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Unternehmenssteuern : Viel Meinung, wenig Ahnung

  • -Aktualisiert am

Vorteil Personengesellschaften: Verrechnung von Gewerbe- und Einkommenssteuer

Der Gesetzgeber hat reagiert: Die gewerbesteuerliche Organschaft ist seit Anfang dieses Jahres durch die so genannte Gewinnabführungsvertragspflicht beschränkt. Was jedoch weiterhin möglich ist: Einzelunternehmer und Personengesellschaften dürfen ihre Gewerbesteuerbelastungen bei der Einkommenssteuer als Betriebsausgabe abziehen. Abhängig vom Gewerbesteuerhebesatz, der bundesweit im Schnitt bei rund 430 Prozent liegt, und den derzeit gültigen Einkommenssteuertarifen, können Personengesellschaft und der Einzelunternehmer wirtschaftlich eine vollständige Entlastung von der Gewerbesteuer erreichen - es ist möglich, hängt aber, wie gesagt, von den Rahmenbedingungen ab.

Und die sind für Laien kaum nachvollziehbar: Die Berechnung der gewerbesteuerpflichtigen Gewerbeertrags (niedriger als der Gesamtertrag einer Unternehmung) ist eine komplizierte Angelegenheit, die Hebesätze variieren bundesweit nicht unerheblich, so dass die effektiven Gewerbesteuertarife zwischen 13 und 20 Prozent schwanken.

Kapitalgesellschaften sind mit 55 Prozent belastet

Und die Kapitalgesellschaften? "Werden die Gewinne vollständig ausgeschüttet, dann kann der tarifliche Steuersatz einer Kapitalgesellschaft nach dem Halbeinkünfteverfahren bis auf 55 Prozent steigen", sagt ZEW-Experte Gutekunst. Details zum Halbeinkünfteverfahren außer acht gelassen, man sieht: Die Frage, ob der deutsche Mittelstand steuerlich schlechter gestellt ist als Kapitalgesellschaften, lässt sich so einfach, wie in Talkshows immer suggeriert wird, nicht beantworten.

Einheitliche Besteuerung geplant

Dahingegen ist die Frage berechtigt, warum Personen- und Kapitalgesellschaften überhaupt unterschiedlich veranschlagt werden müssen. Die rot-grüne Koalition hat angekündigt, in der nächsten Legislaturperiode eine einheitlich körperschaftliche Besteuerung einzuführen - unabhängig von der Rechtsform der Unternehmung. Das ist der richtige Weg. Gewinne, die im Unternehmen verbleiben, müssen unabhängig von der Rechtsform des Unternehmens gleich besteuert werden.

Abschaffung der Gewerbesteuer

Insgesamt hat sich der Steuerdruck für Unternehmen in Deutschland durch die rot-grüne Steuerreform reduziert. Im europäischen Vergleich liegt man jedoch immer noch im hinteren Mittelfeld. Weitere Reformvorschläge beziehen sich hauptsächlich auf eine Abschaffung der Gewerbesteuer und deren Ersatz durch eine kommunale Gewinnsteuer. Das wäre eine enorme Erleichterung für die Konzernbuchhalter, weil fortan die gesonderte Berechnung des Gewerbesteuerertrags wegfallen würde.

Ersatz durch kommunale Gewinnsteuer

Eine radikale Vereinfachung der Unternehmenssteuergesetze etwa nach den Plänen der Kirchhof-Kommission ist wünschenswert. Die Komplexität der Einzelregelungen trifft vor allem die Kleinbetriebe und den Mittelstand, weil sie keine Größenvorteile nutzen können (siehe Link: „Steuerungsnachteile des Mittelstands“). Als Benchmark für Deutschland könnte Nordeuropa gelten.

Dort sind die Unternehmenssteuern simpel aufgebaut - der Körperschaftssteuersatz ist das Maß aller Dinge, Zusatzsteuern gibt es nicht. Transparenz und Nachvollziehbarkeit sind die Folge, ein Zustand von dem Deutschland meilenweit entfernt ist. Seit Mitte der neunziger Jahre gilt dort die Reform - ihre Planung und Durchsetzung dauerten hingegen fast 20 Jahre.

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