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Universität : Ungewöhnliche Studenten-Revolte

Herkömmliche Studentenproteste Bild: dpa/dpaweb

In Dresden gibt es Proteste um Studiengebühren der anderen Art: Einige Studenten sind dafür. Sie begannen bereits mit der Zahlung eines freiwilligen Beitrags - damit die Bibliothek auch sonntags geöffnet ist.

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          Wer an einem der kommenden Sonntage die Dresdner Landes- und Universitätsbibliothek besucht, kommt im Foyer an zwei durchsichtigen Geldkästen vorbei. Jens Bemme und seine Mitstreiter vom "Unternehmen Selbstbeteiligen" stellen sie samt einer freundlichen Aufforderung zur Spende auf. Ohne die Initiative der Studenten bliebe die imposante Bibliothek wie bisher an allen Sonntagen geschlossen - auch mitten in der Prüfungszeit. Etwa 800 Studenten nutzten die Möglichkeit am vergangenen Sonntag. Viele entrichteten dafür einen kleinen Obolus - und brachen damit ein Tabu, das Studiengebühren-Tabu.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Die Geschichte des "Unternehmens Selbstbeteiligen" (USB) begann im Juli 2002 mit einem offenen Brief, den 47 Studenten an die sächsische Staatsregierung schrieben. Darin erklärten sie sich bereit, Gebühren in Höhe von 100 Euro je Semester und Student zu zahlen, wenn sich dafür die Studienbedingungen bessern. "Um die Diskussion auf die Spitze zu treiben, haben wir trotz des Gebührenverbots im Hochschulrahmengesetz einfach angefangen zu bezahlen", erzählt Jens Bemme, der an der Technischen Universität Dresden Verkehrswirtschaft studiert. Dabei seien er und seine Mitstreiter weder explizit für noch explizit gegen Studiengebühren. Nur wieder eine theoriebeladene und ideologiebefrachtete Debatte über das Thema zu führen sei ihnen jedoch vorgekommen als "unsinnige Verlängerung eines unendlichen Streites ohne Ergebnis".

          Kein „vorauseilender Gehorsam"

          USB gehe es vielmehr darum, jetzt darüber zu diskutieren, damit die Studenten nicht eines Tages von der Politik mit einem Gebührenmodell überfahren werden, das nicht akzeptabel sei. Aus seiner Sicht kämen einzig sozial ausgewogene Modelle in Betracht, die zudem keine Bestrafung für Langzeitstudenten vorsehen. "Unsere Motivation ist nicht vorauseilender Gehorsam", sagt Bemme, der Mitglied der Grünen ist. Aber es genüge eben nicht, nur zu protestieren, vielmehr müßten Studenten selbst aktiv werden.

          Auf der Suche nach Ideen, die kurzfristig spürbare Verbesserungen für jeden Studenten der TU Dresden bringen könnten, kamen die USB-Leute schnell auf erweiterte Öffnungszeiten für die Bibliothek und die Computerräume. Würden nur 200 der rund 30000 Studenten an der TU Dresden die 100 Euro auf das USB-Konto überweisen, könnten die Computerräume acht Wochen lang rund um die Uhr und die Bibliothek täglich zwei Stunden länger sowie sonntags zwischen 10 und 18Uhr offengehalten werden, kalkulierten die Initiatoren von "Unternehmen Selbstbeteiligen" nach Rücksprache mit der Universitäts- und der Bibliotheksleitung.

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