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FAZ.NET exklusiv : Mehr Deutsche für höhere Verteidigungsausgaben

Wenig Einigkeit besteht darin, was die großen außenpolitische Herausforderungen sind. 30 Prozent halten den Komplex Flüchtlinge, Migration und Einwanderung für ein drängendes Problem. Dahinter rangieren die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten und Amerikas Präsident Donald Trump; gut jeder Vierte sorgt sich wegen der zunehmend frostigen transatlantischen Beziehungen, das sind sieben Prozentpunkte mehr als 2017. Die Beziehungen zwischen Berlin und Washington halten inzwischen 73 Prozent für schlecht.

Darüber hinaus schaffen es nur noch drei Themen bei mehr als jedem Zehnten auf die Liste der größten außenpolitischen Herausforderungen: Bei dem Bürgerkrieg in Syrien und den Beziehungen zur Türkei unter Staatspräsident Tayyip Erdogan (jeweils 13 Prozent) handelt es sich um zwei Aspekte, die eng mit der Migrationsfrage verbunden sind. Hinzu kommen die Beziehungen zu Russland unter Präsident Wladimir Putin (10 Prozent). Abgeschlagen landen dahinter der Krieg in der Ostukraine und der Palästinakonflikt, ebenso der Brexit und deutsche Rüstungsexporte. Der Nordkorea-Konflikt, im Vorjahr noch eine der größeren Sorgen der Deutschen, wird nach dem Treffen von Pjöngjangs Machthaber Kim Jong-un und Donald Trump nicht mehr als Herausforderung wahrgenommen, obwohl sich an der faktischen Bedrohungslage so gut wie nichts geändert hat. Auch der Bürgerkrieg in Afghanistan, wo die Bundeswehr seit 17 Jahren im Einsatz steht, wird von keinem Befragten mehr genannt.

Die Zurückhaltung der Deutschen bei der Frage nach einer größeren Rolle geht einher mit dem ausgeprägten Wunsch nach stärkerer bilateraler Zusammenarbeit und einem klaren Bekenntnis zu multilateralen Organisationen. Eine engere Kooperation wünscht sich eine Mehrheit der Deutschen vor allem mit den westlichen Nachbarn Frankreich, das klar als wichtigster Partner gesehen wird, und den Niederlanden, aber auch mit Russland, China, Italien, Polen und Großbritannien. Bei den Vereinigten Staaten, die mit weitem Abstand hinter Frankreich als zweitwichtigster Partner gesehen werden, ist eine relative Mehrheit gegen eine stärkere Zusammenarbeit.

Mindestens 21,6 Milliarden Euro für Auslandseinsätze

Davon unbeeinträchtigt bleibt die Rolle der Nato als Sicherheitsgarant. Sie sehen zwei von drei Befragten positiv. Und auch der Europäischen Union kommt in den Augen der meisten Befragten zuvorderst die Aufgabe zu, den Frieden zwischen ihren Mitgliedstaaten zu wahren. 47 Prozent vertreten diese Ansicht, gefolgt von der Sicherung von Werten wie Meinungsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie (35 Prozent). Erst mit weitem Abstand folgen Wohlstandssteigerung durch den Binnenmarkt (acht Prozent) und persönliche Vorteile wie etwa die Reisefreiheit (sieben Prozent).

Die mehr als 50 Auslandseinsätze der Bundeswehr seit Anfang der 1990er Jahre haben zusammen mindestens 21,6 Milliarden Euro gekostet. Nach einer Aufstellung des Verteidigungsministeriums wurde mit 10,2 Milliarden Euro fast die Hälfte davon für die Nato-Missionen „Isaf“ und „Resolute Support“ in Afghanistan ausgegeben. Die Bundeswehr ist dort seit 17 Jahren stationiert. Dahinter folgen die Balkan-Einsätze im Kosovo (3,5 Milliarden) und in Bosnien-Herzegowina und Kroatien (1,2 Milliarden Euro) vor der Anti-Terror-Mission „Enduring Freedom“ (1,1 Milliarden) in Afghanistan, Kuwait und am Horn von Afrika, die nach den Anschlägen in den Vereinigten Staaten vom 11. September 2001 beschlossen wurde. Die Zahlen gehen aus einer Antwort aus einer parlamentarischen Anfragen des Linken-Abgeordneten Andrej Hunko hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Darin werden erstmals die Kosten aller 53 Bundeswehreinsätze im Ausland seit 1992 aufgelistet, die vom Bundestag oder vom Kabinett beschlossen wurden –  soweit sie überhaupt noch ermittelbar sind. Derzeit sind 3500 deutsche Soldaten in 13 Auslandseinsätzen, die mit Abstand meisten in Afghanistan und im westafrikanischen Mali.

Für die Studie im Auftrag der Körber-Stiftung befragte Kantar Public 1002 Deutsche, die nach dem Zufallsprinzip ausgewählt wurden, zwischen dem 13. und 26. September 2018.

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