https://www.faz.net/-gpf-37mu

Unruhen in Indien : Zahl der Toten steigt ständig

  • Aktualisiert am

nationalistische Hindus protestieren in Neu Delhi Bild: AP

Nach dem Brandanschlag auf einen Zug mit Hindus ist es in Indien zu den befürchteten Ausschreitungen gegen Muslime gekommen. Die Zahl der Toten steigt ständig an.

          2 Min.

          Nach dem Brandanschlag auf einen Zug mit Hindus ist es in Indien zu der befürchteten Welle der Gewalt gegen Muslime gekommen. Im westlichen Bundesstaat Gujarat wurden am Donnerstag Dutzende Menschen getötet.

          Tausende von Hindus gingen gegen Muslime vor, um für den gestrigen Anschlag Rache zu nehmen, bei dem 58 Menschen ums Leben gekommen waren. Die Täter waren vermutlich muslimische Händler, die die Waggons in Brand gesteckt hatten, nachdem sie für ihre Waren nicht bezahlt worden waren.

          Die Polizei nahm 63 Verdächtige fest. Viele der Todesopfer gehörten dem Weltrat der Hindus (VHP) an und befanden sich auf dem Rückweg von einer religiösen Veranstaltung in Ayodhya. Um die Situation unter Kontrolle zu bringen, entsandte die indische Regierung rund tausend Bewaffnete in die Region. Zur Beerdigung der Zugopfer am Freitag wurden weitere Unruhen befürchtet.

          Schießbefehl für Polizei

          In der Provinzhauptstadt Ahmedabad verbrannten nach Polizeiangaben mindestens 18 Muslime bei lebendigem Leibe, als Hindus ihre Häuser angezündeten. Unter den Opfern waren zahlreiche Frauen und Kinder. Die Menge warf Steine auf Moscheen und zündete Geschäfte von Muslimen an.

          Mindestens 20 weitere Menschen wurden der Regionalregierung zufolge bei Straßenschlachten in mehreren Orten der Provinz getötet. In Ahmedabad wurden sechs Menschen getötet, als Polizisten in die Menge schossen. Die Regierung hatte zuvor den Schießbefehl erteilt. Trotz einer unbefristeten Ausgangssperre und dem Einsatz von Tränengas gelang es einem Großaufgebot von 6000 Polizisten nicht, die Unruhen einzudämmen. Rund 700 Menschen wurden festgenommen.

          Die Provinzregierung forderte laut einem hochrangigen Vertreter sofortige Verstärkung durch die Armee an. Notfalls müssten die Soldaten eingeflogen werden, da die meisten Truppen an der Grenze zu Pakistan stationiert seien. Nach einem Gespräch mit Premierminister Atal Behari Vajpayee in Neu Delhi riefen führende Vertretern von Hindus und Muslimen gemeinsam zur Ruhe auf.

          Vajpayee appelliert an Hindu-Rat

          Der Anschlag stand offenbar im Zusammenhang mit den umstrittenen Plänen des VHP, auf den Trümmern einer vor zehn Jahren zerstörten Moschee einen Tempel zu errichten. Die aus dem 16. Jahrhundert stammende Moschee in Ayodhya war 1992 von Hindu-Extremisten zerstört worden. Dies hatte landesweite Unruhen ausgelöst, bei denen mehr als 2000 Menschen ums Leben kamen.

          Ministerpräsident Atal Behari Vajpayee sagte eine Reise nach Australien ab. Er nannte den Anschlag „sehr traurig, unglückselig“ und appellierte an den Hindu-Rat, die Kampagne für den Tempelbau einzustellen. Das würde der Regierung helfen, „Frieden und Brüderlichkeit im Lande zu erhalten", sagte Vajpayee.

          Ein Gericht im Bundesstaat Uttar Pradesh befasst sich seit längerem mit dem Fall. Es hat bis zur Entscheidung jede Bautätigkeit untersagt. Der Hindu-Rat ist jedoch entschlossen, das gerichtliche Verbot zu ignorieren und am 15. März mit dem Bau zu beginnen.

          Weitere Themen

          Gespräche für Hungerstreikenden nach Wahl Video-Seite öffnen

          Laschet bietet an : Gespräche für Hungerstreikenden nach Wahl

          Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) hat den Hungerstreikenden in Berlin gemeinsam mit den beiden anderen Kanzlerkandidaten ein Gespräch angeboten - allerdings erst nach der Bundestagswahl. Bei einer Wahlkundgebung in Bremen wurde Laschet immer wieder von Zwischenrufern unterbrochen.

          Topmeldungen

          Wiedergewählt im zweiten Anlauf: Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (links) bei der Vereidigung

          Wahl Reiner Haseloffs : Acht Abweichler und wilde Spekulationen

          Schon wieder wird Sachsen-Anhalts Ministerpräsident erst im zweiten Anlauf bestätigt. In Magdeburg fragt man sich: War es ein organisierter Aufstand? Oder eine Verkettung von Einzelaktionen?
          Die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Kristalina Georgiewa

          Kristalina Georgiewa : Manipulationsverdacht gegen IWF-Chefin

          Chinas Position im vielbeachteten „Doing Business“-Ranking wurde offenbar auf Anweisung der Weltbank-Führung nach oben gehievt. Ein Prüfbericht führt die Unregelmäßigkeiten auf die heutige Chefin des Internationalen Währungsfonds zurück.
          Ohne Test oder Impfung geht in Italien bald gar nichts mehr.

          Italien prescht vor : Zur Arbeit nur noch mit Test oder Impfung

          Wer kein Zertifikat über eine Impfung oder einen Test vorweisen kann, darf in Italien vom 15. Oktober an nicht mehr zur Arbeit in Büros, Behörden, Geschäften oder der Gastronomie gehen. Und in Frankreich müssen 3000 nicht geimpfte Pflegekräfte ihren Posten räumen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.