https://www.faz.net/-gpf-8m17t

Gewalt im Bürgerkriegsland : Amerika bricht Dialog mit Russland über Waffenruhe in Syrien ab

  • Aktualisiert am

Am Ende ihrer diplomatischen Bemühungen? Der russische Außenminister Lawrow und sein amerikanischer Kollege Kerry Bild: AP

Die Gespräche zur Waffenruhe in Syrien zwischen Amerika und Russland sind offiziell beendet. Während sich die Lage in Aleppo immer weiter zuspitzt, schieben sich die beiden Länder gegenseitig die Verantwortung zu.

          2 Min.

          Die Vereinigten Staaten haben den Dialog mit Russland über eine Waffenruhe in Syrien abgebrochen. Man habe alles dafür getan, gemeinsam mit Moskau die Gewalt in dem Bürgerkriegsland zu beenden, erklärte Außenamtssprecher John Kirby am Montag.

          Russland sei aber seinen Verpflichtungen nicht nachgekommen. „Das ist keine Entscheidung, die uns leicht gefallen ist“, sagte er. Der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest sagte: „Die Geduld aller mit Russland ist am Ende.“ Moskau gab dagegen Amerika die Schuld am Scheitern der Verhandlungen.

          Beide Seiten hatten sich im September auf eine Waffenruhe geeinigt. Diese scheiterte jedoch nach wenigen Tagen. Danach eskalierte die Gewalt. Die nordsyrische Stadt Aleppo erlebte in den vergangenen Tagen die heftigsten Bombardierungen des Regimes und der russischen Luftwaffe seit Beginn des Bürgerkriegs im Jahr 2011.

          „Unfreundliche Handlungen der Vereinigten Staaten“

          Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, wies am Abend jegliche Schuld am Scheitern der Gespräche zurück. Washington habe das Abkommen vom September nicht erfüllt, erklärte sie im Staatsfernsehen.

          Nun versuchte Amerika, Russland die Verantwortung zuzuschieben. „Washingtons Tatenlosigkeit hat dazu geführt, dass sich die Kämpfer neu formieren konnten, Waffen erhalten haben und ihre Ressourcen mobilisiert haben.“

          Wegen zunehmender Spannungen mit den Vereinigten Staaten hatte Russland zuvor am Montag seinerseits die vereinbarte Vernichtung von atomwaffenfähigem Plutonium ausgesetzt. In einem Erlass schrieb Kremlchef Wladimir Putin als Begründung von „unfreundlichen Handlungen der Vereinigten Staaten“ gegen Russland und einer Bedrohung der strategischen Stabilität.

          Die Gewalt in Syrien eskaliert

          Auf die US-Entscheidung, den Syrien-Dialog zu stoppen, reagierten russische Politiker mit Besorgnis. „Die Folgen werden tragisch sein für den innersyrischen politischen Prozess“, warnte der Außenpolitiker Konstantin Kossatschjow. Russland habe bis zuletzt alles versucht, und nur dadurch habe es eine Chance für den Friedensprozess gegeben, sagte er der Agentur Interfax. „Diese Chance ist jetzt vertan.“

          Russland ist einer der engsten Partner der syrischen Regierung. Seit einem Jahr fliegen russische Kampfjets Angriffe in dem Bürgerkriegsland. Kritiker werfen dem Regime von Baschar al-Assad und seinen Partnern vor, absichtlich Krankenhäuser ins Visier zu nehmen. Beide Länder weisen den Vorwurf zurück und erklärten, sie kämpften in Syrien gegen Terroristen. Amerika betonte ihrerseits, nur gemäßigte Rebellengruppen zu unterstützen.

          Am Montag gingen die Angriffe auf Aleppo weiter. Die humanitäre Notlage dort spitzte sich zu. Die Vereinten Nationen warnten vor einem Zusammenbruch der medizinischen Einrichtungen. Nach UN-Angaben sind mindestens drei Krankenhäuser getroffen worden, darunter eine Kinderklinik für Tausende Patienten.

          Außenminister John Kerry hatte schon in der vergangenen Woche damit gedroht, den Dialog mit Moskau zu beenden. Er telefonierte mehrmals mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow.

          Die Aussetzung der Gespräche hat auch den Abzug von US-Mitarbeitern zur Folge, die ein gemeinsames Zentrum mit Russland aufbauen sollten, wie der Sprecher des Außenministeriums in Washington weiter mitteilte.

          Ursprünglich wollten beide Länder in Syrien zusammen gegen Terroristen vorgehen. Bedingung dafür wäre gewesen, dass die Waffenruhe sieben Tage lang hält. Mit dem Ende der Feuerpause scheiterten auch die Gespräche über das sogenannte Joint Implementation Center (JIC).

          Weitere Themen

          Israel wehrt zwei Angriffe ab

          Golanhöhen und Gazastreifen : Israel wehrt zwei Angriffe ab

          An der Grenze zu Syrien hat das israelische Militär nach eigenen Angaben einen Sprengstoffanschlag vereitelt. Nach Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen griff die Armee zudem Ziele in dem Palästinensergebiet an.

          Topmeldungen

          Wieder beliebter: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron

          Trendwende in Frankreich : Läuft wieder für Macron

          Der Austausch seines Kabinetts und der Ausgang des EU-Gipfels haben die Stimmung in Frankreich zugunsten des Präsidenten gedreht. Marine Le Pen hat das Nachsehen. Vorerst.

          Kultusminister : Das Abstandsproblem einfach leugnen

          Die zweite Corona-Welle rollt an – dennoch sollen nach den Sommerferien die Schulen wieder ganz öffnen. Keiner weiß genau, wie das funktionieren soll. Die Kultusminister verstecken sich hinter Worthülsen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.