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UN-Gericht : Serbien und Kroatien nicht schuldig an Völkermord

  • Aktualisiert am

Der internationale Gerichtshof im Haag Bild: AP

Kroatien und Serbien sind mit ihren Versuchen gescheitert, die jeweils andere Seite wegen Völkermordes auf dem Balkan in den neunziger Jahren verurteilen zu lassen.

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          Der Internationale Gerichtshof hat Serbien und Kroatien vom Vorwurf des Völkermords im Bürgerkrieg auf dem Balkan freigesprochen. Das höchste UN-Gericht wies am Dienstag in Den Haag zuerst eine Klage Kroatiens gegen Serbien ab. Es sei nicht erwiesen, dass Serbien die Absicht hatte, eine Bevölkerungsgruppe in Kroatien auszulöschen. Anschließend sprach das Gericht auch Kroatien vom Vorwurf des Völkermordes frei und wies die Gegenklage Serbiens ab. Mit dem Urteil ging ein fast 16 Jahre dauerndes Völkermord-Verfahren zu Ende.

          Zunächst hatte Kroatien Serbien wegen der sogenannten ethnischen Säuberungen zwischen 1991 und 1995 verklagt. Alle Versuche, den Konflikt außergerichtlich zu lösen, waren gescheitert. Daraufhin hatte Serbien 2010 im Gegenzug Kroatien wegen des Todes und der Vertreibung von Tausenden Serben verklagt. Bereits in einem ähnlichen Verfahren, das damals von Bosnien angestrengt worden war, hatte der Internationale Gerichtshof Serbien freigesprochen.

          In Kroatien und Serbien war der Richterspruch mit Spannung erwartet worden, da mit einem Schuldspruch Entschädigungszahlungen verbunden gewesen wären. Zudem wollte keine der einstigen Kriegsparteien als Völkermörder in die Geschichtsbücher eingehen.

          Das UN-Gericht hatte bislang nur ein Urteil zur Genozid-Konvention gesprochen. Das serbische Massaker im ostbosnischen Srebrenica vom Juli 1995 war Völkermord, stellten die Richter 2007 fest. Damals hatten serbische Einheiten etwa 8000 muslimische Jungen und Männer ermordet. Das gilt als das schlimmste Verbrechen in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Allerdings stellte das Gericht in seinem damaligen Urteil fest, dass Serbien keinen Völkermord begangen habe.

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