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Usbekistan : Militär schlägt Aufstand blutig nieder

  • Aktualisiert am

Eskalation in Andischan: Auch dieses Kino wurde in Brand gesetzt Bild: AP

Die Lage in der usbekischen Stadt Andischan hat sich am frühen Freitag abend dramatisch verschärft. Das Militär hat nach Angaben von Augenzeugen den Aufstand blutig niedergeschlagen. Bis zu 50 Menschen seien ums Leben gekommen.

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          Die Lage in der usbekischen Stadt Andischan hat sich am frühen Freitag abend dramatisch verschärft. Das usbekische Militär hat nach Angaben von Augenzeugen einen Aufstand blutig niedergeschlagen.

          Aus gepanzerten Fahrzeugen hätten Soldaten während einer Demonstration von mehreren tausend Menschen in die Menge gefeuert, berichtete die usbekische Kriegsreporterin Galima Bucharbajewa aus Andischan. Ihrer Schätzung nach seien bis zu 50 Menschen ums Leben gekommen.

          Auch der Reporter Alexej Wolosewitsch bestätigte der Internetagentur Fergana.ru Schüsse auf die Menge. „In der Stadt brennen Autos. Nachdem das Militär das Feuer eröffnete, floh die Menge vom Platz“, berichtete er. Die Schüsse seien von einem mit Soldaten besetzten Lastwagen abgegeben worden, berichtete ein Korrespondent der Nachrichtenagentur Reuters. Einige Teilnehmer des Protestes forderten den Rücktritt von Präsident Islam Karimow.

          Tausende Menschen protestierten auch vor einem Gefängnis in Andischan - später eskalierte die Situation
          Tausende Menschen protestierten auch vor einem Gefängnis in Andischan - später eskalierte die Situation : Bild: AP

          Schüsse und Explosionen

          Der Militäreinsatz richtete sich vor allem gegen das von bewaffneten Aufständischen besetzte Gebäude der Gebietsverwaltung. Während des eine Stunde lang dauernden Angriffs seien aus dem Gebäude mehrere Explosionen zu hören gewesen, meldete Fergana.ru. Danach habe heftiger Regen begonnen. Bis auf einzelne Schüsse sei es ruhig geworden.

          Das Zentrum von Andischan sei inzwischen menschenleer. Die Unruhen in Andischan hatten sich an einem Prozeß gegen 23 örtliche Geschäftsleute entzündet. Ihnen wurde die Mitgliedschaft in der islamistischen Gruppierung Akryma zur Last gelegt.

          Bewaffneter Aufstand

          Schon am Mrgen war von einem bewaffneten Aufstand im Osten der zentralasiatischen Republik die Rede. Auch nach offiziellen Angaben wurden mindestens neun Menschen getötet und 34 weitere verletzt. „Militante Banden“ hatten in der Nacht zum Freitag ein Hochsicherheitsgefängnis in der Stadt Andidschan gestürmt und etwad zweitausend Häftlinge befreit. Anschließend lieferten sie sich Kämpfe mit Sicherheitskräften geliefert.

          Kirgistan schloß am Morgen die Grenze zu Usbekistan. Außerdem seien die Sicherheitskräfte entlang der Grenze und im Süden Kirgistans verstärkt worden, sagte eine Sprecherin der Grenztruppen. Die ost-usbekische Stadt Andischan liegt nur etwa 30 Kilometer von Kirgistan entfernt.

          Lage unter Kontrolle?

          Ein Sprecher des usbekischen Außenministeriums versicherte, die Lage sei unter Kontrolle. Die Aufständischen hätten das Gebäude der Regionalverwaltung in der 300.000-Einwohner-Stadt eingenommen und Autos, ein Kino und ein Theater in Brand gesetzt, sagte en Sprecher einer Menschenrechtsgruppe, die sich „Appelazia“ nennt. Der Korrespondent der Internetzeitung „Centrasia.ru“ meldete, wichtige Gebäude seien in den Händen der Aufständischen.

          Das usbekische Staatsfernsehen berichtete dagegen, Sicherheitskräfte hätten die Einnahme der von Demonstranten gestürmten Regionalverwaltung und des Sicherheitsdienstes verhindert. In einer Sondersendung hieß es, „bewaffnete Kriminelle“ hätten ein Militärquartier und eine Polizeiwache angegriffen und Waffen mitgenommen. Anschließend hätten sie das Hochsicherheitsgefängnis gestürmt und „eine Gruppe Gefangener befreit“.

          Ausländische Sender werden gestört

          Der Empfang der ausländischen Fernsehsender BBC und CNN wurde in Usbekistan unterbrochen; Musikvideos hätten die Nachrichtensendungen des russischen Senders NTV ersetzt; dies deutete auf Nervosität seitens der Behörden hin. Das staatliche usbekische Fernsehen hatte von den nächtlichen Zusammenstößen zwischen Aufständischen und Sicherheitskräften in der Stadt Andischan erst am späten Freitagvormittag berichtet.

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