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Eroberte Militärbasis : Ukrainischer Marinechef auf der Krim festgenommen

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Ein maskiertes Mitglied der prorussischen Milizen im Hauptquartier der ukrainischen Marine in Sewastopol. Berichten zufolge eroberten rund 200 Männer das Gelände - teils bewaffnet, teils unbewaffnet und in ziviler Kleidung. Bild: REUTERS

Prorussische Milizen haben einen Stützpunkt der ukrainischen Marine in Sewastopol erobert. Der Oberbefehlshaber soll vom russischen Geheimdienst abgeführt worden sein. Die Ukraine arbeitet an einem Plan für einen Abzug ihrer Truppen von der Krim.

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          Prorussische Kräfte haben auf der Krim den Oberbefehlshaber der ukrainischen Marine vorübergehend festgenommen. Es gebe noch Fragen an Vizeadmiral Sergej Gajduk, meldete die moskautreue Agentur Kriminform unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft in der Hafenstadt Sewastopol. Gajduk habe an den ukrainischen Stützpunkten den Befehl aus Kiew verbreiten lassen, Waffen zur Selbstverteidigung einzusetzen. Der Chef der russischen Schwarzmeerflotte, Alexander Witko, forderte die ukrainischen Truppen auf der Halbinsel auf, diesen Befehl nicht umzusetzen. Der britische Sender BBC berichtete, Gajduk sei offenbar von Mitarbeitern des russischen Geheimdienstes abgeführt worden.

          Die Ukraine forderte die prorussischen Kräfte auf der Krim ultimativ zur Freilassung Gajduks und weiterer „Geiseln“ auf. Falls die Forderung nicht erfüllt werde, unternehme die Ukraine „angemessene Maßnahmen“, kündigte Interimspräsident Alexander Turtschinow am Mittwoch in Kiew an. „Dies ist nicht der erste Fall einer gesetzwidrigen Festnahme von Militärs und Zivilisten auf der Krim“, sagte Turtschinow nach Angaben der Agentur Unian.

          Die Ukraine arbeitet unterdessen an einem Plan für einen möglichen Abzug ihrer Truppen von der Krim. Dies sagte am Mittwochabend der Chef des nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates, Andrej Parubi, bei einer im Fernsehen ausgestrahlten Pressekonferenz. Der Plan solle auch gewährleisten, dass die Familienangehörigen der Soldaten „so schnell wie möglich“ die von Russland beanspruchte Halbinsel verlassen könnten.

          Prorussische Milizen übernahmen unterdessen auch die Kontrolle über einen weiteren ukrainischen Militärstützpunkt. Sie besetzten Nowooserne im Osten der Halbinsel. Rund 50 ukrainische Soldaten verließen anschließend unter russischer Aufsicht den Stützpunkt. Zeitgleich hissten die Milizen die russische Flagge. Ein früherer Versuch, den Stützpunkt zu erobern, war laut den Angaben eines Sprechers des Verteidigungsministeriums in Kiew fehlgeschlagen. Demnach hätten die Milizen sich mit einem Traktor zunächst Zugang verschafft, russische Soldaten hätten den Vorstoß schließlich jedoch aufgehalten.

          Aufforderung zum Seitenwechsel

          Zuvor waren prorussische Uniformierte auf das Gelände des Hauptquartiers der ukrainischen Marine in Sewastopol vorgedrungen. Mitglieder der „Selbstverteidigungskräfte“ hätten die ukrainischen Offiziere herausgeleitet berichten örtliche Medien. Es habe keine Verletzten gegeben. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht. Die moskautreue Krim-Führung hatte die ukrainischen Soldaten auf der Halbinsel zum Seitenwechsel aufgefordert. „Auch wenn wir die Erlaubnis haben, unsere Waffen zur Selbstverteidigung zu nutzen, tun wir das nicht“, sagte Marinesprecher Sergej Bogdanow.

          Die Eroberung heizt die ohnehin extrem angespannte Lage auf der Krim weiter an Bilderstrecke
          Eingenommene ukrainische Militärbasis : Moskau, der Eroberer

          Im Anschluss verließen die ukrainischen Soldaten das Gelände. Dutzende zum Teil Maskierte hissten zu den Klängen der russischen Nationalhymne auf dem Gelände die russische Flagge. Davor versammelte sich eine Menschenmenge. Medien in Kiew berichteten, unter den Angreifern seien auch Frauen.

          Aksjonow: Wir werden niemanden hereinlassen

          Zuvor hatte das ukrainische Verteidigungsministerium die Erlaubnis zum Waffeneinsatz zur Selbstverteidigung erteilt. Angesichts der Lage auf der Krim kündigte die ukrainische Übergangsregierung in Kiew an, Verteidigungsminister Igor Tenjuch und der stellvertetende Regierungschef Vitali Jarema würden umgehend in die Region reisen. Sie sollten „die Situation lösen“, sagte der amtierende ukrainische Regierungschef Arsenij Jazenjuk. Dazu sagte der von Kiew nicht anerkannte Regierungschef der Krim, Sergej Aksjonow: „Niemand wartet auf der Krim auf sie. Und niemand wird sie hereinlassen.“ Die Politiker würden zurückgeschickt, sagte er der Nachrichtenagentur Interfax zufolge in Moskau.

          Unterdessen begann die russische Luftwaffe ein großangelegtes Manöver im Nordwesten des Landes, wie die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf Militärkreise berichtet. Demnach nehmen an den Übungen Kampfflugzeuge teil. Moskau hat einen Tag nach der Unterzeichnung des umstrittenen Vertrags über den Anschluss der Krim diesen im Verfassungsgericht in St. Petersburg zur Prüfung eingereicht. Anschließend sollen die Staatsduma und der Föderationsrat das Dokument ratifizieren.

          Krim-Krise : Ukrainische Marine verliert Kontrolle

          Der Vizepräsident der Vereinigten Staaten, Joe Biden, sieht Russland in der Krim-Krise auf einem „finsteren Weg“ in die Isolation. Die Vereinigten Staaten würden auf jeden aggressiven Akt gegen die Nato-Verbündeten reagieren, sagte er in Litauen. Biden ist für zwei Tage zu Gesprächen in Polen und den baltischen Staaten. Deutschland will sich an einer möglichen Beobachtermission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in der Ukraine mit bis zu 20 eigenen Beobachtern beteiligen. Dies kündigte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Berlin an.

          Weitere Sanktionen könnten folgen

          Die Ukraine, zu der die Krim völkerrechtlich gehört, sowie die Europäische Union und die Vereinigten Staaten werfen Russland einen eklatanten Bruch des internationalen Rechts vor. Die EU und Amerika erwägen, weitere Sanktionen zu verhängen.

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          Krim-Krise : Wiedersehen mit dem sowjetischen Bären

          Die Bewohner der ukrainischen Halbinsel hatten sich am Sonntag in einem Referendum für eine Angliederung an Russland ausgesprochen.  Der russische Präsident Wladimir Putin unterzeichnete am Dienstag  einen entsprechenden Vertrag, den das Verfassungsgericht am  Mittwoch bestätigte. Der Westen verurteilt das Vorgehen als  völkerrechtswidrig und verhängte abermals Sanktionen gegen Russland.

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