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Umweltpolitik : G8-Staaten wollen Treibhausgase - vielleicht - halbieren

  • Aktualisiert am

Ganz kleiner Schritt nach vorne: Staatssekretär Machnig Bild: AFP

Die acht größten Industriestaaten wollen den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2050 halbieren. Das haben die Umweltminister nach einer Konferenz in Japan versprochen - ohne sich verbindlich festzulegen.

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          Die acht größten Industriestaaten wollen den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2050 halbieren. Die Reduzierung klimaschädlicher Emissionen sei der „starke politische Wille“ der Gruppe, erklärten die Umweltminister der G-8-Staaten am Montag auf einer Konferenz in Japan. Die wohlhabenderen Länder sollten den ärmeren dabei vorausgehen und sie finanziell und technologisch unterstützen. Die Entschließung ist nicht bindend. Eine Einigung auf mittelfristige und verbindliche Ziele bis 2020 gelang nicht.

          Der Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Matthias Machnig, sprach bei der Vorstellung der Ergebnisse in Kobe von einem Schritt nach vorne, wenn auch einem sehr kleinen. Machnig wiederholte Deutschlands Bereitschaft, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 um 40 Prozent zu senken. Mehrfach schaute er dabei demonstrativ auf den amerikanischen Gesandten Scott Fulton. Die Vereinigten Staaten sprachen sich gegen jede verbindliche Einigung bis 2020 aus. Bereits am Sonntag hatte Machnig gesagt, langfristige Zielsetzungen seien kein Ersatz für mittelfristige Vorgaben.

          „Gemeinsame, jedoch differenzierte Verantwortung“

          Die Industrieländer sollen auf Grund ihrer „gemeinsamen, jedoch differenzierten Verantwortung“ die Initiative ergreifen, nationale Emissionsziele setzen und „aktive Maßnahmen“ umsetzen, heißt es in einer von Japan erstellten zusammenfassenden Erklärung. Wichtig sei zudem, dass die Entwicklungsländer den Zuwachs der Abgase eindämmen. Machnig hielt es für wichtig, dass vom G8-Gipfeltreffen im Juli in Japan ein Signal ausgehe, das die internationalen Verhandlungen zum Klimaschutz weiter voranbringt. „Wir können Zeit gewinnen oder verlieren“, sagte Machnig. Es müsse eine „Architektur“ für internationale Übereinkünfte aufgebaut werden.

          „Wir können Zeit gewinnen oder verlieren”

          Die EU hatte eine verbindliche Reduzierung der Treibhausgase um 20 Prozent vorgeschlagen, Amerika und Japan waren jedoch dagegen. Beobachter sahen in einer Festlegung für 2020 den wichtigeren Teil der Verhandlungen. „Mittelfristige Ziele führen zu Handlungen, aber die lange Frist ist immer die lange Frist - weit weg“, sagte EU-Chefunterhändler Jos Delbeke. Das Treffen der Umweltminister, an dem auch China und weitere Schwellenländer teilnahmen, diente der Vorbereitung des G-8-Gipfeltreffens der Staats- und Regierungschefs im Juli in Toyako, bei dem es um die weitere Bekämpfung des Klimawandels gehen soll.

          Amerika schiebt China vor

          Die Vereinigten Staaten haben sich bislang nicht auf mittelfristige Ziele festgelegt. Zuvor müssten auch Schwellenländer wie China entsprechende Verpflichtungen akzeptieren, argumentiert Washington. Die Regierung in Tokio hat sich für Senkungen in den
          Industrieländern binnen der kommenden ein oder zwei Jahrzehnte ausgesprochen, aber ebenfalls keine konkreten Aussagen bis zum Jahr 2020 gemacht.

          Bis Dezember 2009 soll einen Nachfolgevertrag für das Kyoto-Protokoll ausgehandelt sein, dessen erste Phase 2012 ausläuft. Der Weg dorthin scheint aber noch schwierig zu sein: die EU, Amerika und Schwellenländer wie China und Indien konnten bislang keinen gemeinsamen Nenner finden.

          Japan hat derzeit den rotierenden Vorsitz der G-8-Guppe inne. Zum Club der größten Industrienationen gehören außerdem Russland, die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Italien, Frankreich, Kanada und Deutschland.

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