https://www.faz.net/-gpf-7whlk

Ukraine-Krise : Moskaus angebliche Ängste

Matthias Platzeck gibt den Russland-Versteher. Wir, der Westen, hätten russische Ängste nicht ernst genommen. Als ob jemand wie Putin Angst vor der Nato hätte!

          Der frühere SPD-Vorsitzende Platzeck kann sich in Russlands Psyche hineinfühlen und fordert mehr Nachgiebigkeit gegenüber Moskau: Wir, der Westen, hätten russische Ängste nicht ernst genommen. Er meint die „Einkreisungsängste“. Ein Blick auf die Landkarte würde genügen, um wenigstens diesem Teil der Kreml-Propaganda nicht auf den Leim zu gehen.

          Außerdem: Als ob jemand wie Präsident Putin vor der Nato Angst hätte! Die russische Führung fürchtet etwas ganz anderes: dass Länder, die sie in kolonialer Selbstverständlichkeit Russlands Einflussbereich zuschlägt, auf dem Weg zu Marktwirtschaft, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit vorankommen, und dass auch die Russen deswegen ins Grübeln kommen könnten.

          Selbstverständlich ist Russland ernst zu nehmen, so wie die Ukraine. Wir hätten schon vor Jahren ernst nehmen sollen, dass Putin den Zerfall der Sowjetunion „die größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts“ nannte. Dann hätten wir das Trauma der ehemaligen Herrscher über ein Imperium eher erkannt. Und ahnen können, was alles unter Traumatherapie fällt. Nichts davon rechtfertigt die Zerschlagung der Ukraine.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Ohne Hitler geht es nicht

          Europawahl in den Niederlanden : Ohne Hitler geht es nicht

          Am Abend vor der Europawahl schlüpfte Ministerpräsident Rutte in die Rolle des Herausforderers, um den Rechtsnationalisten Thierry Baudet zu stellen. Von Putin bis zur Frauenemanzipation, von Einwanderung bis Nexit ging es hart zur Sache.

          Topmeldungen

          Rezos Video : Jeder Like ein Armutszeugnis

          Das Video „Zerstörung der CDU“ des Youtubers Rezo ist ein Dokument der Zeitgeschichte: Propaganda von der ganz feinen Sorte.

          Spekulationen über May : „Es ist Zeit für sie zu gehen“

          Die Zeit von Theresa May ist endgültig vorbei – dessen ist man sich in London immer sicherer. Selbst alte Gefolgsleute legen der Premierministerin einen schnellen Rücktritt ans Herz – aber was kommt danach?

          Mit der Europawahl : Kann Schottland ein Zeichen gegen den Brexit setzen?

          Unverhofft nimmt das Vereinigte Königreich an der Europawahl teil. Im pro-europäischen Schottland hoffen Aktivisten, eine Botschaft nach Westminster schicken zu können. Gleichzeitig droht ein neues Unabhängigkeitsreferendum.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.