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Urheberrecht im Netz : Brave New Internet

Die Verfechter der Raubkopierer, die nun mit „Cyberwar“ gegen die Sperrung der Tauschplattform „Megaupload“ vorgehen, verteidigen nicht die Freiheit im Internet. Sie verteidigen die Interessen von Geschäftemachern, die sich auf Kosten der Arbeit anderer bereichern.

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          Wenn von Freiheit im Netz die Rede ist und von den mächtigen Lobbyisten, die sie bedrohen, ist nicht mehr klar, wer oder was eigentlich gemeint ist: Internetriesen wie Google, Facebook, Yahoo, Ebay oder Amazon, die so mächtig geworden sind, dass sein Leben kaum noch kontrollieren kann, wer ihnen einmal seine persönlichen Daten preisgegeben hat?

          Oder sind es die Konzerne der guten, alten Wirtschaft, die auf ihre Rechte pochen, weil die ihnen unternehmerische Freiheit sichern - und Marktanteile? Wer darauf eine eindeutige Antwort hat, wird die seit Tagen tobende Online-Schlacht um den Schutz von Urheberrechten entweder als Kampf einer freiheitsliebenden Internetgemeinde heroisieren oder als Ausdruck anarchischer Orgien krimineller Schmarotzer begreifen.

          Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Verstellt wird der Blick darauf durch sogenannte Sharehoster, die jedem ihrer Kunden erlauben, gegen Gebühr an Dateien zu gelangen, die anderswo viel Geld kosten würden - mithin also Raubkopien aller Art. In einem beispiellosen Akt ist das FBI jetzt gegen "Megaupload" vorgegangen, einen der meistgenutzten Anbieter dieser Sorte. Der Schlag der Amerikaner lässt sich im Netz als Vasallentum im Dienste der etablierten Unterhaltungsindustrie ("Hollywood") verkaufen.

          Doch die Verfechter der Piraten, die nun mit "Cyberwar" gegen die amerikanische Regierung zurückschlagen, verteidigen damit nur die Interessen von Geschäftemachern, die sich unter dem Deckmantel eines neuen Zeitalters auf Kosten der Arbeit anderer bereichern. Wer das für ehrenwert hält, redet von Freiheit, meint aber Schrankenlosigkeit.

          Dagegen per Gesetz Dämme aufzubauen, kann allerdings nicht heißen, die Entfaltungsmöglichkeiten im Internet so einzuschränken, dass daraus Knebel im Sinne protektionistischer Abwehr werden. Die spielt schon jetzt eine nicht unwesentliche Rolle, wenn unliebsame Konkurrenten oder auch nur harmlose Blogger mit dem Hammer des Urheberrechts erschlagen werden sollen.

          Der Protest gegen "Sopa" und "Pipa", die amerikanischen Initiativen für ein rigides Urheberrecht, ist deshalb nicht mit dem virtuellen Amoklauf gegen die FBI-Ermittlungen zu verwechseln. Freiheit und geistiges Eigentum lassen sich nur wirkungsvoll schützen, wenn Freiheit und geistiges Eigentum im Netz darunter nicht zu leiden haben.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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