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Klimagipfel in Madrid : Aufbruch im Mäuseschritt

Die draußen gegen die drinnen: Aktivisten demonstrieren am Mittwoch vor den Türen der Messehalle in Madrid. Bild: Imago

Beim Klimagipfel in Madrid trifft Protest auf Politik, ehrgeizig wollen alle sein. Doch im Inneren der Messehalle sind selbst kleine Kompromisse mühsam – vielversprechend klingt nur der „Green Deal.“

          7 Min.

          UN-Generalsekretär António Guterres will in wenigen Minuten im Plenum der Klimakonferenz eine Rede halten, da trifft vor dem Eingang der Messehalle 10 die Klimabewegung der Straße auf die Konferenz in Madrid. Dutzende junger Aktivisten werfen sich auf den Boden, sie schlagen auf Flaschen und Tassen und rufen: „We, the people, we want change.“ Sie fordern mehr Klimaschutz. Wenige Augenblicke lassen die Sicherheitskräfte der UN das Geschehen zu, dann bilden sie eine Kette, trennen den Tumult von den Zuschauern und drängen die Demonstranten aus der Messehalle ins Freie.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Timo Steppat

          Redakteur in der Politik.

          Am Ende stehen etwa zwanzig Sicherheitsleute in Schwarz wie eine Wand vor dem Tor. Andere Aktivisten fotografieren das. Ihre Botschaft: Während Politiker ihr Engagement fürs Klima versprechen, werden junge Leute rausgeschmissen.Im Inneren des Saals sagt Guterres kurz darauf, das Klimaziel von 1,5 Grad sei noch immer erreichbar, dafür müssten die Treibhausgase aber um 45 Prozent bis 2030 gesenkt werden. Es ist das Aufbruchssignal, das er in ähnlicher Form auch schon vor wenigen Monaten in New York vor dem UN-Klimagipfel geben wollte. Guterres mahnt, dass es mehr Ehrgeiz im Klimaschutz brauche. Das englische Wort „ambition“ kommt bei Guterres in fast jeder Rede vor.

          Was das Klima angeht, wollen jetzt alle ehrgeizig sein. Als die ranghohen Politiker Anfang dieser Woche zur Klimakonferenz kamen, hielten viele Umweltminister kurze Reden. Die deutsche Ministerin Svenja Schulze (SPD) gab sich kämpferisch und lobte das deutsche Klimapaket. Wenige Minuten nach ihr lobte auch der Umweltminister von Saudi-Arabien die eigenen Anstrengungen und sagte, man müsse jetzt „gute Entscheidungen“ treffen. Dass Saudi-Arabien in der Vergangenheit oft als Bremser auf Klimakonferenzen aufgetreten ist, erwähnte er nicht.

          Jugendbewegung hat Klimakonferenz verändert

          Jennifer Morgan, Direktorin von Greenpeace International, beobachtet ein Auseinanderklaffen zwischen dem, was sich auf der Straße abspielt, wie dort für das Klima gekämpft werde und wie einig man sich über die Ergebnisse der Wissenschaft ist, und was sich auf der Klimakonferenz abspielt. In den 25 Jahren, die sie die Konferenzen besuche, sei der Unterschied nie so groß gewesen, sagt Morgan. Sie spricht kurz vor der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg, das UN-Plenum ist bis zum letzten Platz gefüllt. Nicht mit Staatenvertretern, sondern mit jungen Leuten, die wie Thunberg eigens angereist sind. Wo sonst die Verhandler von Guinea, der Mongolei oder Monaco sitzen, haben die Jugendlichen ihre Wasserflaschen abgestellt. Wie schon bei anderen Auftritten in Madrid hält Thunberg keine emotionale Rede. Es ist eher eine Art Rückblick: Seit eineinhalb Jahren halte sie nun Reden, vorher habe sie, die an einer Form von Autismus leidet, nicht oft mit Menschen gesprochen. Sie habe in dieser Zeit gelernt, dass man mit etwas Persönlichem anfangen müsse, um die Leute mitzunehmen.

          Guterres mahnt, dass es mehr Ehrgeiz im Klimaschutz brauche.

          So wie der Vergleich zwischen dem Klimawandel und einem brennenden Haus oder als sie die UN-Vollversammlung „How dare you?“ fragte. Als große Gefahr benennt Thunberg in ihrer Rede, dass Politiker und Unternehmer es nur so aussehen ließen, als passiere tatsächlich etwas. Den journalistischen Ritterschlag erhält sie kurz nach ihrer Rede auf der COP 25, am Mittwoch: Das amerikanische Nachrichtenmagazin „Time“ wählt Thunberg zu seiner jüngsten „Persönlichkeit des Jahres“ und setzt ihr Bild auf den Titel der aktuellen Ausgabe. Vor einem Jahr auf der Klimakonferenz in Kattowitz war der Saal halb leer, in dem das 15 Jahre alte Mädchen mit den Zöpfen sprach. In Madrid fehlt kaum ein Politiker, der die weltweite Bewegung nicht erwähnt und lobt, die sie ins Leben gerufen hat.

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