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Ukraine : Viele Tote bei Kämpfen um Slawjansk

  • Aktualisiert am

Angehörige einer getöteten Frau trauern am Montag in Slawjansk Bild: REUTERS

Angesichts der Offensive ukrainischer Truppen ziehen sich prorussische Separatisten aus Slawjansk zurück. Beide Seiten melden Tote. UN-Generalsekretär Ban bietet seine Vermittlung an.

          Bei heftigen Kämpfen zwischen ukrainischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten nahe der östlichen Stadt Slawjansk sind nach Angaben Kiews am Montag mehrere Menschen getötet worden. „Es gab Tote“, sagte der ukrainische Innenminister Arsen Awakow bei einem Kontrollpunkt der Armee etwa sechs Kilometer vom Schauplatz der Gefechte entfernt. Am Vortag hatte die Armee die Belagerung der von Milizen gehaltenen Stadt Slawjansk verstärkt.

          Nach Aussage von prorussischen Separatisten wurden etwa 20 Aktivisten getötet. „Wir konnten unter großen Anstrengungen ein Eindringen des Gegners in die Stadt verhindern. In unseren Reihen gibt es viele Tote“, zitierte die Agentur Interfax einen Sprecher der selbsternannten Volksmiliz. Zuvor war von etwa 15 verletzten Kämpfern die Rede gewesen. Awakow gab die Schätzung ab, dass etwa 800 bewaffnete Separatisten die Stellungen in Slawjansk hielten. „Sie setzen schwere Waffen ein, schießen mit großkalibrigen Waffen, benutzen Granatwerfer und sonstige Technik“, sagte der Minister. Die Regierungstruppen hätten trotz der Gegenwehr den Fernsehturm der Stadt mit 125.000 Einwohnern eingenommen. Nun würden wieder ukrainische Fernsehsender ausgestrahlt.

          Prorussische Separatisten flohen offenbar vor den Gefechten mit dem Militär. Mindestens zwei Radpanzer mit Separatisten verließen am Montag fluchtartig östliche Vororte der Stadt, die seit Tagen Ziel einer Großoffensive des ukrainischen Militärs ist. In Slawjansk war heftiges Gefechtsfeuer zu hören. Ein Reuters-Korrespondent berichtete, dass die Kämpfe offenbar immer näher ans Zentrum heranrücken. Militante prorussische Kräfte in Slawjansk berichteten am Montag über neue Angriffe von Regierungstruppen. In dem strategisch wichtigen Slawjansk mit einem bedeutenden Eisenbahnknotenpunkt sind seit Tagen ukrainische Soldaten mit Panzerfahrzeugen, Hubschraubern und Gefechtswagen im Einsatz.

          UN-Generalsekretär Ban Ki-moon bot ann, zwischen den Konfliktparteien in der Ukraine zu vermitteln. Ban rief am Montag alle Seiten auf, die schwere Krise „mit friedlichen Mitteln“ beizulegen, wie es in einer Erklärung Bans in Abu Dhabi heißt. Er sei bereit, dabei „meine eigene Rolle zu spielen, wenn das notwendig ist“, äußerte Ban.

          Rückzug? Prorussische Kräfte auf Schützenpanzern vor Slawjansk

          Der ukrainische Übergangspräsident Oleksander Turtschinow sieht sein Land angesichts der schweren Krise im „Krieg“. Gegen die Ukraine werde „in der Tat ein Krieg geführt und wir müssen bereit sein, diese Aggression abzuwehren“, sagte er am Montag im ukrainischen Fernsehen. In der Hauptstadt Kiew seien bereits Straßensperren errichtet worden, angesichts befürchteter „provokativer“ Aktionen prorussischer Gruppen am Donnerstag anlässlich des Gedenkens an das Ende des Zweiten Weltkrieges. Russland versuche die Lage vor der Präsidentenwahl am 25. Mai „völlig zu destabilieren“, sagte Turtschinow dem Kiewer Fernsehsender 5. Kanal.

          Kiew: Rebellen haben viele Anhänger

          Turtschinow äußerte, im Osten der Ukraine habe Moskaus Führung ihre Pläne bereits verwirklicht. In dem Interview sagte er, dass es in der Region viele Anhänger einer Abspaltung von der Ukraine gebe. „Sagen wir doch mal ehrlich: Die Bürger dieser Regionen unterstützen die Separatisten, sie unterstützen die Terroristen, was die Durchführung der Anti-Terror-Operation erheblich erschwert.“

          Prorussische Separatisten haben nach eigenen Angaben zentrale Gebäude in Donezk und weiteren Großstädten wieder unter ihrer Kontrolle. „Wir haben die Verwaltungsgebäude in den entscheidenden regionalen Zentren eingenommen“, sagte der Anführer der selbst ernannten Volksmiliz, Miroslaw Rudenko, am Sonntag der Agentur Interfax. Neben Slawjansk seien auch in Kramatorsk die wichtigsten Gebäude in den Händen der Separatisten.

          Unterdessen forderte der russische Präsident Wladimir Putin in einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) laut Kreml einen Dialog der Konfliktparteien in der Ukraine. Putin bekräftigte seine Haltung, wonach die prowestliche Führung in Kiew dringend das Gespräch mit den moskautreuen Protestführern im Südosten des Landes suchen müsse. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) wirbt zur Beilegung des Konflikts für eine zweite Genfer Konferenz. Es müssten endlich klare Verabredungen getroffen werden, wie man den Konflikt zum Stillstand bringe und einer politischen Lösung zuführe, sagte Steinmeier im ARD („Bericht aus Berlin“). Der Vorsitzende der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Didier Burkhalter, wird nach Kremlangaben am Mittwoch zu Gesprächen über die Ukraine-Krise nach Moskau reisen. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton will bereits zuvor in Washington mit der amerikanischen Regierung über eine gemeinsame Haltung in der Ukrainefrage beraten.

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