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Massentierhaltung : Deutschlands Gülle-Problem

Gülle-Regen auf einem Feld in Niedersachsen Bild: dpa

Umweltverbände fordern einen „Gülle-Euro“ als Abgabe auf den Stickstoffüberschuss. Denn die Bauern spritzen zu viel Nitrat und Ammoniak auf ihre Felder.

          Die Bauern kippen zu viel Gülle auf die Felder. Das ist seit Jahrzehnten so und hat schon zu einem Vertragsverletzungsverfahren der EU gegen Deutschland geführt - trotzdem nimmt die Belastung des Grundwassers kaum ab. Erst kürzlich wieder gab es eine neue Alarmmeldung aus dem Norden: Der Zustand des Grundwassers und der Oberflächengewässer in Schleswig-Holstein sei „absolut besorgniserregend“, resümierte der Agrarökologe Friedhelm Taube von der Universität Kiel, als er vor wenigen Tagen erstmals einen „Nährstoffbericht“ für das Land Schleswig-Holstein vorstellte.

          Jan Grossarth

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Die Politik hat sich des Themas angenommen, vor allem in den Ländern mit Agrarministern der Grünen. Ähnliche Berichte wie den aus Kiel gibt es seit einigen Jahren auch in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. In Deutschland werden die europäischen Vorgaben für Nitrat, das infolge der Stickstoffdüngung von Äckern im Boden entsteht, an rund 15 Prozent der Messstellen im repräsentativen Messnetz nicht eingehalten. Zudem bereiten Ammoniakausdünstungen, die teils weit über den Grenzwerten liegen, Anwohnern Sorgen.

          „Der Handlungsbedarf ist groß und dringend“

          Sie entstehen dadurch, dass organischer Dünger, also vor allem die Gülle aus den Schweine-, Rinder- oder Hühnerställen, auf die Felder gekippt wird. Doch es liegt nicht nur an den Exkrementen aus der Massentiermast. Auch die zunehmenden Gärreste aus Biogasanlagen, die Ackerbauern auf die Felder ausbringen, sind eine Quelle für Ammoniakausdünstungen. In den Biogasanlagen werden Mais, Gülle oder Müll aus der Biotonne zu elektrischem Strom verarbeitet, für den die Betreiber - meist Landwirte - Ökostromförderungen erhalten. Seit Beginn der Energiewende wurden mehr als 8000 Biogasanlagen in Betrieb genommen. Weil darin auch Biomüll vergoren wird, findet sich auf den Äckern auch immer mehr Plastik - ein weiterer ökologisch unerwünschter Nebeneffekt der Biostromförderung.

          Es gibt andererseits keinen Ausstoß, der nicht von der EU überwacht würde, und so laufen hinter den Kulissen der Kommission seit Monaten die Verhandlungen über Ammoniakverringerungen in ferner Zukunft. Die Umweltminister der EU hatten sich für Deutschland zwischenzeitlich auf ein „Minderungsziel für Ammoniak“ von knapp 30 Prozent geeinigt, bis zum Jahr 2030. Das gefährde den Standort für Tierhaltung und sei weltfremd, klagt der Bauernverband, Deutschland werde benachteiligt.

          Die Massentierhaltung ist andererseits in kaum einer Region der EU so konzentriert wie in Nordwestdeutschland. Entsprechend groß ist die Not der Tierhalter, die kaum mehr wissen, wohin mit dem Dünger. Und es gibt kaum Besserung, obgleich die Problematik seit Jahrzehnten bekannt ist. „Wir sehen seit mehr als zehn Jahren keine Verringerung bei der Belastung der Gewässer mit Nitrat und der Luft mit Ammoniak“, resümierte Agrarforscher Taube für Schleswig-Holstein, wo es besonders viele Rinder für die Milch- und Fleischerzeugung gibt.

          Viele Betriebe bekämen den Umgang mit organischem Dünger nicht in den Griff. Der Stickstoffüberschuss - also die Ausbringung von Stickstoffdünger minus der Entnahme durch die Ernte - sei höher als erlaubt. Laut dem Bericht beträgt der Stickstoffüberschuss mindestens eine Million Tonnen aus Gülle und Gärresten. Stickstoff sickert, je nach Bodenbeschaffenheit, manchmal über 20, 30 Jahre herab, bis er das Grundwasser oder auch das Trinkwasser erreicht.

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