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Ukraine-Konflikt : Hagel, Donner und andere Raketen

T-72-Panzer (hier im März auf der Krim) sollen auch an der Grenze zur Ukraine stationiert sein Bild: dpa

Kiew spricht von 45.000 russischen Soldaten, die inzwischen an der ukrainischen Grenze stationiert seien. Auch eine russische Reporterin berichtet über Artillerieschüsse und einen Truppenaufmarsch in dem Gebiet. Doch die Armee stellt sich dumm.

          Dieser Tage berichtet das russische Staatsfernsehen ausführlich über einen „Panzer-Biathlon“, bei dem in der Nähe von Moskau zwölf Teams gegeneinander antreten. Unter anderem Venezuela, China, Indien, Kuweit, Serbien und die Mongolei sind dabei. Russland natürlich auch, der Gastgeber und Titelverteidiger. Nur China hat eigene Panzer mitgebracht, alle anderen fahren in russischen T-72-Panzern über einen Hindernisparcours und schießen auf Ziele, die Panzer oder Hubschrauber simulieren sollen. Das gibt dem Staatsfernsehen Gelegenheit zur weiteren patriotisch-militärischen Mobilisierung.

          Der  Weg des Konvois zur ukrainischen Grenze

          Von einem realeren Kriegsgeschehen berichtet es hingegen nicht: dem russischen Aufmarsch an der ukrainischen Grenze. Nach ukrainischen Angaben hat Russland dort mittlerweile rund 45.000 Soldaten und schweres Kriegsgerät zusammengezogen. Immer wieder meldet die ukrainische Armee Beschuss aus dem Nachbarland. Jüngste Recherchen der kremlkritischen Zeitung „Nowaja Gaseta“ untermauern diese Vorwürfe.

          Anfang dieses Monats hielt sich Elena Ratschewa, eine Reporterin der Zeitung, mehrere Tage nahe der Grenze zur Ukraine auf. Sie wurde laut ihrem Bericht, der am Montag und Mittwoch erschien, Zeugin des Transports von gepanzerten Fahrzeugen, T-72-Panzern und Raketenwerfern in Richtung Grenze. Zudem sah und fotografierte sie nach eigenen Angaben ein großes Militärlager in der Nähe des Grenzübergangs Gukowo. Andere Militärlager, das hätten Bewohner berichtet, seien wegen der Ankunft von Beobachtern der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) verlegt worden, so dass sie nun weiter weg von der Grenze seien.

          Moskau hatte die OSZE aufgefordert, sich ein Bild von der Situation im Grenzgebiet zu machen, auch aufgrund des angeblichen Beschusses von ukrainischer Seite aus. Ratschewa berichtete, am 25. Juli sei von ukrainischer Seite aus ein kleines russisches Dorf mit Artillerie beschossen worden, kurz, nachdem ein Team des Staatsfernsehens dort eingetroffen sei. Das lässt einen Beschuss durch die Separatisten vermuten, für die das Staatsfernsehen stets Partei ergreift.

          Vom FSB verhört

          Ratschewa wurde im Grenzgebiet auch vom Geheimdienst FSB verhört. Während des Gesprächs im Dorf Kujbyschewo im südrussischen Gebiet Rostow habe sie deutlich Artilleriegeschosse gehört. Es habe geklungen, als seien sie „im Nachbarhof“ abgefeuert worden. Die Beamten hätten die Geräusche auf Nachfrage, ob es sich nicht um Raketen des russischen Typs „Grad“ (Hagel) handele, erst als „Donner“, dann als „Salutschüsse“ bezeichnet. Ratschewa traf auch Soldaten, die sich im einzigen Café des Dorfes vergnügten. Einer von ihnen, der mit einer Militäruniform ohne Kennzeichnung, wie sie russische Spezialkräfte tragen, bekleidet gewesen sei, habe sich ihr als Dagestaner vorgestellt und gesagt, man bleibe vor Ort, so lange es „das Vaterland“ wünsche. In der Nähe hörte die Reporterin Raketen aus russischer Richtung in Richtung des ukrainischen Dorfes Marinowka fliegen und sah die Einschläge dort.

          57 Prozent der Russen sind nach einer Erhebung des unabhängigen Lewada-Zentrums der Ansicht, Russland mische sich nicht in die Ereignisse in der Ukraine ein, 75 Prozent meinen, Russland trage keine Verantwortung für das Blutvergießen und den Tod von Menschen in der Ostukraine. Eine Minderheit sieht das anders: Am Dienstagabend nahmen nach Angaben von Kremlgegnern mindestens 150 Personen an einer verbotenen Gedenkveranstaltung für zivile Opfer des Ukraine-Konflikts teil. Sie legten vor der ukrainischen Botschaft in Moskau Blumen nieder, zündeten Kerzen an. 30 Personen wurden demnach festgenommen, auch einige der Gegendemonstranten, aus deren Reihen die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung als „Verräter“ beschimpft wurden.

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