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Uran-Munition : USA geben Verunreinigung mit Plutonium zu

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Die USA haben erstmals eine Verunreinigung ihrer Uran-Munition mit hochgiftigem Plutonium eingeräumt. Nach Angaben von Verteidgungsminister Scharping hat möglicherweise auch die Bundeswehr abgereicherte Uran-Munition verschossen.

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          Ein Sprecher des amerikanischen Verteidigungsministeriums sagte, der Regierung sei seit 1999 bekannt, dass drei Munitionsfabriken radioaktiv verunreinigt gewesen seien. Die Spuren von Plutonium und dem hochradioaktiven Uranisotop U-236 in der Munition seien aber äußerst gering und die davon ausgehende Gefahr für die Gesundheit oder die Umwelt „unbedeutend“.

          Verteidigungsminister Rudolf Scharping sagte in Berlin mit, es gebe Hinweise, dass die Bundeswehr in den neunziger Jahren abgereicherte Uran-Munition aus Beständen der Nationalen Volksarmee der DDR und der Westgruppe der Roten Armee verschossen habe.

          Uran-Munition von Bundeswehr abgefeuert?

          In Lenkflugkörpern der MIG 29 sei abgereicherte Uran-Munition enthalten gewesen. Davon seien 1.500 übernommen worden. 1.000 seien im Wege der Kampfmittelbeseitigung entsorgt und 500 durch Entfernung des Uran-Kerns umgerüstet worden. Es gebe Hinweise, dass acht bis zehn Geschosse abgefeuert worden seien. Der Bundestag sei damals von der unionsgeführten Regierung nicht informiert worden.

          Das Verteidigungsministerium habe Mitte der 80er Jahre prüfen lassen, ob der Bau einer Fabrik für Uranmunition in Deutschland möglich sei, bestätigte Scharping. Das Ministerium unter der Verantwortung des damaligen Verteidigungsministers Manfred Wörner (CDU) habe im Oktober 1986 bei Dynamit Nobel eine „Machbarkeitsstudie“ in Auftrag gegeben. Im April 1987 sei dann entschieden worden, die Bemühungen nicht fortzusetzen.

          Pentagon: Nato-Ausschuss informiert

          In Washington sagte der Pentagon-Sprecher weiter, die mit abgereichertem Uran gehärtete Munition sei durch kontaminierte Werkzeuge mit Plutonium und anderen hochradioaktiven Transuranen in Berührung gekommen. Es ließen sich aber nur „winzige Mengen“ in der Munition nachweisen. Spezialisten des US-Energieministeriums hätten bei einer Untersuchung im Jahr 1999 herausgefunden, dass die drei Fabriken in Paducah (Kentucky), Oak Ridge (Tennessee) und Piketon (Ohio) in den 50er bis 70er Jahren bei der Verarbeitung von wiederaufbereitetem Uran mit Plutonium, Neptunium und Technetium-99 kontaminiert wurden.

          Der Sprecher des Pentagon fügte hinzu, der Nato-Ausschuss zur Uran-Munition sei bereits in den vergangenen Tagen über den Sachverhalt informiert worden. Scharping betonte hingegen, ihm lägen noch keine konkreten Informationen vor. Er hatte die USA erst am Wochenende bei einem Truppenbesuch auf dem Balkan wegen ihrer Informationspolitik scharf kritisiert.

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