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Axel Voss auf der re;publica : In der Höhle des Löwen

Wollte reden: Axel Voss (links) im Gespräch mit Markus Beckedahl (rechts) und Moderator Jo Schück Bild: Manon Priebe

Als Chef-Verhandler für die EU-Urheberrechtsreform wurde Axel Voss zum „meistgehassten Mann des Internets“. Auf die Bühne der Digitalkonferenz re;publica traut er sich trotzdem. Mit ihm reden wollen die meisten aber nicht.

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          Einen Tag vor seinem großen Auftritt am Dienstag war Axel Voss schon mal auf einer Bühne der re;publica zu sehen, er streckte den Besuchern der Internetkonferenz in Berlin zwei Mittelfinger entgegen. Die Fotomontage, die auf einem Vortrag über „Humor in der digitalen politischen Debatte“ gezeigt wurde, hatte die „heute show“ im März auf Twitter gepostet, dazu hatten die Satiriker geschrieben: „Das geht raus von Axel Voss ans Internet. #Artikel13“. Der CDU-Politiker war vorher als Chef-Verhandler des Europäischen Parlaments für die Urheberrechtsreform zum „meistgehassten Mann des Internets“ geworden, im Netz wurde er mit Hass und Häme überzogen. Vor allem gegen den umstrittenen Artikel 13 der Reform (der später zum Artikel 17 wurde) gingen Tausende auf die Straßen. Es war eine Art politisches Erweckungserlebnis der digitalen Szene, den Protest hatte auch der Aktivist Markus Beckedahl vorangetrieben, er ist Gründer des Blogs Netzpolitik.org – und der re;publica. Mit großer Spannung war vor diesem Hintergrund ein Gespräch zwischen den zwei Kontrahenten am Dienstagmittag auf der Internetkonferenz erwartet worden: „Voss & Beckedahl: Lass uns reden.“

          Sebastian Eder
          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Schon auf dem Weg zur „Station Berlin“ kann man am Morgen sehen, wie groß das Interesse an dem Thema auch nach der Verabschiedung der Reform auf europäischer Ebene noch ist: Auf Aufklebern der Satirepartei „Die Partei“ an Laternen ist zu lesen: „FCK ART13.“ Die Sympathien auf dem Hof sind wie erwartet klar verteilt. „Mir ist Voss unsympathisch“, sagt Besucherin Heike. „Er hat ganz viele Sachen falsch gemacht und dann nicht mal dazu gestanden, dass er keine Ahnung hat. Er sollte heute eine dicke, fette Entschuldigung dafür fallen lassen, dass er das Internet kaputt gemacht hat.“ Ob sie es mutig findet, dass Voss überhaupt kommt? „Schon.“ Die Schlange vor Bühne 2, auf der die Debatte stattfindet, reicht dann kurz vor Beginn der Veranstaltung schon durch die halbe Halle. ZDF-Moderator Jo Schück begrüßt die vielen Besucher mit einem Witz: „Ich finde es gut, dass die Debatte zustande kommt, Beckedahl hätte ja nicht zusagen müssen.“ Aber auch Voss zollt er Respekt dafür, dass er sich in die „Höhle des Löwen“ wage.

          „Nicht sicher, ob ich mich auf Ihre Expertise verlassen würde“

          Die erste Frage richtet er wenig später an Voss: Ob er Genugtuung empfinde, weil die Reform auf europäischer Ebene trotz des massiven Protests verabschiedet wurde? „Das hält sich in Grenzen“, sagt Voss. „Man hat das Gefühl, man lässt eine ganze Generation frustriert zurück, weil man nicht die Möglichkeit hat, ihnen zu erklären, was wir gemacht haben.“ Deswegen sei er auf die re;publica gekommen. „Es hat sich etwas beruhigt und vielleicht wollen die Menschen jetzt mal mehr hören als das Wort ’Uploadfilter’.“ Die Hoffnung wird spätestens enttäuscht, als Beckedahl ein ausgedrucktes „Meme“ in die Luft hält, also ein Foto, das um einen Spruch ergänzt im Internet verbreitet wurde. In diesem Fall hatte Andrus Ansip, Vizepräsident der Europäischen Kommission, ein Bild einer Szene aus Star Trek getwittert, auf dem Captain Picard die Hände über dem Kopf zusammenschlägt. Darauf steht: „Wie kann man nur glauben, dass wir Memes verbieten?“ Beckedahl sagt: „Das zu posten, ist nach Ihrem Gesetz nicht legal.“ Voss sieht das anders: „Doch, das ist es.“ Der Netzaktivist wird persönlich: „Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich auf Ihre Expertise verlassen würde beim Urheberrecht.“ Das Publikum johlt.

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