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: Unsere Woche mit der Schweinegrippe

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Freitag, 24. April: Mexiko ist weit weg, die Schweinegrippe eine Meldung von vielen: zwischen Obama in Badehose und einem Vierzehnjährigen, der seine Mutter überfallen hat. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtet von einem besonders aggressiven Subtyp des Schweineinfluenza-Erregers A/H1N1.

          Freitag, 24. April: Mexiko ist weit weg, die Schweinegrippe eine Meldung von vielen: zwischen Obama in Badehose und einem Vierzehnjährigen, der seine Mutter überfallen hat. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtet von einem besonders aggressiven Subtyp des Schweineinfluenza-Erregers A/H1N1. Innerhalb weniger Wochen sollen in Mexiko mindestens sechzig Menschen an der Schweinegrippe gestorben sein. Rund 800 Menschen seien an der Infektion erkrankt. In Mexiko-Stadt wird der Schulunterricht abgesagt, Museen, Büchereien und Theater werden geschlossen. Auch in Texas und Kalifornien sind acht Menschen erkrankt. Die WHO befürchtet den Beginn einer Pandemie.

          Samstag, 25. April: "Wir sind sehr, sehr besorgt", heißt es bei der WHO. Das Virus breitet sich von Mensch zu Mensch aus. Die Schweinegrippe wird zur "Todesgrippe". Mindestens 68 Mexikaner sind gestorben, mehr als 1000 Menschen erkrankt. In Mexiko-Stadt finden Fußballspiele vor leeren Rängen statt, die 20-Millionen-Metropole ist lahmgelegt. Gedanken an die Spanische Grippe 1918/19 mit vierzig Millionen Toten und nun die Schweinegrippe - mit wie viel Toten? Ähnlich wie 1918 sind die Opfer vorwiegend junge Erwachsene. Das Virus sei nicht zu kontrollieren, sagt die amerikanische Gesundheitsbehörde.

          Sonntag, 26. April: Seuchenangst, der Tod fliegt durch die Luft - die Zahl der Grippetoten ist auf mehr als achtzig gestiegen. Amerika ruft nach zwanzig bestätigten Krankheitsfällen den Gesundheitsnotstand aus. Die Grippe hat Kanada erreicht, in Frankreich, Israel, Schottland und Neuseeland gibt es Verdachtsfälle. Die Bedeutung für Deutschland lasse sich nicht einschätzen, berichtet das Robert-Koch-Institut (RKI). Es sei nicht auszuschließen, dass Reisende das Virus, das sich von Mensch zu Mensch überträgt, einschleppen. Albtraum nennen Medien die Grippe, und auch der milde Krankheitsverlauf bei amerikanischen Patienten könne nicht beruhigen. Die Grippe kommt immer näher, mit ihr die Angst.

          Montag, 27. April: Die Schweinegrippe hat Europa erreicht, ist in Spanien und Schottland angekommen. In Mexiko sind inzwischen 149 Menschen gestorben. Die WHO erhöht die Alarmstufe. Nun gilt Pandemie-Risiko Stufe vier (von sechs). Das Medikament Tamiflu soll helfen. Der Apotheker in der Nachbarschaft berichtet von immer mehr Kunden mit Tamiflu-Rezepten. Virenexperten sagen, dass das Schweinegrippevirus weitaus tödlicher sein könne als eine "normale Grippe". Doch müsse man besonnen reagieren. Schließlich gebe es Pandemie-Pläne.

          Dienstag, 28. April: Virus nicht zu stoppen, die Angst geht um die Welt. Immerhin hat die Entwicklung eines Impfstoffes begonnen. Doch bis dieser auf dem Markt ist, werden Monate vergehen. Dann gilt: Es muss zunächst "der zur Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung und der öffentlichen Sicherheit und Ordnung erforderliche Personenkreis . . . berücksichtigt werden". Die Welt sei der Pandemie "näher gekommen", sagt die WHO. Mexiko-Urlauber aus Bayern und Hamburg könnten mit dem Virus infiziert sein. Ist die Schweinegrippe in Deutschland angekommen?

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