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Ulrich Blum : Ein Ökonom und Schreiner

In diesen Tagen hätte Professor Ulrich Blum, der neue Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), gern drei oder noch mehr Hände.

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          In diesen Tagen hätte Professor Ulrich Blum, der neue Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), gern drei oder noch mehr Hände. Am Donnerstag nahm er mit der einen die Ernennungsurkunde zum Professor für Volkswirtschaftslehre an der Martin-Luther-Universität in Halle entgegen, mit der anderen eine zünftige Flasche Wein. Mit der dritten Hand hätte er gern die Anrufe der Journalisten beantwortet und mit der vierten die Gratulationen der Mitglieder der IWH-Versammlung entgegengenommen, die ihn zu ihrem neuen Institutschef gewählt haben. Endlich, möchte man sagen, denn das Amt an der Spitze der kleinen, aber anerkannten Forschungseinrichtung war seit dem Ausscheiden von Rüdiger Pohl Ende Juni vakant. Eigentlich sollte der Freiburger Wirtschaftswissenschaftler Bernd Raffelhüschen nach Halle wechseln, doch er konnte sich mit den Berufungsinstanzen nicht über die Ausstattung des Instituts und die Modalitäten seines Wechsels einigen. Das IWH und die sachsen-anhaltische Landesregierung spürten am eigenen Leibe, was der von ihnen an anderer Stelle stets angemahnte Wettbewerb auch bedeuten konnte: Ein Wissenschaftler entschied sich gegen den Osten, weil ihm der Westen die besseren Konditionen bot.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Blum hingegen wechselt vom Osten in den Osten. Der gebürtige Bayer arbeitet seit 13 Jahren an der Technischen Universität Dresden, wo er 1991 die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften aufbaute und ein Jahr später den Gründungslehrstuhl für Volkswirtschaftslehre sowie das Amt des Dekans übernahm. Zudem engagierte er sich als Regierungsberater: als Mitglied der gemeinsamen Zukunftskommission Bayerns und Sachsens, als Vorsitzender des Forschungsbeirats im sächsischen Wissenschaftsministerium und als Leiter der Kommission Wirtschaftsintegrierende Forschungsförderung im Bundeswirtschaftsministerium.

          Er sei umtriebig, ohne sich zu verzetteln, sagt man über Blum, und hole sich gern Anregungen von außen. In Pullach bei München 1953 geboren, besuchte Blum als Schüler zeitweilig das Lycée des Londres und das Winchester College in England. Parallel zu seiner Gymnasialzeit am Ammersee absolvierte er sechs Jahre lang eine Schreinerausbildung. Nach seinem Dienst als Zeitsoldat studierte er Wirtschaftswissenschaften in Karlsruhe, wo er 1982 promoviert und 1986 habilitiert wurde. Mit diesen akademischen Weihen ausgestattet, nahm er eine Gastprofessur der Universität im kanadischen Montreal an, die er bis heute innehat.

          Seine engen Kontakte zur in- und ausländischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik will der einundfünfzigjährige Industrieökonom zu einem Netz knüpfen, von dem das Institut und die Forschung stärker als bisher profitieren sollen. Blum, Vater zweier Kinder, will vor allem die Erforschung des geistigen Kapitals der modernen Arbeitsgesellschaften vorantreiben. Die Bedeutung intellektueller Eigentumsrechte für den Wohlstand einer Volkswirtschaft werde in Deutschland noch immer nicht recht erkannt, sagt er. Dabei gebe es hierzulande viele Quellen derartigen Reichtums, etwa die Patent- und Normungsämter, die Deutschland dazu prädestinierten, aus der globalisierten Wissensgesellschaft Kapital zu schlagen. "Das intellektuelle Eigentum ist der Rohstoff der Zukunft, und zwar einer, von dem wir in Deutschland genügend haben." Man müsse ihn aber pflegen und dafür sorgen, daß er seine Renditen im und für das Inland abwerfe.

          Hier gelte es die neuen Bundesländer besonders im Auge zu behalten, mahnt der neue Chef des einzigen ostdeutschen Wirtschaftsforschungsinstituts unter den sechs großen Einrichtungen. Das hier akkumulierte Wissenskapital - an den Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Entwicklungsabteilungen - komme den internationalen und den westdeutschen Märkten viel mehr zugute als den regionalen. "Wir möchten die Debatte anführen, wer der Wissensgesellschaft weltweit die beste Heimat bietet - und wo die deutschen, auch die ostdeutschen, Potentiale liegen."

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