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Ambulante Pflege : Nicht weil sie muss – sondern weil sie möchte

Die Zeit läuft: Elisabeth Krug wird von Pflegerin Ingrid Krafft-Otto in nur zwanzig Minuten versorgt, inklusive Wadenwickel. Bild: Gierke, Dominik

Die Regierung sucht Tausende Pflegekräfte, doch kaum jemand will die Arbeit lange machen. Das liegt daran, dass gerade die ambulante Pflege ein äußerst hartes Geschäft ist. Manche machen den Job trotzdem gern.

          8 Min.

          Was Ingrid Krafft-Otto an diesem Tag zum Arbeiten braucht, passt in eine Kunststoffbox: Desinfektionsmittel, weiße Einmalhandschuhe, steril verpackte Kompressen. Und eine Packung Hustenbonbons, für die Stimme. Sie hat sich hinter das Steuer gesetzt, alles in Griffweite, der Behälter aus Plastik passt genau auf die Ablage zwischen Fahrer- und Beifahrersitz des schwarzen Kleinbusses. Das Fahrzeug parkt vor dem Büro, in einer ländlichen Straße in Wackersberg, gut eine Autostunde südlich von München. Es könnte ein guter Tag werden, etwas sonnig, nicht zu heiß, und in vielen Bundesländern sind noch keine Schulferien. Die Bedingungen sind meist schlechter, mit den Ferien kommen die Urlauber, die Staus verursachen und die Parkplätze belegen, die Krafft-Otto dringend braucht, und mit dem Winter kommt der Schnee, der das Fahren gefährlich macht, da er längst nicht überall weggeräumt wird.

          Kim Björn Becker

          Redakteur in der Politik.

          Über ihren Beruf sagt die 57 Jahre alte Altenpflegerin: „Das ist nicht unbedingt der Renner.“ Sie macht ihn trotzdem, und wie sie sagt, macht sie ihn gerne, trotz allem. Seit zwei Jahrzehnten leitet Krafft-Otto einen eigenen ambulanten Pflegedienst in der oberbayerischen Provinz, drei Autos, fünf Mitarbeiter, 30 Patienten, die in der Branche Kunden heißen. Und die mag Krafft-Otto ganz besonders, das sagt sie nicht nur, das merkt man ihr an. Vier Senioren stehen an diesem Morgen auf der Liste, die muss sie bis zum Mittagessen versorgt haben. Die Zeit drängt. Es ist 6.50 Uhr, Ingrid Krafft-Otto kontrolliert ein letztes Mal den Plastikbehälter, sie blickt auf die Tankanzeige, steckt den Schlüssel ins Zündschloss und löst die Bremse.

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