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Deutsche Waffenlieferungen : Die Ukraine muss leben – Palliativmedizin reicht nicht

Ukrainische Soldaten posieren vor dem Ortseingang von Isjum. Bild: AFP

In diesem Krieg machen die Ukrainer den Unterschied aus. Wer wirklich will, dass Angriffskrieg und Annexion keinen Platz mehr haben, der muss ihnen mehr helfen.

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          Wenn etwas den Unterschied in diesem Krieg ausmacht, dann ist es keine Waffe. Es sind die Ukrainer. Ihr Widerstandsgeist gegen den russischen Aggressor, ihre Kampfkraft, ihr Durchhaltewille, ihre Leidensfähigkeit, ihr taktisches Geschick, ihr Informationsfeldzug suchen ihresgleichen. Auch ohne Unterstützung des Westens, dessen Politiker dem überfallenen Land teils nur eine Überlebensdauer von Stunden vorhergesagt hatten, hätte es seinen Platz in den Annalen sicher.

          Es ist ein heroischer, aber auch ein tragischer Platz. Denn so sehr westliche Staaten helfen und ungeachtet militärischer Erfolge, so ist doch deutlich: Die Rücksicht auf Russland ist größer als die Hilfsbereitschaft für das geschundene Opfer. Zweifellos retten auch die von Deutschland gelieferten Raketenwerfer und Panzerhaubitzen Leben und ermöglichen der Ukraine, die Initiative zu ergreifen.

          Der Geleitzug fährt allenfalls mit halber Kraft

          Aber mehr und noch wirksamere Waffen könnten geliefert werden. Der Geleitzug fährt allenfalls mit halber Kraft. Der amerikanische Präsident Biden hat deutlich gemacht, dass er keinen Dritten Weltkrieg riskieren und vermeiden will, dass die Ukraine etwa Ziele in Russland ins Visier nimmt. Der bedrängte Putin soll den Westen bitte nicht auf die Probe stellen.

          Insofern kann auch der Bundeskanzler der frisch und selbst gebackenen Führungsmacht Deutschland nicht so einfach aus diesem „cordon sanitaire“ ausbrechen. Oder soll er dann auch einen möglichen Gegenschlag der NATO anführen? Aber er muss die Frage beantworten, ob die Lieferung von Kampfpanzern einen substanziellen Unterschied mit Blick auf eine mögliche Reaktion des ohnehin kaum einschätzbaren Putin ausmacht. Wer wirklich will, dass Angriffskrieg, Annexion und Völkermord in Europa keinen Platz mehr haben, und zugleich meint, er stehe Seit’ an Seit’ mit der Ukraine, der muss mehr leisten als Palliativmedizin. Die Ukraine muss leben, als souveräner Staat in seinen anerkannten Grenzen. Aus Prinzip und in unserem ureigenen Interesse.

          Reinhard Müller
          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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