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Pentagon teilt mit : Amerika zieht knapp 12.000 Soldaten aus Deutschland ab

  • Aktualisiert am

Amerikanische Soldaten in Bayern im März 2017 Bild: dpa

Präsident Trump sprach bislang von einer Retourkutsche. Verteidigungsminister Mark Esper begründet die Verlegung amerikanischer Truppen mit strategischen Erwägungen.

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          Das Pentagon will knapp 12.000 amerikanische Soldaten aus Deutschland abziehen – und damit deutlich mehr als bislang bekannt. Rund 6400 Soldaten sollen in die Vereinigten Staaten zurückgeholt werden, weitere 5600 sollen in andere Nato-Länder wie Italien und Belgien verlegt werden, kündigte Verteidigungsminister Mark Esper am Mittwoch in Washington an. Damit werde die „strategische Flexibilität“ der amerikanischen Streitkräfte erhöht, so Esper in einer Videokonferenz.

          Zudem sollen die beiden Oberkommandos für Europa (US Eucom) und Afrika (US Africom) aus Stuttgart abgezogen werden. Während das europäische Oberkommando ins belgische Mons umziehen soll, ist ein Standort für das afrikanische Oberkommando noch nicht bekannt.

          Bislang hatte die amerikanische Regierung von einem Abzug von rund 10.000 der etwa 36.000 Soldaten in Deutschland gesprochen.

          Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) kritisierte den Schritt: „Mit ihrer Entscheidung kündigt die US-Administration unter Präsident Trump Hals über Kopf die seit Jahrzehnten gewachsene enge Zusammenarbeit in einer Strafaktion gegen einen Verbündeten und ohne Konsens im US-Kongress auf.“

          Trump hatte den Teilabzug der amerikanischen Truppen aus Deutschland im Juni angekündigt und ihn mit den aus seiner Sicht zu geringen Verteidigungsausgaben Deutschlands begründet. Die Bundesregierung in Berlin war vor der Bekanntgabe nicht informiert worden. Auch Esper forderte am Mittwoch höhere Verteidigungsausgaben Deutschlands. „Ich denke, Deutschland ist das wohlhabendste Land in Europa“, sagte er. Deutschland könne und solle mehr für seine Verteidigung ausgeben. „Es sollte definitiv das Zwei-Prozent-Ziel erfüllen. Und ich würde meinen, sogar mehr als das.“

          Der amerikanische Verteidigungsminister Mark Esper im März 2020

          Der Teilabzug der amerikanischen Truppen aus Deutschland soll nach den Worten von Esper „so schnell wie möglich“ umgesetzt werden. Einige Aspekte könnten innerhalb von Wochen umgesetzt werden, für andere Veränderungen sei mehr Zeit nötig. Einen exakten Zeitplan legte Esper am Mittwoch nicht vor.

          Widerstand im Kongress

          Zur Umsetzung des geplanten – und wahrscheinlich aus logistischen Gründen langwierigen – Teilabzugs dürfte aber noch nicht das letzte Wort gesprochen sein. Im amerikanischen Kongress hat sich bereits bei Trumps Republikanern und den Demokraten Widerstand formiert. Der Plan wird dort vor allem kritisch gesehen, weil er das Verteidigungsbündnis Nato schwächen und Russland in die Hände spielen könnte. Im Senat und im Repräsentantenhaus gibt es daher Pläne, den Teilabzug über das Gesetz zum kommenden Militärhaushalt zu verhindern. Zudem bewirbt sich Trump im November um eine zweite Amtszeit. Falls er die Wahl verlieren sollte, könnte der neue Präsident die Pläne rückgängig machen.

          Die amerikanischen Truppen galten in der Zeit des Kalten Krieges als Sicherheitsgarant für die Bundesrepublik. Damals gab es zeitweise fast 250.000 amerikanische Soldaten in Deutschland. Nach dem Fall der Mauer wurde allerdings radikal reduziert: Im Jahr 2000 waren es nur noch 70.000 amerikanische Soldaten, zehn Jahre später 48.000 und heute sind nur noch 36.000 übrig. Damit ist Deutschland aber immer noch der zweitwichtigste Truppenstandort der Vereinigten Staaten weltweit nach Japan.

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