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US-Besuch : Abdullah schimpft mit Bush

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Fürs Foto wird gelächelt: US-Präsident Bush und der saudische Kronprinz Bild: dpa

Keine gemeinsame Abschlusserklärung: Der saudische Kronprinz Abdullah las dem amerikanischen Präsidenten die Leviten. Die US-Politik gegenüber Israel verärgert die Araber zunehmend.

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          Das Weiße Haus sprach von „herzlichen Gesprächen“. Aber nach saudischer Darstellung ging es auf der Bush-Ranch in Texas zur Sache: Kronprinz Abdullah las dem amerikanischen Präsidenten die Leviten. Es gab nach Abschluss der gut fünfstündigen Beratungen über die Nahost-Krise keinen gemeinsamen Auftritt von Gast und Gastgeber vor der Presse, und es gab auch keine gemeinsame Abschlusserklärung.

          Wie es heißt, hatten die Amerikaner einen Text dafür vorgeschlagen, den die Saudis aber ablehnten. Keine Frage: Der Kronprinz verfuhr mit dem Präsidenten so, wie es der mächtigste Mann der Welt nicht gewohnt ist - erst recht nicht von einem Verbündeten. Dabei kam die unverblümte Warnung Abdullahs vor einem totalen Glaubwürdigkeitsverlust in der arabischen Welt und drohendem Schaden für die US-Interessen in der Region keineswegs überraschend.

          Bush soll Druck auf Scharon erhöhen

          Über diplomatische Kanäle hatte die saudische Führung den USA in den vergangenen Wochen wiederholt klar gemacht, dass Bush den Druck auf den israelischen Regierungschef Ariel Scharon zu einem Rückzug aus den Palästinenser-Gebieten drastisch erhöhen müsse. Andernfalls drohten „immense“ Schäden nicht nur für die Interessen der Vereinigten Staaten, sondern auch für die ihrer ohnehin wenigen Verbündeten in der arabischen Welt. Gemeint waren damit neben Saudi-Arabien vor allem Ägypten und Jordanien, wo mittlerweile Polizei auf den Straßen den Ausbruch von Unruhen und Übergriffe auf israelische Einrichtungen verhindern muss.

          Verhältnis seit Längerem gespannt

          Gespannt ist das Verhältnis zwischen Saudi-Arabien und den USA schon seit Längerem. Die Vereinigten Staaten werfen Riad unter anderem vor, nicht genügend zur Unterbindung der Geldflüsse an die Terror-Organisation Al Qaida zu tun und sich nicht klar genug von den Selbstmordanschlägen palästinensischer Extremisten zu distanzieren.

          Saudi-Arabien auf der anderen Seite hat die Sorge, dass es sich im arabischen Lager isoliert, wenn es zur dort als völlig einseitig empfundenen US-Politik im Nahen Osten schweigt. Hinzu kommt die Sorge, dass die amerikanische Haltung radikale Kräfte in der Region nährt und Instabilität verursacht. Als Beleg dafür, dass eine derartige Entwicklung bereits im Gang ist, wird ein vor wenigen Tagen veröffentlichter Brief von 126 saudischen Gelehrten und Schriftstellern angeführt. Darin werden die USA, die mit Israel eine „Achse des Bösen“ bildeten, als „Sponsoren des internatonalen Terrorismus“ angeprangert.

          Abdullah steht unter Druck

          Für Abdullah selbst geht es aber auch um innenpolitische Belange. Der Druck, unter dem er steht, könnte zu keinem schlechteren Zeitpunkt kommen. Praktisch der Herrscher im Lande, steht er vor der Aufgabe, Saudi-Arabien Zug um Zug wirtschaftlich zu modernisieren und dabei die Forderungen einer extrem konservativnen religiösen Elite mit denen einer westlich orientierten Mittelschicht zu vereinbaren.

          Die Entwicklung der Beziehungen zu den USA wird nach Einschätzung politischer Beobachter bei der Formulierung der künftigen saudischen Politik eine große Rolle spielen. Experten verweisen vor diesem komplexen Hintergrund darauf, das es Abdullah in Crawford vor allem auf die Möglichkeit ankam, deutlich seinen Standpunkt zu formulieren und „Bush etwas herunter zu putzen“. Das, so hieß es, könne ihm zum gegenwärtigen Zeitpunkt etwas Luft verschaffen und sein Ansehen nach innen und außen - sprich der übrigen arabischen Welt - erhöhen.

          Auf Adhoc-Zugeständnisse von Bush in seiner Richtung habe er nicht hoffen können und als Realist auch nicht gehofft. Es sei nicht zu erwarten gewesen, dass der US- Präsident „nach Crawford vor die Presse tritt und Scharon ins Gebet nimmt“, meinten Kenner der Region. Aber das heiße nicht, dass das Treffen nicht in der nächsten Zeit indirekte positive Auswirkungen haben könne. Die USA könnten es nicht riskieren, ihren wichtigen Verbündeten - und wichtigen Öllieferanten - gänzlich zu verprellen.

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