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US-Atomwaffenpläne : Rüstungsexperte: Nukleare Schwelle könnte zu niedrig werden

  • Aktualisiert am

Aber Mini-Kernwaffen wären nicht mehr allein Abschreckungsmittel, sondern nach diesen Plänen fast schon konventionelles Kriegsmittel.

Reine Abschreckung hat es in dem Sinn nie gegeben. Schon im Kalten Krieg hatte man ja Pläne, Kernwaffen auch wirklich einzusetzen. Eine glaubwürdige Drohung, also eine glaubwürdige Abschreckung basiert ja gerade darauf, dass man auch Einsatzoptionen hat. Es besteht allerdings die Gefahr, dass die nukleare Schwelle zu niedrig wird und die Wahrscheinlichkeit eines Kernwaffeneinsatzes steigt.

Die Abschreckung wäre dann besonders glaubwürdig, wenn sich die Schäden eines Angriffs eng begrenzen ließen. Genau darauf scheinen die Pläne hinauszulaufen. Können Sie sich vorstellen, dass sich die Schäden auf einen kleinen Bereich begrenzen ließen, wenn mit einer Mini-Kernwaffe ein unterirdisches Lager mit B-Waffen angegriffen würde?

Das kann ich mir im Moment nicht vorstellen. Aber noch sind die Waffen nicht entwickelt.

Nach Ansicht der Moskauer Tageszeitung „Iswestija“ wollten die USA vor allem dem Irak ein eindeutiges Signal senden. Gleichzeitig fragen sich die Russen, was sie auf dieser Liste der sieben möglichen Angriffsziele zu suchen haben. Warum steht Moskau noch auf der Atomliste?

Das ist nun wirklich nicht neu, dass es Ziele für Kernwaffen in Russland gibt. Genauso gibt es nach wie vor Ziele für russische Kernwaffen in den USA. Das ist Ausdruck dessen, dass sich diese beiden Länder über vierzig Jahre im Kalten Krieg befunden haben und sich derzeit in einem Prozess der Annäherung befinden, der noch keineswegs abgeschlossen ist. Man muss sich das auch so vorstellen, dass zur nuklearen Planung in den Vereinigten Staaten immer ein hoher Bestandteil bürokratischer Prozesse gehört. Die nukleare Zielplanung hat über mehrere Jahrzehnte russische Ziele beinhaltet. Man hat diese Ziele noch nicht völlig gestrichen. Ich würde aber den politischen Ausdruck dessen nicht allzu hoch hängen.

Hat das Auswirkungen auf die Abrüstungsverhandlungen mit den Russen?

Das würde ich so direkt nicht sehen. Ich glaube, dass sich die Russen mit einer Kernforderung durchgesetzt haben - nämlich einen konkreten Vertrag zur Verringerung strategischer Kernwaffen anzustreben. Ursprünglich wollten die Amerikaner die gegenseitigen Reduzierungen ja nur mit einem Handschlag besiegeln. Aus politisch-symbolischen Gründen, aber auch, um eine gewisse Erwartungsstabilität herzustellen, ist ein solcher Vertrag für die Russen sehr wichtig. Vor diesem Hintergrund werden sie diesen wichtigen Vertrag, der möglicherweise beim nächsten Treffen zwischen den Präsidenten Putin und Bush im Mai unterzeichnet werden kann, nicht aufs Spiel setzen. Ohnehin dürften den Russen die Planungen der Amerikaner nicht neu sein.

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