https://www.faz.net/-gpf-88vbk

Stanford : Amerikanische Elite-Uni kritisiert von der Leyen

  • Aktualisiert am

Die Bundesverteidigungsministerin steht wegen ihrer Doktorarbeit unter Druck. Bild: Reuters

Bundesverteidigungsministerin von der Leyen steht wegen möglicher Plagiate in ihrer Doktorarbeit unter Druck. Nun macht ihr die amerikanische Universität Stanford den Vorwurf, sie würde sich unberechtigt mit deren Namen schmücken. Die Ministerin dementiert die Vorwürfe.

          2 Min.

          Die mit Plagiatsvorwürfen konfrontierte Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) zieht nun auch die Kritik einer Hochschule in den Vereinigten Staaten auf sich. Nach einem Bericht der „Welt am Sonntag“ sieht die kalifornische Elite-Universität Stanford ihren Namen durch die deutsche Verteidigungsministerin missbraucht. Die CDU-Politikerin führt in ihrem Lebenslauf zwei Stationen an der Einrichtung auf. Von der Leyen dementiert die Vorwürfe.

          Eine Universitätssprecherin sagte der „WamS“ allerdings, sie sei in keinem offiziellen Programm eingeschrieben gewesen, das mit einem Schein oder akademischen Abschluss abgeschlossen wird. Wer sich ohne ein solches Zertifikat in seinem Lebenslauf auf die Universität beziehe, missbrauche den Namen Stanfords, erklärte die Sprecherin.

          Ihrer Internetseite zufolge hat von der Leyen zwei Stationen in Kalifornien absolviert. 1993 war sie demnach „Auditing guest an der Stanford University, Graduate School of Business“. 1995 ist von einem Aufenthalt an der Stanford Health Services Hospital Administration die Rede.

          Nach Auskunft der Universitätssprecherin werden für Tätigkeiten solcher Art keine Leistungsnachweise der Hochschule ausgestellt. Offizielle Dokumente zu von der Leyen lägen in Stanford daher nicht vor. Die Bundesverteidigungsministerin erklärt in einer Stellungnahme, die Vorwürfe seien nicht korrekt. Ihre Tätigkeit sei schriftlich belegt, sie habe nie behauptet, offiziell eingeschrieben gewesen zu sein und darüber hinaus immer gesagt, dass sie vor allem wegen eines Forschungsaufenthalts ihres Mannes in Stanford gewesen sei.

          Tatsächlich kann die Ministerin verschiedene schriftliche Dokumente vorweisen. Aus den Unterlagen, die der Zeitung vorlagen, geht hervor, dass sie eine ehrenamtliche Arbeit in der Krankenhausverwaltung ausgeübt hat. Außerdem hat sie demnach als Gast Seminare besucht. Gemeinsam mit einer eingeschriebenen Studentin und der Billigung eines Dozenten verfasste sie schließlich eine Studie zu Behandlungen von Unfruchtbarkeit, deren Veröffentlichung von einem Fachjournal jedoch abgelehnt wurde.

          Doktorarbeit wird geprüft

          Ein offizieller Einschreibenachweis oder ein Zertifikat zu einem Seminar oder eine Arbeit liegen demnach nicht vor. Nach den Maßstäben der Elite-Universität reichen die belegten Aktivitäten von der Leyens nicht aus, den Namen Stanford im akademischen Lebenslauf anzugeben.

          Nach Plagiatsvorwürfen überprüft die Medizinische Hochschule Hannover derzeit die Doktorarbeit von der Leyens. Die Internetplattform Vroniplag Wiki hat den Vorwurf erhoben, die Ministerin und stellvertretende CDU-Vorsitzende habe in ihrer medizinischen Doktorarbeit aus dem Jahr 1990 fremde Texte ohne saubere Kennzeichnung übernommen. Zudem seien weitere Fehler gefunden worden. Von der Leyen hat die Plagiatsvorwürfe zurückgewiesen.

          Über Plagiatsvorwürfe waren in den vergangenen Jahren mehrere Politiker gestürzt, unter anderem die frühere Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) und der ehemalige CSU-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. In anderen Fällen waren die Vorwürfe bei Prüfungen durch die jeweiligen Hochschulen entkräftet worden - so beim heutigen Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und bei Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU).

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Seit September 2017 gilt das WLTP, ein weltweit harmonisiertes Prüfprogramm. Hier eine Abgasprüfung beim TÜV Rheinland.

          Das Grenzwert-Drama : 95 Gramm

          Von 2020 an dürfen Neufahrzeuge in Europa im Schnitt nur noch vier Liter Benzin oder dreieinhalb Liter Diesel verbrauchen. Wie es zu einem Grenzwert kam, der die Grenzen der Physik sprengt.

          Erwärmung der Arktis : Das letzte Eis schmilzt schneller

          Auch Alter und Masse schützen nicht vor dem Klimaschock: Das älteste und dickste Eis – das Walrossen und Eisbären als letzte Refugien dienen soll – schmilzt doppelt so schnell wie der Rest. Die Hitze am Pol ist nicht der einzige Grund.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.