https://www.faz.net/aktuell/politik/ultraorthodoxe-juden-retuschieren-bilder-vom-pariser-trauermarsch-13368002.html

Retuschiertes Paris-Foto : Gruppenbild ohne Kanzlerin

Gruppenbild aus Paris - mal mit, mal ohne Damen Bild: Hamevaser

Frauen auf Fotos gibt es in den Zeitungen strenggläubiger Juden nicht. So verschwindet die Kanzlerin aus dem Paris-Trauermarsch ebenso wie einst Hillary Clinton aus dem Weißen Haus.

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          Der Schweigemarsch am Sonntag in Paris war ein historisches Ereignis. Trotzdem sahen sich zwei ultraorthodoxe Zeitungen in Israel veranlasst, die Bilder der Staats- und Regierungschefs aus Paris zu zensieren. Auf den Aufnahmen, die „Hamodia“ und „Hamevaser“ druckten, fehlten die Frauen. Weder Bundeskanzlerin Angela Merkel noch die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini waren darauf zu sehen. Statt Angela Merkel lief nun der palästinensische Präsident Mahmud Abbas neben dem französischen Staatschef Francois Hollande. Solche Eingriffe sind in ultraorthodoxen Publikationen nicht ungewöhnlich, die sich weigern aus religiösen Gründen, Frauen auf Fotos abzubilden. Sie halten solche Aufnahmen für unzüchtig.

          Vor dem Trauermarsch in Paris: männliche und weibliche Politikerinnen, wie sie für das Foto wirklich beisammen standen
          Vor dem Trauermarsch in Paris: männliche und weibliche Politikerinnen, wie sie für das Foto wirklich beisammen standen : Bild: AFP
          Gruppenbild ohne Damen - so erschien das Foto in ultraorthodoxen Zeitungen
          Gruppenbild ohne Damen - so erschien das Foto in ultraorthodoxen Zeitungen : Bild: Hamevaser
          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Die deutsche Bundeskanzlerin teilt ihr Schicksal mit anderen prominenten Politikerinnen. Im Mai 2011 verschwand zum Beispiel die damalige amerikanische Außenministerin Hillary Clinton aus einem offiziellen Pressefoto des Weißen Hauses. Es zeigte die amerikanische Regierung, wie sie an Bildschirmen die Militäraktion gegen den Al-Qaida-Führer Usama Bin Ladin mitverfolgte, die mit dessen Tod endete. Die in New York erscheinende ultraorthodoxe jiddische Zeitung „Di Tzeitung“ entschuldigte sich später für ihre Manipulation, die jedoch einer lang geübten redaktionellen Praxis entspreche, keine Frauen abzubilden. Frauen sollten nicht danach beurteilt werden, wie sie aussehen, sondern was sie tun, teilte die Redaktion damals mit.

          In Israel erging es der früheren Justiz- und Außenministerin Zipi Livni schon ähnlich, die Anfang 2009 fast Regierungschefin geworden wäre. Auch sie bleibt in den Zeitungen strenggläubiger Juden unsichtbar. Man halte sich dabei an die Tora, sagte schon vor Jahren ein Vertreter der Zeitung „Hamodia“: So sei es seit dem Anfang der Welt gewesen und so werde es auch weiterhin bleiben.

          Strenggläubige Juden versuchen, dieses Bilderverbot auch auf den Straßen Jerusalems durchzusetzen. So waren auf Werbeplakaten an Bussen der Egged-Gesellschaft zeitweise keine Menschen mehr zu sehen. Strenggläubige Juden hatten dagegen protestiert, Frauen auf den Werbeflächen an den Seiten der Busse abzubilden. Die Busgesellschaft hatte sich mit der Werbefirma auf diesen Kompromiss geeinigt.

          Schon oft beschmierten oder zerstörten radikale Juden in Jerusalem Plakate, auf den Frauen oder Mädchen zu sehen waren. Aus Rücksicht auf fromme Juden verschwand auch schon das Bild einer züchtig bekleideten Hausfrau auf Packungen des größten Salzproduzenten Israels. Das betraf jedoch nur Tafelsalz, das von Rabbinern für die Pessach-Feiertage besonders koscher erklärt worden sei.

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