Hillary Clinton : Von ganz unten gegen Trump
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Lange schwieg Hillary Clinton zu ihrer Wahlniederlage, jetzt taucht sie wieder in der Öffentlichkeit auf. Bild: Reuters
Nach ihrer Niederlage gegen Trump war Hillary Clinton lange in der Versenkung verschwunden. Jetzt mischt sie sich wieder ein – und will den Widerstand gegen den Präsidenten und seine Gesundheitspolitik organisieren.
Als an jenem denkwürdigen 8. November klar wurde, dass es wieder nicht reichen würde, brach für Hillary Clinton eine Welt zusammen. Zum zweiten Mal war sie nach ihrer Niederlage im Vorwahlkampf 2008 gegen Barack Obama als haushohe Favoritin in eine Präsidentschaftswahl gegangen, und zum zweiten Mal scheiterte sie krachend – die größte anzunehmende Demütigung für Clinton, für die die Präsidentschaft die Erfüllung eines Lebenstraums gewesen wäre.
Vor allem, dass ausgerechnet der politische Emporkömmling Donald Trump sie auf der Zielgeraden überholte, dessen Ambitionen auch sie so lange belächelt hatte, schmerzte Clinton so sehr, dass sie nach der Wahl erst einmal in der Versenkung verschwand. Bis auf einen kurzen Auftritt in den Tagen nach der Wahl, bei dem sie gezeichnet war von ihrer Erschütterung, absolvierte sie in den ersten Wochen kaum öffentlichen Termine. Auch im Umfeld von Trumps Amtseinführung Ende Januar, die sie vor dem Kapitol in Washington gemeinsam mit ihrem Mann Bill mit versteinerter Miene verfolgte, äußerte sie sich nicht.
Jetzt aber scheint Clinton sich wieder berappelt zu haben – und stellt damit abermals unter Beweis, dass Aufgeben offenkundig nicht zu ihrem Lebenskonzept gehört. Anfang April gab sie der „New York Times“ ihr erstes Interview nach der Wahlniederlage, in dem sie die Trump-Regierung scharf angriff und durchaus Genugtuung darüber zeigte, dass die ersten Monate von Trump so chaotisch verlaufen sind. Nun macht sie auch inhaltlich wieder von sich reden: Nach einem Bericht des Senders CNN will sie eine Organisation gründen, die „Widerstandsgruppen“ gegen Donald Trump finanzieren soll. Es gebe viele Aktivisten-Gruppen, die Clinton seit ihrer Wahlniederlage im November beeindruckt hätten, heißt es in dem Bericht. Deshalb arbeite sie derzeit gemeinsam mit früheren Unterstützern und Spendern ihrer Wahlkampagne daran, solche Gruppen künftig mit ihrer Organisation „Onward Together“ („Gemeinsam voran“) zu gründen und im Kampf gegen Trump finanziell zu unterstützen.
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Mit Aktivisten gegen Abschaffung von Obamacare
Vor allem Trumps Kampf gegen Obamas Gesundheitsreform Obamacare ist Clinton ein Dorn im Auge. Die Pläne zur Abschaffung der Reform seien „schrecklich“, sagte sie vor einigen Wochen – umso wichtiger sei es, den Widerstand dagegen im ganzen Land zu organisieren. In ihrer Organisation will Clinton selbst demnach als Vermittlerin zwischen möglichen Spendern und den Aktivisten-Gruppen arbeiten. CNN zufolge könnte das Projekt, an dem sie gemeinsam mit ihrem Finanzchef im Wahlkampf, Dennis Cheng, und ihrer früheren Stellvertreterin im Außenministerium, Judith McHale, arbeitet, schon in der kommenden Woche starten.
„Ich bin wieder zurück, um eine Aktivistin und Teil des Widerstands zu sein“, erklärte Clinton in einem Interview mit der CNN-Journalistin Christiane Amanpour. Ihre Anhänger dürfte das freuen, kehrt sie mit ihrem „Grassroot“-Kampf gegen Trump doch gleichsam zu ihren Wurzeln zurück: Schon in ihrer Zeit als junge Anwältin in Arkansas kämpfte Clinton als Aktivistin unter anderem für einen besseren Kinderschutz. Auch während der Präsidentschaft ihres Mannes Bill setzte sie sich als First Lady vehement für einen besseren Schutz von Frauen und Kindern ein.