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Neue Cyberarmee : Kästchenkunde

Ursula von der Leyen stellt ein Cyberkommando auf. Das klingt nach digitaler Kriegführung. Aber so schnell schießt die Bundeswehr nicht.

          Ursula von der Leyen setzt ein denkbar starkes Signal. Mit der Gründung eines neuen militärischen Organisationsbereiches greift die deutsche Verteidigungsministerin zum so ziemlich äußersten Mittel, das ihr zur Verfügung steht, um ein Projekt in ihrem Ressort voranzutreiben.

          13.500 Personen sollen im Kommando Cyber- und Informationsraum zusammengezogen werden, um die Bundeswehr in der fünften militärischen Dimension handlungsfähiger zu machen. Plus noch einmal 300 Personen im Verteidigungsministerium selbst. Eine imposante Ansammlung von Menschen, aus denen in früheren Zeiten eine ganzer militärischer Großverband formbar gewesen wäre.

          Doch es ist offenkundig keine Cyberdivision und schon gar keine Armee, die mit Cyberattacken virtuelle Angriffskriege gegen unliebsame Gegner führt. Das neue Kommando kümmert sich um alles – vom Schutz jedes einzelnen Computers der bis zu 280 000 Bundeswehr-Nutzer über militärisches Nachrichtenwesen bis zur Geoinformation und operativen Kommunikation. Die Abteilung Attacke der Bundeswehr umfasst indes gerade einmal rund 60-70 Personen und darf bisher nur spielen (Verzeihung, üben). Ihr Einsatz im Ausland unterliegt der Mandatierungspflicht des Deutschen Bundestages. Und für die Sicherheit im Inland ist das Innenministerium verantwortlich.

          Die Bundeswehr hat andere Sorgen. Sie ist offenkundig in erster Linie damit beschäftigt, sich selbst zu schützen, aufzuklären und ihr Scherflein zur gesamtstaatlichen Sicherheitsvorsorge beizutragen. Es gilt, auf die immer ausgeklügelten Hochwertattacken ambitionierter Hacker antworten zu finden.

          Von der Leyens Absicht, die Kräfte zu bündeln, ist ein plausibler Schritt, um die Effektivität und auch die Effizienz der Bundeswehr im Cyberraum zu erhöhen. Ob er erfolgreich sein wird, muss sich zeigen und wird an den Verantwortlichen hängen, die die Verteidigungsministerin noch benennen muss. Bis dahin bleibt der neue Cyber- und Informationsraum der Bundeswehr ein Name, verbunden mit ein wenig Kästchenkunde.

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