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Vatikan : Benedikt XVI. eröffnet „Jahr des Glaubens“

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Mit „authentischem Geist“ will er die „Wahrheit und Schönheit des Glaubens“ erstrahlen lassen: Papst Benedikt XVI. Bild: dpa

50 Jahre nach Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils fordert der Papst die Rückkehr zu den dort beschlossenen Grundsätzen. Ein "Jahr des Glaubens“ soll dazu motivieren.

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          Papst Benedikt XVI. hat am Donnerstag in Rom die katholische Christenheit aufgerufen, zu den Texten des Zweiten Vatikanischen Konzils zurückzukehren, um ihren „authentischen Geist“ für die Neuevangelisierung in der heutigen „geistlichen Verwüstung“ und „Leere“ zu nutzen. Mit einer Messe auf dem Petersplatz eröffnete der Papst 50 Jahre nach Beginn des Konzils ein „Jahr des Glaubens“. Um die Bedeutung jenes Konzils hervorzuheben, erinnerte der Einzug der gut 260 Bischöfe, die jetzt an der Synode zur Neuevangelisierung teilnehmen, an die Eingangsprozession der Konzilsväter 1962 in St. Peter. Unter ihnen befanden sich 14 Bischöfe, die schon 1962 dabei waren.

          In seiner Predigt erinnerte der Papst, der selbst Teilnehmer des Konzils war, an die damalige „bewegende innere Spannung angesichts der gemeinsamen Aufgabe, die Wahrheit und Schönheit des Glaubens im Heute erstrahlen zu lassen“. Damit der innere Antrieb zur neuen Evangelisierung jetzt nicht in Verwirrung ende, sollten die Dokumente jenes Konzils „konkrete und präzise“ Grundlage sein. Die Bezugnahme auf jene Dokumente „schützt vor den Extremen anachronistischer Nostalgien einerseits und einem Vorauseilen andererseits und erlaubt, die Neuheit in der Kontinuität zu erfassen“, sagte der Papst, der sich damit sowohl von den traditionalistischen Schismatikern in der Piusbruderschaft als auch von modernistischen Strömungen in der Kirche absetzte.

          Am Anfang steht die Selbstevangelisierung

          Das Zweite Vatikanum habe sich „nichts Neues ausgedacht; noch hat es Altes ersetzen wollen“, sagte Benedikt weiter. Es habe sich vielmehr bemüht, dass derselbe Glaube „in einer sich verändernden Welt weiterhin ein gelebter Glaube sei. Wir müssen dem Heute der Kirche treu sein, nicht dem Gestern oder dem Morgen.“ Die katholische Reformbewegung „Wir sind Kirche“ forderte unterdessen in Rom, das „Jahr des Glaubens“ müsse auch ein „Jahr des Dialogs werden“. Die Anstöße des Konzils müssten „endlich verwirklicht werden“.

          Der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner sagte dieser Tage in Rom, die Neuevangelisierung müsse zunächst eine „Selbstevangelisierung“ sein, die „bei uns Geistlichen anfangen“ müsse. Er bete immer wieder: „Herr erneure meine Kirche, aber fang bei mir an.“ Meisner, der wie Kardinal Ratzinger am Konzil teilgenommen hatte, kritisierte, dass viele Ordensleute und Geistliche Zivilkleidung trügen und ihre Berufung nicht zeigten. Die Liturgie sei oft längst keine Feier der Mysterien jenseits von Raum und Zeit mehr.

          Weltjugendtag als Beispiel für begeisterten Glauben

          Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sagte in Rom, das „Jahr des Glaubens“ solle eine „Motivation für den Glauben“ werden, und forderte wie der Papst eine stärkere Besinnung auf die Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils: „Das Jubiläum ist eine Einladung, den Schatz des Konzils neu zu heben.“ Der Erzbischof von Washington, Kardinal Donald Wuerl, sagte im Synodenplenum, die Auswirkungen der wachsenden Säkularisierung wirkten wie ein „Tsunami“, der traditionelle Werte wie Ehe, Familie und Gemeinwohl wegfege. Mangelnde Unterweisung in der christlichen Lehre habe in der ersten Welt zum „dramatischen Rückgang der Glaubenspraxis der Getauften“ geführt.

          Im Ausblick auf die nächsten Weltjugendtage Ende Juli 2013 in Rio de Janeiro sagte Kurienbischof Josef Clemens dieser Zeitung, der Weltjugendtag sei stets „ein Erlebnis der Selbstevangelisierung, bei dem man Gleichaltrige aus vielen Ländern erlebt, die unbefangen singen und beten, die ohne Vorbehalte über ihren Glauben natürlich und begeistert sprechen können. Das steckt an“. Bischof Clemens, der früher Privatsekretär von Kardinal Ratzinger war, war als einer der Geistlichen genannt worden, die den vergangene Woche wegen des Diebstahls vertraulicher Akten verurteilten einstigen päpstlichen Kammerdiener Paolo Gabriele beeinflusst haben sollen. Im Prozess fiel sein Name jedoch nicht. Nach seinen eigenen Worten verfügt er auch heute noch über einen engen persönlichen Kontakt zum Papst. Gabriele sei er nie begegnet, sagt Clemens.

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