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Valdas Adamkus : Vermittler

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Gleich zwei wegweisende Aufgaben in einer Woche, die die politische Stabilität seines Landes und die Mittelosteuropas beeinflussen können, warten auf ihn. In Vilnius (Wilna) wird Valdas Adamkus in den nächsten Tagen entscheiden müssen, ob er die neue Regierung bestätigt. Zuvor aber versucht er in Kiew gemeinsam mit dem polnischen Präsidenten Kwasniewski eine Lösung der politischen Krise in der Ukraine herbeizuführen.

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          Gleich zwei wegweisende Aufgaben in einer Woche, die die politische Stabilität seines Landes und die Mittelosteuropas beeinflussen können, warten auf ihn. In Vilnius (Wilna) wird Valdas Adamkus in den nächsten Tagen entscheiden müssen, ob er das von einer Koalitionsregierung vereinbarte Kabinett bestätigt, obwohl er gegen zumindest zwei Minister Vorbehalte haben soll. Wie er auch entscheidet, es wird sich auswirken auf das innenpolitische Klima Litauens. Und in Kiew setzte der litauische Präsident am Mittwoch seine Vermittlung fort zwischen Präsident, Regierung und Opposition. Der 78 Jahre alte Naturwissenschaftler und Umweltingenieur, der vor langjährigem Exil in den Vereinigten Staaten nahe Würzburg zur Schule ging und in München sein Studium begann, ist einer der vier internationalen Vermittler. Von ihnen mag nach Abbruch der Verhandlungen um die Macht in Kiew der Friede in der Ukraine abhängen, aber auch die Zukunft der Region.

          Es war kein Zufall, daß die Rivalen in der Ukraine darum baten, neben dem polnischen Präsidenten Kwasniewski, dem EU-Außenbeauftragten Solana und dem Generalsekretär der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Jan Kubis, möge auch Adamkus schlichten. Zum einen genoß er über Litauen hinaus Ansehen, schon bevor er vor wenigen Monaten zum zweitenmal zum Präsidenten gewählt wurde: Er vereint in seinem Lebensablauf Courage, Weltläufigkeit und Heimatnähe wie wenige. Zum anderen haben die drei baltischen Staaten, vor allem Litauen und Lettland, in den vergangenen Jahren eine immer stärkere Rolle eingenommen im Versuch, die Grenzländer zwischen Ost und West zu befrieden und der Demokratie näher zu bringen. Bisher galt das indes eher für Weißrußland denn für die Ukraine. Während beim Versuch, die demokratische Opposition in Weißrußland gegen den Diktator Lukaschenka zu einen, Vilnius und Riga eine herausragende Stellung einnahmen, hielten sie sich in der Ukraine bisher zurück: Das mag ein Vorteil sein bei der neuen Aufgabe, ebenso das im Verhältnis zu Lettland und Estland entspanntere Verhältnis zu Rußland und den Russen. Litauen betreibt eine Stabilisierung seiner großen Nachbarn im Süden, zumal es sich damit geopolitisch von seiner ehemaligen Besatzungsmacht Rußland weiter abzukoppeln strebt.

          Altersweise möglicherweise, aber nicht müde: Adamkus sieht seine Aufgabe als Präsident als "die Herausforderung eines Lebens" in einer Phase, in der nach dem Beitritt zur EU und zur Nato sein Land, für das er auch in seinen fast fünf Jahrzehnten Exil beharrlich kämpfte, grundlegend umgestaltet werden kann. Er wolle sehen, wie die Lebensqualität jeder Familie sich sichtbar verbessere. Seine Stellung in Litauen, die in den vergangenen Monaten nach ungewohnter Kritik an ihm angeschlagen schien, hat wieder gewonnen, nachdem der sozialdemokratische Ministerpräsident Brazauskas entgegen früheren Ankündigungen eine Koalition mit Linkspopulisten vereinbarte. Seitdem ist der Konservative Adamkus nach Umfragen wieder der vertrauenswürdigste Politiker seines Landes. Dazu mag beigetragen haben, daß Valdas Adamkus nach einer kurzen Phase ungewohnten Schweigens kraftvolle Worte sprach. So wies er die Äußerungen von Brazauskas, er werde als Regierungschef nur Verantwortung übernehmen für die Minister aus seiner Partei, als unverständlich und unannehmbar zurück.

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