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Umgang mit deutschen Geiseln : Lösegeld

Die Bundesregierung kauft deutsche Geiseln von Terroristen frei - für viele selbstverständlich. Ist es aber nicht: Sie fördert damit Terroristen und gefährdet das Leben anderer Staatsbürger. Der Rechtsstaat darf nicht erpressbar sein.

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          Die Deutschen sind mit dem Leben davon gekommen, mal wieder. Vor zwei Wochen kam ein Mitarbeiter der Welthungerhilfe frei, der Anfang 2012 in Pakistan entführt worden war. In einem Video hatte er sich Anfang des Jahres an die Bundeskanzlerin gewandt. „Meine Zeit läuft ab“, flehte der Mann; dies könne seine letzte Botschaft gewesen sein. Im Hintergrund fiel zur selben Zeit ein Schuss. - Vor einer Woche die nächste erlösende Nachricht: Ein deutsches Paar, das während eines Segeltörns vor den Philippinen überfallen worden war, ist wieder frei. Auch hier hatten die Täter ein Bild in die Welt gesetzt, das den Atem stocken ließ. Es zeigte die beiden Geiseln, flankiert von schwerbewaffneten und vermummten Männern im Kampfanzug. Sie verlangten vier Millionen Euro.

          Das Foto, das Video: beide Male eine unmissverständliche Drohung. Geld oder Leben. Die Täter, in beiden Fällen Islamisten, kennen keine Gnade, kein Mitgefühl. Aber sie haben Geschäftssinn. Wer zahlt, kommt mit dem Leben davon. Natürlich können gewöhnliche Geiseln nicht einfach ein paar Millionen Euro aufbringen, das ist den Entführern klar. Doch wissen sie auch, dass solche Summen für die Heimatstaaten ihrer Opfer ein Klacks sind. Und dass ein Menschenleben dort sehr viel mehr zählt als in ihrer Welt.

          Von dem Lösegeld erst mal Waffen kaufen

          Also zahlt Deutschland. Was sind schon ein paar Millionen, wenn man dafür Menschenleben retten kann? Ist es nicht sogar oberste Staatspflicht, alles zu tun, um das Leben der Bürger zu schützen? Das ist offenbar Konsens, es gibt keine politische Auseinandersetzung darüber. Jede Regierung kann nach freiem Ermessen Geiseln freikaufen. Die Opposition hält sich raus. Niemand möchte sich vorwerfen lassen, er habe nicht alles getan, um Deutsche vor dem Tod zu bewahren.

          Leider ist die Sache aber etwas komplizierter. Nicht der einzelne Fall ist das Problem, es sind die vielen Fälle zusammen, und zwar nicht nur von Deutschen. Die britische Regierung schätzte zu Jahresbeginn, dass seit 2010 insgesamt 105 Millionen Dollar Lösegeld an Terrorgruppen aus dem Al-Qaida-Netz geflossen sind. Das amerikanische Finanzministerium kommt auf 165 Millionen Dollar für den Zeitraum seit 2008. Eine Recherche der „New York Times“ ergab, dass die Terroristen allein im vergangenen Jahr 66 Millionen Dollar aus Entführungen einnahmen.

          Das ist eine Menge Geld. Davon können sich die Terroristen kaufen, was ihr Herz begehrt: Satellitentelefone, Flugtickets, Sturmgewehre, Raketenwerfer, Sprengstoff und natürlich Unterstützer. Ein High-End-Anschlag wie 9/11 hat gerade einmal eine halbe Million Dollar gekostet, das nur zur Einordnung. Ob es uns gefällt oder nicht: Mit dem Lösegeld, auch dem für deutsche Geiseln, werden andernorts Menschen ermordet.

          Was dem einen Sicherheit bringt, gefährdet andere

          Al Qaida hat Kidnapping zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell gemacht. Die Drecksarbeit erledigen kriminelle Gruppen, sie verkaufen ihre Opfer den Islamisten. Die folgen einem immergleichen Handbuch: Nach Monaten der Ungewissheit über das Schicksal von Entführten taucht plötzlich ein Lebenszeichen auf, meistens ein Video, in dem das Opfer einen vorgefertigten Text verliest - natürlich auf Englisch, denn so lassen sich die Videos global vermarkten. Über Mittelsmänner treten die Terroristen dann in Kontakt mit den betroffenen Staaten, danach wird um den Preis gefeilscht. Gezahlt wird immer in bar. Die Führung von Al Qaida in Pakistan brüstet sich damit, die Hälfte ihrer Einnahmen stamme aus Lösegeld.

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