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UN-Kriegsverbrechertribunal : Mladic verweigert Aussage

  • Aktualisiert am

August 1993: Karadzic (rechts) hört Armeechef Mladic zu Bild: AFP

Im Kriegsverbrecherprozess in Den Haag hat sich der frühere bosnisch-serbische Armeechef Mladic geweigert, über seinen Weggefährten Karadzic auszusagen. Er leidet angeblich an Gedächtnisschwäche.

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          Der frühere bosnisch-serbische Armeechef Ratko Mladic will im Prozess gegen seinen ehemaligen Weggefährten Radovan Karadzic vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien nicht als Zeuge aussagen. Er „verweigere die Aussage aus gesundheitlichen Gründen und weil dies meinen eigenen Fall beeinflussen würde“, sagte Mladic am Dienstag vor dem Gericht in Den Haag.

          Zuvor hatte er das Tribunal als „teuflisches Gericht“ beschimpft. Er erkenne „dieses Gericht des Hasses nicht an“.

          „Damit ich besser reden kann“

          Nach seiner Vereidigung hatte der 71 Jahre alte Mladic zunächst eine 20 Minuten lange Unterbrechung des Verfahrens erreicht. Er bat die Gerichtsdiener darum, sein künstliches Gebiss aus seiner Zelle zu holen, „damit ich besser reden kann“. Das löste Gelächter auf der Zuschauertribüne aus.

          Mladic wurde im Prozess gegen den früheren bosnischen Serbenführer Karadzic gegen seinen Willen vor Gericht zitiert, nachdem Karadzics Bitte auf Vorladung des ehemaligen Armeechefs stattgegeben worden war. Mladic hatte sich unter Verweis auf seine angeschlagene Gesundheit und den Zeitaufwand seines eigenen Prozesses gegen den Antrag gewehrt. Sein Anwalt sagte am Dienstag abermals, dass sein Mandant nicht verhandlungsfähig sei. Er leide an einer Gedächtnisschwäche und könne die Realität nicht von Erfundenem unterscheiden.

          Der 68 Jahre alte Karadzic, dem ebenso wie Mladic Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen werden, erhofft sich von der Aussage Mladics entlastendes Material für seine eigene Verteidigung.

          Die beiden Angeklagten werden für das Massaker von Srebrenica mitverantwortlich gemacht, bei dem im Juli 1995 insgesamt 8000 muslimische Jungen und Männer ermordet wurden. Außerdem werden ihnen gewaltsame ethnische Vertreibungen im Bosnienkrieg zur Last gelegt, der 100.000 Menschen das Leben kostete. In dem Konflikt wurden zwischen 1992 und 1995 2,2 Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertrieben.

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