinigten Staaten, wo derzeit von einigen Kongreßabgeordneten Gesetze vorgeschlagen werden, die darauf zielen, die von Einzelstaaten erlassenen Vorschriften zur Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften wieder außer Kraft zu setzen. Präsident George W. Bush erklärte dazu am Mittwoch, er betrachte die Ehe als Gemeinschaft von Mann und Frau und wolle dies „auf die eine oder andere Weise festgelegt“ haben.

          Der Vatikan spricht sich in dem Dokument auch entschieden dagegen aus, daß gleichgeschlechtliche Paare Kinder adoptieren dürfen. Dies wäre „schwerwiegend unsittlich“. Kindern würde in solchen Fällen Gewalt angetan. Gleichgeschlechtlichen Paaren fehlten „die Erfahrung der Mutterschaft oder der Vaterschaft“, heißt es. „Das Einfügen von Kindern in homosexuelle Lebensgemeinschaften durch die Adoption bedeutet faktisch eine Vergewaltigung dieser Kinder in dem Sinn, daß man ihren Zustand der Bedürftigkeit ausnützt, um sie in ein Umfeld einzuführen, das ihrer vollen menschlichen Entwicklung nicht förderlich ist“, erklärt der Vatikan.

          „Nicht nur im Gegensatz zum Glauben“

          Und er sieht dies nicht nur im Gegensatz zum Glauben in der katholischen Kirche, sondern auch zu Beschlüssen der Vereinten Nationen, die das Wohl des Kindes obenan stellten. Nach Ansicht der Glaubenskongregation sind ihre Überlegungen, da sie „das natürliche Sittengesetz“ betreffen, nicht nur für die Gläubigen wichtig, sondern für alle Menschen, „die sich für die Förderung und den Schutz des Gemeinwohls der Gesellschaft einsetzen.“

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