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Usama Bin Ladin getötet : Anonym in Abbottabad?

Bild: reuters

Usama Bin Ladin fand sein Ende in einem nobel Anwesen rund hundert Kilometer nördlich Islamabads. Wer wusste vom Aufenthaltsort des Al-Qaida-Anführers? Pakistan hat nur dann eine Zukunft, wenn es nicht sympathisiert mit Terroristen.

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          Usama Bin Ladin fand sein Ende in Pakistan, in der Stadt Abbottabad, rund hundert Kilometer nördlich der Hauptstadt Islamabad gelegen. Er und einige Gefolgsleute lebten in einer großzügig angelegten Villa hinter hohen Mauern und Stacheldraht, nur wenige hundert Meter entfernt von der pakistanischen Militärakademie. Und die Behörden sollen wirklich nichts gewusst haben von der Anwesenheit des Anführers von Al Qaida auf pakistanischem Territorium?

          Das zu glauben fällt in der Tat schwer; es ist zumindest nicht auszuschließen, dass Elemente im Sicherheitsapparat Kenntnis hatten von dem Aufenthalt des Mannes, der 1998 zum Krieg gegen Amerika aufgerufen hat, in demselben Jahr Anschläge auf amerikanische Botschaften verüben ließ und dann 2001 Amerika selbst angreifen ließ. Es ist dieser Verdacht der Komplizenschaft, der die Regierung Obama dazu veranlasste, die pakistanische Führung im Dunkeln zu lassen. Für die wiederum ist die Kommandooperation an Peinlichkeit nicht zu übertreffen. Daran ändert auch die späte „Begeisterung“ für den Erfolg nichts.

          Das pakistanisch-amerikanische Verhältnis ist kompliziert, zwiespältig und darin ein Spiegel eines Landes, in dem der (militante) Islamismus Zulauf hat, auch im Militär und bei dessen geheimdienstlichen Ablegern. Im Kampf gegen den Terrorismus ist Pakistan Teil der Lösung, Opfer und Teil des Problems. Das ist der Grund, warum die Befriedung Afghanistans nicht ohne die entschlossene Bekämpfung von Taliban sowie von Al-Qaida-Ablegern und Helfern in Pakistan, in den Grenz- und Stammesgebieten, gelingen kann. Wenn die aber nach wie vor von Teilen des Geheimdienstes instrumentalisiert werden, dann ist „AfPak“ eine Kurzformel für garantierte, weil verschränkte Erfolglosigkeit.

          Präsident Obama hat die Drohnen-Angriffe gegen Ziele in Pakistan intensiviert, vermutlich mal mit, mal ohne Wissen der pakistanischen Führung. Er hat diese nie im Unklaren darüber gelassen, wie er vorgehen werde in einem Fall wie diesem. Präsident Zardari und Ministerpräsident Gilani sind schwach, bedrängt von radikalen Kräften. Aber sie müssen dennoch ihrer Bevölkerung klarmachen, dass Pakistan nur dann eine gedeihliche Zukunft hat, wenn es nicht offen oder verdeckt sympathisiert mit Islamisten und Terroristen, deren Ziel es ist, Unheil anzurichten und Länder zu destabilisieren. Nicht zuletzt Pakistan selbst.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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